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Dinslaken
Eine Schwäche für die schönen Dinge

Dinslaken: Eine Schwäche für die schönen Dinge
Jochen und Annelies Michels (l.) sowie Julia und Tom Michels (r.) erhalten von Jörg Winkelsträter (IHK) eine Urkunde zum 50. Geburtstag. FOTO: Kempken
Dinslaken. 1966 eröffneten Annelies und Jochen Michels als "Seiteneinsteiger" ein kleines Juweliergeschäft. Heute führen Tochter Julia und Schwiegersohn Tom den um ein Vielfaches gewachsenen Betrieb, der jetzt goldenes Jubiläum feiert. Von Rita Meesters

1966 war das Leben noch nicht so bunt und vielfältig wie heute, doch nach den harten Nachkriegsjahren erwachte mit dem steigenden Wohlstand die Lust am Luxus. So kamen Annelies und Jochen Michels mit ihrem kleinen Juweliergeschäft an der Voerder Straße, das sie auf gerade einmal 20 Quadratmetern eröffneten, zur rechten Zeit. Das anfangs nur halbtags geöffnete Ladenlokal, in dem das Ehepaar als "Seiteneinsteiger" in der Schmuckbranche die damals typischen Broschen und Goldketten für besondere Anlässe verkaufte, ist inzwischen ein bekannter, alteingesessener Familienbetrieb geworden. Trotz seiner "4b"-Lage, wie Jochen Michels den Firmensitz außerhalb des Stadtkerns scherzhaft nennt, ist der Betrieb mittlerweile auf 240 Quadratmeter Fläche gewachsen - mit Goldschmiede-Atelier, Uhrenwerkstatt, 16 Mitarbeitern und vielen Stammkunden.

Dabei hatten weder Jochen Michels noch seine Ehefrau eine Ausbildung in dieser Branche. Annelies Michels absolvierte eine kaufmännische Lehre und entdeckte durch ihren Onkel, der ein Schmuckgeschäft in Solingen führte, ihre Liebe zu den glänzenden Accessoires. Ihr Mann arbeitete als "überzeugter Lehrer", wie er berichtet, und blieb seinem Hauptberuf bis 1989 treu.

So mancher Kunde kennt ihn noch als Leiter der Grundschule Drevenack, der Otto-Willmann-Schule oder als Fachleiter des Lehrerseminares. Erst als das Juweliergeschäft immer größer wurde, sattelte er um, bildete sich zum Edelsteinfachmann und Diamantgutachter weiter, war jahrelang sogar Mitglied der Antwerpener Diamantbörse. Die pädagogischen Fähigkeiten, sagt er, kamen ihm auch in seinem zweiten Beruf zugute. "Man muss auch Kunden motivieren können."

In den 60er und 70er Jahren zeigten die Kunden noch gerne, was sie haben, erinnern sich Annelies und Jochen Michels, die den Betrieb 2008 an Tochter Julia und Schwiegersohn Tom weitergaben. Schmuck wurde fast ausschließlich für besondere, elegante Anlässe gekauft - Goldketten, breite Armbänder oder Broschen für die Oper und fürs Theater. Kein Wunder: Der Goldpreis betrug in den 60er Jahren fünf Mark für ein Gramm. Heute, weiß Tochter Julia, die nach dem Abitur im elterlichen Betrieb ihre Ausbildung zur Goldschmiedin und schließlich ihren Meister machte, müssen Uhren und Schmuck hauptsächlich alltagstauglich sein. "Man will sie jeden Tag tragen." Selbst wenn es teure Stücke sind - sie sollen nicht unbedingt danach aussehen. Auch die Materialen sind vielfältiger geworden, Goldelemente und -anhänger werden mit Leder, bunten, fröhlichen Steinen und sogar mit Holzperlen kombiniert.

Gemeinsam mit Ehemann Tom, der Diplom-Ökonom ist und zehn Jahre lang in einem Immobilienkonzern tätig war, bildet die 46-Jährige die zweite Geschäftsinhaber-Generation. Unter ihrer Führung wurde 2012 auch die jüngste Erweiterung und komplette Modernisierung der Verkaufsräume durchgeführt - und besonders stolz ist Tom Michels auf die Konzession für den Verkauf von edlen Rolex-Uhren. Denn das ist - zumindest am Niederrhein - etwas Seltenes, sagt der 47-Jährige, der sich schwerpunktmäßig um den Uhren-Verkauf und das Kaufmännische des Familienbetriebes kümmert.

Ehefrau Julia ist dagegen für Verkauf von Schmuck zuständig, berät aber auch gerne Kunden, die zum Beispiel mit Erbstücken aus der Schatulle von der Mutter oder Großmutter kommen und diese in moderne Schmuckstücke mit Erinnerungscharakter verwandelt haben wollen.

In den vergangenen Jahren hat sich das Geschäft immer mehr auf hochwertige Marken wie Wellendorff oder Pomellato konzentriert - denn bei Massenware ist die Konkurrenz von Ketten und Kaufhäusern groß. Die Kunden kommen nicht nur aus Dinslaken, sondern aus einem größeren Umkreis. "Die Beratung und die familiäre Atmos-phäre sind bei uns der Schlüssel", ist Jochen Michels überzeugt. Einige Kunden besuchen in der dritten Generation das Geschäft. Diese Stammkunden sind auch der Grund, warum die beiden Geschäftsgründer nach wie vor im Laden anzutreffen sind.

Für Annelies und Jochen Michels ist es ein Glücksgriff, dass Tochter und Schwiegersohn die Leidenschaft für den Betrieb teilen und die Fortführung gesichert ist.

"Wir haben alle eine Schwäche für die schönen Dinge", sagt Annelies Michels. Und alle wissen an ihrem Beruf besonders die positive Atmosphäre bei der Arbeit zu schätzen. "Die Menschen kommen ja her, um sich oder anderen etwas Gutes zu tun."

Quelle: RP
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