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Dinslaken
Eine Hymne auf die Burghofbühne

Dinslaken. "Sturm über Dinslaken" von Schauspieler Christoph Bahr auf Youtube 1000 Mal geklickt.

Es gibt Hymnen, die sind hochoffiziell, werden zu staatstragenden Akten gespielt, von Fußballern falsch brummend oder auch lippensynchron schweigend mitgesungen oder auch mal hier und da mit Schnitzern im Text vor einem Millionenpublikum interpretiert. Und es gibt die Hymnen, die aus dem Herzen kommen, die Liebeserklärungen, Solidaritätsbekundungen und Mutmachlieder zugleich sind.

Zur letzten Kategorie gehört ein Stück, dass vor einer Woche auf Youtube hochgeladen wurde und schon über 1000 Mal angeklickt wurde: "Sturm über Dinslaken", geschrieben von Christoph Bahr. "Ein großer Sturm zieht auf über Dinslaken / Aber er fegt uns nicht hinweg, wenn wir uns einhaken. / Denn wird sind die Burghofbühne, wir können alles übersteh'n".

Das Video mit dem hochaktuellen Text hatte seine Premiere am Ende der Diskussion über den drohenden Ausstieg des Kreises Wesels aus seinem Landestheater am 27. November. Der Text entstand bereits im Sommer, als die jetzige Situation selbst dem phantasiebegabtesten Theaterdramatiker nicht in den Sinn gekommen wäre.

"Im Sommer habe ich zuhause eine alte CD meines Bruders von 1993 gefunden: Die 'ran FußballHits'", verrät Christoph Bahr. "Da waren solche zeitlosen Perlen dabei wie der 'Zebratwist' des MSV Duisburg (die älteste Stadionhymne Deutschlands). Der Schauspieler spielte die CD im Tourbus der Burghofbühne, und als seine Kollegen begeistert reagierten, stieg in ihm das Bedürfnis auf, eine solche Hymne fürs Theater zu schreiben. Den ersten Textentwurf habe er in der Küche auf einem Stückchen Papier, das gerade zur Hand war, gekritzelt.

Und irgendwie wurde die Hymne für "seine" Burghofbühne auch eine Liebeserklärung an Dinslaken, das der gebürtige Wiesbaden-Dotzheimer vor seinem Engagement am Landestheater nur von Hanns Dieter Hüsch kannte. Dem ist entsprechend gleich die zweite Strophe gewidmet: "Der liebe Gott fährt auf dem Fahrrad hier vorbei." Im Video ist es nicht der liebe Gott persönlich, sondern Intendant Mirko Schombert, der wie jeden Morgen mit dem Drahtesel zum Tenterhof radelt.

Der Einfluss von Hanns Dieter Hüsch führte aber auch zum "Faux-pas": Christoph Bahr hat Dinslaken auf die linke Rheinseite geschoben. "Ich habe einen Mann namens 'Mücke' es 'bei Herbert im Bräustüb'l am Bahnhof oft beteuern hören, dass der linke untere Niederrhein der einzig richtige Niederrhein sei (was natürlich Quatsch ist, der linke obere ist auch ganz schön)", gesteht Bahr. Und lässt den Text so stehen. "Das Wembley-Tor ist ja auch nicht nachträglich annulliert worden."

Auf dem Tenterhof habe man auf das Lied auf jeden Fall ganz gerührt reagiert. Und ob linker oder rechter Niederrhein, die Burghofbühne Dinslaken gehört dem ganzen Kreis Wesel. Und das ist doch schließlich die Botschaft, die heute gehört werden muss.

(bes)
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