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Dinslaken
Eine menschliche Vermittlungshilfe

Dinslaken. Das Projekt "Perspektive 50plus - INISS" kümmert sich seit vier Jahren um ältere Langzeitarbeitslose und soll bis 2015 fortgesetzt werden. In Zusammarbeit mit der Arge Kreis Wesel betreut die Caritas die Jobsuchenden und hilft in einem vertrauensvollen Verhältnis weiter. Von Hendrik Gaasterland

Die Fälle, die sich Stefan Stürznickel in seinem Beruf als Caritas-Mitarbeiter anhört, sind manchmal bizarr bis witzig. Weil ein Teilnehmer des Projekts "Perspektive 50plus – INISS" mittags zwischen 14 und 16 Uhr immer seine bestimmten Lieblingsserien im Fernsehen schauen wollte, sah er sich nicht in der Lage zu arbeiten. Oder weil jemand nicht wusste, wie der Fahrscheinautomat im Bahnhof zu bedienen ist, stellte sich für ihn ernsthaft die Frage, wie er denn von Dinslaken zu seiner Arbeitsstelle nach Oberhausen kommen sollte.

Über 47 Jahre

Das Projekt "INISS" (Initiative Niederrhein Innovation Senior Services) kümmert sich seit 2006 intensiv um den Personenkreis der älteren arbeitssuchenden Menschen über 47 Jahre aus Dinslaken, Voerde und Hünxe.

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Kreis Wesel nimmt die Caritas die nur schwer zu vermittelbaren Jobsuchenden auf und bietet eine fachkundige Betreuung an. So hilft zum Beispiel eine Einweisung am Fahrscheinautomaten ganz schnell, um die Probleme abzuarbeiten. "Bisher haben wir schon mit 700 Menschen zu tun gehabt, momentan haben wir rund 350 Kunden", sagt Job-coach und Teamleiter Christoph Dahlmanns von der Caritas.

Die Stärke

"INISS" geht anders als die klassischen Vermittler vor und ist mit seiner persönlichen Art und Weise etwas Besonderes. Dahlmanns bezeichnet es als "caritasmäßig", weil in mehreren Beratungsgesprächen intensiv von Mensch zu Mensch kommuniziert wird und ein vertrauensvolles Verhältnis entsteht. "Wir gehen nicht schablonenhaft vor, und genau das ist unsere große Stärke", meint Stürznickel. Oft wurde die enge Zusammenarbeit zwischen Caritas und Jobsuchenden dann auch vom Erfolg gekrönt, denn in den ersten Wochen in diesem Jahr ist die 200. Vermittlung einer Arbeitsstelle gelungen. Insgesamt waren es 2010 zehn Vermittlungen, was für Teamleiter Dahlmanns eine zufriedenstellende Zahl ist. Die Leute, die bei der Caritas nach Hilfe suchen, sind Langzeitarbeitslose, bei denen eine Arbeitsmarktintegration auf Grund von "multiplen Vermittlungshemmnissen" bisher nicht möglich war. "Wenn man 52 Jahre alt ist, ist das weniger dramatisch. Schlimm wird es, wenn man lange vom Arbeitsmarkt weg ist", erklärt Dahlmanns das Problem der Menschen, denen teilweise wieder die schlichten Werte wie Disziplin und Pünktlichkeit eingeimpft werden muss. Da sie aber freiwillig bei "INISS" teilnehmen, sind sie für jede Unterstützung dankbar.

"Die Neugierde ist da und sie merken, dass hier etwas passiert", sagt Dahlmanns und Guido Busch, ebenfalls von der Caritas, ergänzt: "Die Leute, die kommen, die wollen auch. Sie wollen sich auch mit 60 Jahren noch verändern und unabhängig sein."

Bürgermeister begeistert

Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger zeigt sich von dem Projekt, das bis zum Jahr 2015 fortgesetzt werden soll, begeistert und freut sich über die erfolgreiche Arbeit der Beteiligten: "Als Bürgermeister bin ich froh, solch engagierte Projekte, mit dem Ziel eine Brücke in den Arbeitsmarkt zu schaffen, in der Stadt zu haben. Hier wird die Person als Ganzes gesehen und nicht nur auf die Schwierigkeiten eingegangen, sondern auch auf die Stärken."

Quelle: RP
 
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