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Markus Gehling, Pastoralreferent Katholische Gemeinde Sankt Peter und Paul Voerde
Verzichten und etwas neu entdecken

Fastenzeit 2016: Welche Bedeutung hat der Aschermittwoch für die Kirche?
FOTO: Büttner, Martin (m-b)
Dinslaken. Heute ist Aschermittwoch, Karneval ist vorbei. Für die Christen beginnt die Fastenzeit, die bis Karsamstag andauert.

Welche Bedeutung hat der Aschermittwoch für die katholische Kirche?

Gehling Der Aschermittwoch ist ein Tag, an dem sehr symbolisch und ganz ausdrücklich die Fastenzeit unter dem Zeichen der Asche beginnt. Die Asche erinnert uns an unsere Vergänglichkeit.

Was hat es mit dem Aschenkreuz auf sich?

Das Aschenkreuz auf der Stirn soll den Menschen an seine Vergänglichkeit erinnern. FOTO: epd

Gehling Das Aschenkreuz wird aufgelegt mit der Erinnerung an unsere Vergänglichkeit mit einem biblischen Wort. Wo es da heißt: "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst." Die Asche war das, was die meisten Menschen früher im Haushalt ständig verfügbar hatten. Wir kennen es heute jedoch kaum noch, dass wir Asche zu Hause haben. Aber in früheren Zeiten wurde in den Haushalten der Ofen mit Holz und Kohle befeuert und damit gekocht und geheizt. Von daher war diesen Menschen die Bedeutung von Asche auch präsenter als uns. Ich merke das immer wieder, wenn ich mit Kindern Schulgottesdienst feiere, den Jungen und Mädchen muss man erst einmal erklären, was Asche ist, sie kennen sie höchstens vom Grillen mit Holzkohle oder wenn Papier verbrannt wird. Dennoch ist jedem klar, wenn man zu Asche, zu Staub wird, dass dann nichts mehr von einem übrig ist. Als Zeichen von Vergänglichkeit taugt Asche heute wie früher sehr gut.

Im Aschermittwochsgottesdienst wird den Katholiken ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Welche Bedeutung hat dies?

Gehling Wir zeichnen ein Kreuz auf die Stirn, in anderen Gegenden wird etwas Asche auf den Kopf gestreut. Das geschieht mit dem Wort, "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst". Wir sagen auch "Bekehre dich und glaube an das Evangelium", weil das etwas deutlicher ausdrückt, worum es heute geht. Der Ursprungssatz besagt, dass der Mensch angesichts seines Todes über sein Leben nachdenken soll, aber so präsent ist uns der Tod heute nicht mehr. Ich merke bei jungen Leuten, dass der Tod nicht deren Thema ist, bei älteren Menschen allerdings schon eher.

Hat sich die Bedeutung des Aschermittwochs im Laufe der Zeit gewandelt?

Gehling Ja und nein. In dem Sinne, dass der Gedanke von Vergänglichkeit etwas in den Hintergrund getreten ist, und dass die Menschen heute eher darauf gucken, wie es möglich ist, auf eine gute Art und Weise Fastenzeit zu begehen und Jesus nachzufolgen. Da gibt es schon einen gewissen Wandel. Ich sehe auch, dass diejenigen, die zum Aschermittwochsgottesdienst kommen, dass das Menschen sind, die das ganz bewusst tun, denen die Fastenzeit etwas bedeutet und die sich auch etwas vornehmen.

Fasten. Ich glaube, etliche Menschen verbinden mit diesem Begriff in der Fastenzeit nicht mehr ausschließlich die Bedeutung, das Körpergewicht zu reduzieren, etliche verbinden damit auch, auf liebgewonnene Gewohnheiten zu verzichten oder sie etwas einzuschränken: wie Fernsehen, Computerspiele, Internetnutzung.

Gehling Die meisten denken bei Fasten erstmal ans Abnehmen, an ein gesünderes Leben, ans Wohlbefinden und an ein besseres Aussehen. Allerdings habe ich schon den Eindruck, dass eine ganze Reihe von Menschen durchaus den Sinn darin sieht, zu verzichten, um etwas wieder neu zu entdecken. Ich beispielsweise habe mir vorgenommen, meinen Computerkonsum zurückzufahren. Ich habe viel bei Facebook kommentiert und merke einfach, das tut mir nicht immer nur gut. Ich lese dort Sachen, die ich eigentlich gar nicht lesen möchte. Deshalb habe ich mir vorgenommen, in der Fastenzeit auf Facebook nichts zu kommentieren, ich werde das ein oder andere zwar lesen, aber meine Meinung dazu für mich behalten. Es gibt viele Dinge, die man so neu entdecken und an denen man auch positive Seiten feststellen kann.

Was gehört aus kirchlicher Sicht noch zur Fastenzeit?

Gehling Ein Aspekt ist sicherlich auch, dass, wenn man selbst auf Dinge verzichtet, an Menschen denkt, die verzichten müssen, für die Fasten eben nicht freiwillig ist. Daher veranstalten wir in unserer Gemeinde Sankt Paulus regelmäßig Fastenaktionen, diesmal nehmen wir die Werke der Barmherzigkeit in den Blick. So haben wir beispielsweise eine Aktion, damit ein Brunnen in Afrika gebaut werden kann. Es geht auch darum, bewusstzumachen, dass es uns deutlich bessergeht als 80 bis 90 Prozent der Menschen auf der gesamten Welt. Wir sollten Dankbarkeit empfinden und die Bereitschaft entwickeln zu teilen. Das liegt uns auch in der Gemeinde sehr am Herzen.

Was haben Sie sich für die Fastenzeit vorgenommen?

Gehling Ich werde bei Facebook nichts kommentieren. Und sonst verzichte ich jedes Jahr auf Alkohol. Bei den Leckereien schaffe ich es nicht ganz. Entweder verzichte ich auf Chips und alles Salzige oder ich verzichte auf Süßes. Aber da habe ich mich noch nicht entschieden.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HEINZ SCHILD.

Quelle: RP
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