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Voerde
"Eine Regierung auf Bewährung"

Voerde. Hendrik Wüst, neuer nordrhein-westfälischer Minister für Verkehr, war Gast beim Martiniabend des CDU-Ortsverbandes Voerde und sprach im Wasserschloss über die notwendige Verbesserung der Infrastruktur. Von Heinz Schild

Bert Mölleken, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Voerde, bezeichnete den Referenten des Abends in seiner kurzen Einführungsrede als den Mann, dessen "Aufgabe es ist, das Verkehrschaos in Nordrhein-Westfalen zu beseitigen". Und damit meinte der Christdemokrat seinen Parteikollegen Hendrik Wüst, der nach dem Regierungswechsel in Düsseldorf neuer Verkehrsminister geworden ist. Der 42-jährige Landespolitiker brauchte beim traditionellen Martiniabend, der im Wasserschloss Haus Voerde stattfand, nicht lange, um die Zuhörer mit seinen Ausführungen zu fesseln.

Er sammelte schon Pluspunkte, als er verriet, dass er bereits früher in Voerde - und auch in der Nachbarstadt Dinslaken - gewesen ist und Handball gespielt hat. Diese Sonntagsauswärtsspiele fanden in Turnhallen statt, umso begeisterter zeigte sich der Gast nun vom Wasserschloss. Den schlichten Namen Haus Voerde empfand er angesichts der Schönheit des Ortes als eine Untertreibung. Mit langen Vorreden hielt sich Wüst nicht auf, er legte gleich los und berichtete von seinen Erfahrungen, die er in seinem neuen Amt als Verkehrsminister gemacht hat. Dabei sparte er nicht mit Kritik an der rot-grünen Vorgängerregierung, denn die Lage, die er in seinem Bereich - und nicht nur dort - vorgefunden habe, sei teilweise viel schlechter als er es sich habe vorstellen können.

Enorme Probleme gebe es bei der Verkehrsinfrastruktur, die daran kranke, dass man den Schalter nicht umgelegt und nicht investiert habe, als erste Überlastungstendenzen sich gezeigt hätten: kilometerlange Staus auf den Autobahnen und überall marode Brücken, von denen zwei Drittel komplett erneuert oder kernsaniert werden müssten. Auch in den Bereichen Schule, Bildung, innere Sicherheit gebe es zu viele Dinge, die nicht mehr funktionierten. Und dies, so seine Einschätzung, sei der Grund für den Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen gewesen. Die neue Regierung sieht Wüst in der Pflicht, sie müsse Erfolge vorweisen. "Wir sind eine Regierung auf Bewährung - wir müssen es besser machen, denn sonst sind wir in fünf Jahren - wie unsere Vorgänger jetzt - weg vom Fenster." Im jetzigen Kabinett herrsche Einigkeit, dass die Infrastruktur in Schuss gebracht werden müsse. Um die angestrebten Verbesserungen zu erreichen, will Wüst in seinem Bereich beispielsweise eine landesweit zuständige Stabsstelle Baustellenmanagement einrichten. Dies erscheint ihm ratsam, da er festgestellt hat, dass die Kommunikation der Behörden und anderer Beteiligten untereinander nicht die beste ist. "Sie können sich nicht vorstellen, wer in diesem Land nicht miteinander spricht", sagt zu seinen Zuhörern.

Wüst richtet den Blick auch über die Grenze, will beispielsweise von den holländischen Nachbarn das übernehmen, was diese besser machen als wir. Zudem will der Minister die Bürger mehr einbinden, schon bei der Planung mit den Menschen reden, sie beteiligen, damit es zu Projekten mehr Zustimmung und weniger Ärger gibt. Hendrik Wüst setzt darauf, Lösungen hinzukriegen, für die es viel Akzeptanz gibt.

Auch auf das Thema Betuwe kam der Minister zu sprechen. In der Region ist nach seiner Ansicht bereits eine Menge erreicht worden. Nachgelegt werden müsse noch bei der Sicherheit entlang der Bahnstrecke, denn bei diesem Thema hätten die Feuerwehren Wichtiges beigesteuert, das sich im Planfeststellungsbeschluss wiederfinden werde. Hart ins Gericht ging der Christdemokrat mit den Verkehrsverbünden, bei denen noch einiges im Argen sei, denn diese hätten nichts mit der Lebenswirklichkeit der Menschen zu tun. Heutzutage sei er problemlos möglich, von zu Hause aus eine Reise nach Australien zu buchen, mit Flug, Hotelaufenthalt und Mietwagen.

"Aber versuchen Sie mal, mit einer App eine Fahrt von Rhede nach Voerde zu buchen. Vergessen Sie es, es geht nicht", stellt der Minister fest. Dies müsse geändert werden, die rasant fortschreitende Digitalisierung biete große Chancen für die vernetzte Mobilität.

Die sich ihm stellenden Herausforderungen will der Verkehrsminister angehen. Was das für ihn bedeutet? "Ein Haufen Arbeit und auch ein Haufen Ärger." Doch sieht er gute Chancen, die angestrebten Ziele erreichen zu können, wie er seinen Zuhörern im Haus Voerde darlegte, die den Gast aus Düsseldorf mit viel Applaus entließen.

Quelle: RP
 
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