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Dinslaken/Voerde
Erinnerungen an die Pogromnacht

Dinslaken/Voerde: Erinnerungen an die Pogromnacht
Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums gestalteten die Gedenkfeier für die jüdischen Bürger Dinslakens am von Alfred Grimm geschaffenen Mahnmal im Dinslakener Stadtpark. FOTO: Lars Fröhlich
Dinslaken/Voerde. In Dinslaken gestalteten THG-Schüler die Gedenkfeier. Der Projektkurs "Gegen das Vergessen" des Gymnasiums Voerde hatte Anne Prior eingeladen, einen Vortrag über die jüdischen Waisenkinder Dinslakens zu halten.

Zu Handeln und Toleranz riefen gestern Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Dinslaken auf. Mehrere Religionskurse des Jahrgangs Q1 gestalteten eine Gedenkfeier für die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Dinslakens am Mahnmal im Stadtpark, der Vertreter der Verwaltung, Politik und Kirchen beiwohnten. Es gehe nicht nur darum, nicht zu vergessen, was Dinslakener damals ihren jüdischen Mitbürgern angetan haben, sondern daraus Lehren für die heutige Zeit zu ziehen. Die Schüler sprachen Texte aus der Sicht eines jüdischen Waisenkinds und eines Dinslakener Schülers am Tag des Pogroms sowie aus der Sicht eines Flüchtlingskinds und Schülers heute - ein mahnender Aufruf, sich aktiv gegen Hass und Demütigung zu wenden - egal in welcher Zeit.

Am Tag zuvor hatte die Dinslakener Buchhändlerin Anne Prior im Gymnasium Voerde aus Anlass des Pogromgedenkens über ihre Forschungsarbeit zum Schicksal der Kinder des jüdischen Waisenhauses in Dinslaken berichtet, aus der ihr Buch "Geben Sie diese Kinder nicht auf!", entstanden ist.

"Das Schicksal dieser Menschen war noch unbekannt", erklärt Anne Prior. Dann nimmt sie die Zuhörer mit auf eine Zeitreise. Zuerst zum Morgen des 10. Novembers 1938, als das Waisenhaus von NSDAP-Mitgliedern und SS-Leuten verwüstet wurde und die Waisenkinder flüchten müssen. Aus Dinslaken ging es für die Kinder zuerst nach Köln und dann mit Kindertransporten in Richtung Belgien. Mit dem Einmarsch der Nazis dort waren die Kinder auch hier in ständiger Lebensgefahr. Für einige endete die Flucht vor dem Regime in Deutschland in der Kaserne Dossin in Mechelen und schließlich in Auschwitz. Andere entkamen in Richtung Großbritannien und der Schweiz. Anhand von Zeitzeugenberichten und zeitgenössischen Dokumenten zeichnet Anne Prior den Weg der Kinder von Dinslaken aus nach. "Ich habe die Geschichten von 35 Waisenkindern recherchiert", erklärt sie. Dazu die Geschichten der Menschen, die sich um diese Kinder kümmerten. Ans Erforschen haben sich auch die Schüler des Projektkurses "Gegen das Vergessen" gemacht. Die 21 Teilnehmenden des Kurses beschäftigen sich ein ganzes Jahr mit der Judenverfolgung und dem Holocaust. Am 13. November werden sie nach Auschwitz reisen, um sich dort über das Vernichtungslager zu informieren.

Einen ganz praktischen Beitrag gegen das Vergessen haben die Schüler schon geleistet. Im Rahmen von Veranstaltungen boten sie Speisen und Getränke gegen Spenden an. Diese sollen genutzt werden, um in Dinslaken einen Stolperstein für Elfriede Ingenkamp zu verlegen. Sie war eines der Mädchen, die mit den Kindertransporten in die Niederlande gebracht wurden. Sie lebte in einem Waisenhaus in Rotterdam und wurde dort am 5. Mai 1945 vermutlich von einer verirrten Kugel tödlich getroffen. Ihr Stolperstein soll am 30. Januar verlegt werden.

(aha/fla)
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