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Dinslaken
Energie, die Menschen in Bewegung setzt

Dinslaken: Energie, die Menschen in Bewegung setzt
Vom leisen Abschied keine Spur: Matti Klein (Rhodes), Felix Falk (Saxophon), Tobias Fleischer (Bass) und André Seidel (Schlagzeug) brannten ihr JazzFunk-Feuerwerk auf der Bühne im Burginnenhof ab. FOTO: Heiko Kempken
Dinslaken. Jazz an der Burg: Mo' Blow heizten noch einmal die Stimmung im sommerlich-warmen Burginnenhof an.

Aktives meteorologisches Eingreifen beanspruchen Mo' Blow ganz offen für sich. Kaum seien sie aus dem Tourbus gestiegen, wäre auch die Sonne durchgekommen, erklärten sie im äußerst gut gefüllten Burginnenhof. Ein lauer Sommerabend für die dritte (Neu-)Auflage von "Jazz an der Burg". Aber das Wetter beeinflussen zu können, ist natürlich nur vergnügliches Geplänkel. Die wahre Fähigkeit von Felix Falk (Saxophon, Didgeridoo, Percussion), Matti Klein (Rhodes), Tobias Fleischer (Bass) und André Seidel (Schlagzeug) ist das Erzeugen einer eigenen Quantenphysik im offenen Raum: Sie verstehen es, auf der Bühne musikalische Schwingungen in funkensprühende, elektrisierend aufgeladene Teilchen zu verwandeln und Töne tanzen zu lassen, dass man deren Körperlichkeit förmlich spürt. Die Energie, die sie damit freisetzen. reicht locker dafür aus, mehrere hundert Menschen in Bewegung zu versetzen.

Man sieht förmlich die Tanzbewegungen der Musik. Was da aus Felix Falks Baritonsax herauskommt, bewegt sich in geschmeidiger, aber klare Positionen formender Choreographie. Ein kleiner Quietscher zwischen den dunklen Tönen, ein rhythmischer Akzent, ein hüpfendes sich Recken und Strecken der musikalischen Figur. Das Motiv aus dem Saxophon tanzt vor, man braucht nur noch mitzumachen. Tobias Fleischer lässt seine Bässe am Boden Breakdance-Akrobatik vollführen, während über Matti Kleins Rhodes die Klänge wie weiche Flöckchen im Scheinwerferlicht wirbeln. Ist das die Spannung, die knistert oder André Seidels Schlagzeugspiel? Seidel trommelt mit den Händen auf dem Schlagzeug, als sei die Snare eine afrikanische Djembe, Felix Falk versetzt sein Didgeridoo in Schwingung und dann den ganzen Burginnenhof. Was in dem langen, dünnen Kunststoffrohr entsteht, kann man nicht nur hören.

Die Schwingungen breiten sich über Bühne und Boden aus, sie kitzeln unter den Füßen und kribbeln im Nacken. Falk wechselt zum Sopran-Saxophon. Schwebende , langgehaltene Töne, Klangfarben so hell-orange wie die Scheinwerferlichter auf der Bühne. Mit diesen ersten ruhigen Momenten des Konzerts ist die Dämmerung über den Burginnenhof eingebrochen. Bahnen von rotem und blauem LED-Licht fließen an den Backsteinwänden empor.

Perfektion mag es für den Moment geben, aber der ist flüchtig. Mo' Blow beweisen bei Jazz an der Burg einmal mehr, wie die Chemie zwischen diesen vier Musikern stimmt. Und auch das Publikum wird der Vermutung der Band, dass es vielleicht das begeisterungsfähigste der aktuellen Tour durch 40 Städte ist, durchaus gerecht. Die Band ist zum dritten Mal zu Gast der Jazz Initiative, zu Thomas Termath habe sich eine Freundschaft entwickelt, so Felix Falk. Es könnte also immer so weiter gehen. Aber am 22. Oktober ist Schluss, das Quartett hat beschlossen, demnächst getrennte Wege zu gehen. Noch einmal kommt "Mac" mit wiegenden Schritten über die Bühne gestampft, vollführt der russische Botschafter seinen Wodka-betankten verrückten Tanz zwischen den Musikern. Längst hat es auch das gesamte Publikum von den Sitzen gerissen, Mo 'Blow animieren zum Mitklatschen und mitsingen. "Gimme the Blues" - das Ende der Show ist nahe, auch wenn die Dinslakener eine zweite Zugabe einfordern können. Nach dem Konzert erleben sie die Musiker bei "Volkman" am Merchandise-Stand.

Und niemals geht man so ganz. "Wir lösen uns auf, damit jeder von uns mit seiner eigenen Band wiederkommen kann", erklärte Felix Falk augenzwinkernd. "Und dann spielen wir nicht einmal nur in der "Jazz in Dinslaken-Reihe, sondern sind gleich viermal dabei!"

(bes)
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