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Dinslaken
Flüchtlinge genießen Musik ohne Grenzen

Dinslaken. Dorit Isselhorst, Gabriele Kortas-Zens und Juri Dadiani geben Benefizkonzert in der Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg. Von Bettina Schack

Die Sonne war gerade untergegangen, also passten das Allegro und die Romanze, mit denen Gabriele Kortas-Zens und Juri Dadiani das Konzert am späten Sonntagnachmittag in der Herz-Jesu-Kirche eröffneten: "Eine kleine Nachtmusik" von Wolfgang Amadeus Mozart hatten sich die beiden für den Beginn des Benefizkonzertes zugunsten der Flüchtlingsarbeit in der Oberlohberger Gemeinde ausgesucht, ein Stück, dass nur bedingt exemplarisch war: Denn einerseits fehlte die Dritte im Bunde, Dorit Isselhorst, die auch noch aus Wien stammt, wo eben jene Nachtmusik komponiert wurde. Und Musik aus dem deutschsprachigem Raum machte nur den geringsten Anteil im Programm aus. Komponistinnen und Komponisten von Georgien und Armenien bis zu den USA machten das Konzert aus musikalischer Sicht so international wie es das Publikum in der Kirche war: Familien, die derzeit in der Flüchtlingsunterkunft An der Fliehburg untergebracht sind, kamen per Bus nach Oberlohberg.

Das Angebot nehmen sie ansonsten einmal im Monat donnerstags wahr. Um sich mit Gemeindemitgliedern von Herz-Jesu auszutauschen, mehr über Dinslaken zu erfahren, auch zu sagen, "wo der Schuh drückt", wie es Käthi Klein von der Flüchtlingsarbeit zu Beginn des Konzertes erklärte. Letzteres ist auch manchmal mit Kosten verbunden und dies war der Grund, weshalb sich die drei Musiker spontan entschlossen haben, unentgeltlich ein Konzert zu geben, um Spendengelder bei der Türkollekte zu akquirieren.

Der Verwendungszweck wird von der finanziellen Unterstützung für den Antritt eines Berufspraktikums im Krankenhaus bis zum Gitarrenunterricht für ein begabtes Talent reichen.

Vielleicht wird man ja von diesem Jungen in ein paar Jahren hören. Gestern gehörte der Altarraum den drei im Dinslakener Raum durch viele Klassikkonzerte bekannten Musikern und ihrer Vorliebe für Werke, die hierzulande eher Geheimtipps sind. Zum Beispiel die äußerst westlich geprägte Musik Georgiens.

Lavrenti Djintsharadze und Juri Dadiani selbst arrangierten die beiden von Gabriele Kortas-Zens gesungenen Spirituals "Nobody knows" und "Go down Moses" und beide Klaviersätze waren derart jazzig, dass man sie vom bloßen Hören her amerikanischen Komponisten zugeschrieben hätte.

Gleiches galt für das Arrangement des Eurovisions-Hits "Halleluja". Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts komponierte Victor Dolidze in universaler spätromantischen Sprache. Die "Mazurka" aus der komischen Oper Keto und Kote traf den Geschmack an sämtlichen Opernhäuser Europas.

Aber was bedeuten in der Musik überhaupt Zeit und Raum, wenn damit nicht Rhythmus und Harmonie gemeint sind? Die Französin Mel Bonis komponiert mit "Les Gitanos" einen typischen Spanischen Walzer, die von Dorit Isselhorst auf der Querflöte interpretierte "Sicilienne" der Wiener Komponistin Maria Teresia von Paradis geht auf eine Form aus der italienischen Volksmusik zurück und das Prelude von John Rutter, Jahrgang 1945, beschwört Jahrtausend alte Idyllen. "Man spricht nicht mehr von Grenzen hier" hieß es in dem von Juri Dadiani gesungenem "Jerusalem".

Das Publikum applaudierte kräftig und ließ Gabriele Kortas-Zens, Dorit Isselhorst und Juri Dadiani erst nach zwei Zugaben gehen. Ein voller Erfolg.

Quelle: RP
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