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Dinslaken
Frauen umgarnen den Schacht

Dinslaken: Frauen umgarnen den Schacht
Warme Hülle für die Schranke am Haupteingang der ehemaligen Zeche in Lohberg. In der Mitte Initiatorin Walburga Schild-Griesbeck. FOTO: RPO
Dinslaken. Die Dinslakener Künstlerin Walburga Schild-Griesbeck hat einen Trend aus internationalen Metropolen aufgegriffen und mit 20 Helferinnen Überzüge gehäkelt für Teile des ehemaligen Bergwerks in Lohberg. Von Cornelia Krsak

Gehäkelte Hüllen in schreiend bunten Farben zieren die Schranke an der Einfahrt zum Lohberger Zechengelände. Wollfäden flattern lustig in der Luft. Schlauchartige Überzüge halten Metallpfähle warm wie Socken Menschenbeine. Frieren Bäume im Winter? Wenn das so ist, dann können einige Exemplare in der Nähe des Ateliers "freiart" jetzt aufatmen. Ihnen werden farbenfrohe Deckchen liebevoll um den Stamm gehäkelt.

Was als "Garn-Graffiti", "Yarn-Bombing" oder "Anarcho-Häkeln" die Kunstszene in Metropolen wie Berlin, London und Amsterdam belebt, gibt es jetzt auch in Dinslaken zu sehen. Die Künstlerin Walburga Schild-Griesbeck hat die schräge Woll-Kunst ins Kreativ-Quartier Lohberg geholt. In ihrem Atelier trafen sich am Wochenende rund 20 ambitionierte Topflappenhäklerinnen und Sockenstrickerinnen sowie blutjunge Anfängerinnen, um die verrückte Kunstidee in die Tat umzusetzen.

"Eigentlich bin ich Malerin. Farbe und Raum ist bei mir ein starkes künstlerisches Thema", erzählte Schild-Griesbeck. Da lag es nahe, Farbe auf diese Weise in den öffentlichen Raum zu bringen. "Ich mache auch sehr viele soziokulturelle Projekte und bringe Menschen zusammen, die gemeinschaftlich etwas gestalten", so die Künstlerin weiter.

In Friedrun Fey fand Schild-Griesbeck eine begeisterte Kooperationspartnerin. "Man darf das Ganze nicht so ernst nehmen. Es macht einfach viel Spaß, und wir sind eine lustige Truppe", sagte die Inhaberin des Handarbeitsladens "nadel-spiel" in Voerde. Das größtenteils gesponserte Material wurde gegen einen kleinen Unkostenbeitrag zur Verfügung gestellt. Eigene Wollreste durften von zu Hause mitgebracht werden.

Auf dem Atelier-Tisch türmten sich unzählige Knäuel zu einem großen Berg auf. Rundum klapperten die Häkelnadeln im Akkord. Dabei kam man schnell ins Plaudern. "Mit solchen Farben würde ich mich nie bekleiden", meinte Adele Olmer und deutet auf ihr Häkelwerk, das in sämtlichen Farben des Regenbogens leuchtet. Dem Anblick des riesigen Farbangebots konnte die passionierte Sockenstrickerin nicht widerstehen.

Auch Gabriele Schäffler strickt leidenschaftlich gerne. "Hier muss ich mich nicht nach einem vorgegebenen Muster richten und kann einfach blind drauflos arbeiten", sagte die Dinslakenerin. Sie würde sich freuen, wenn aus dem zwanglosen Treffen unter Gleichgesinnten eine richtige Gruppe entsteht.

Quelle: RP
 
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