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Serie Ehrenamtliche Im Friedensdorf
Fürs Praktikum Job in Japan aufgegeben

Serie Ehrenamtliche Im Friedensdorf: Fürs Praktikum Job in Japan aufgegeben
Shiori Sakashita mit ihren Schützlingen im Friedensdorf. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Der 25-jährige Shiori Sakashita arbeitet im Kleinkinderbereich der humanitären Hilfseinrichtung. Von Heinz Schild

DINSLAKEN Um beim Friedensdorf ein einjähriges Praktikum absolvieren zu können, hat die 25-Jahre alte Shiori Sakashita in ihrer Heimat ihren Job gekündigt. Die Japanerin arbeitete als Angestellte in Tokio beim Fernsehen. Seit nunmehr zehn Monaten ist sie in der Hilfseinrichtung tätig, gegenwärtig ist sie dort im Kleinkinderbereich eingesetzt und kümmert sich um die Jungen und Mädchen. In zwei Monaten endet ihr Praktikum, dann fliegt sie, um viele Erfahrungen reicher, zurück in ihr Heimatland - und muss sich dort eine neue Arbeitsstelle kümmern. Zum Fernsehen will die sehr zurückhaltende Japanerin, die viel lächelt, allerdings nicht zurück, die Tätigkeit dort ist ihr zu stressig.

Im Kleinkinderbereich des Friedensdorfes leben aktuelle 30 Jungen und Mädchen im Alter von zwei bis fünf Jahren, Für 15 der kleinen Schützlinge ist Shiori Sakashita mitverantwortlich. Sie arbeitet im Schichtdienst. Zu ihren morgendlichen Aufgaben gehört unter anderem das Wecken der Kleinen. Sie müssen gewaschen werden, Pampers sind zu wechseln, dann wird gefrühstückt, und natürlich spielt die Japanerin auch mit den Kindern.

Bevor sie im Friedensdorf arbeitete, hatte Shiori Sakashita geglaubt, dass dort eine traurige Stimmung herrschen müsse, weil dort viele schwer kranke oder verletzte Kinder gibt. Sie machte eine gänzlich andere Erfahrung, denn sie lernte dort Jungen und Mädchen aus vielen Ländern kennen, die die trotz der Schicksalschläge, die sie erlitten hatten, voller Lebensenergie und Freude sind. "Schön ist es, wenn die Kinder geheilt aus dem Krankenhaus kommen oder wenn man sieht, dass es ihnen besser geht", sagt die junge Japanerin. In die Freude über die Genesung der Kinder mischt sich dann der Schmerz, wenn es gilt, Abschied zu nehmen, weil die kleinen Schützlinge zurück in ihre Heimat fliegen. "Es ist schön, wenn die Kinder zurück können zu ihren Eltern und Geschwistern, ich selbst bin dann etwas traurig, denn der Abschied fällt nicht leicht."

Schon früh interessierte sich Shiori Sakashita für einen Freiwilligendienst im Ausland. Über das Internet wurde sie auf das Friedensdorf aufmerksam, bewarb sich und wurde angenommen. Sie erfüllte die Voraussetzungen, zu denen das Mindestalter von 18 Jahren und das Sprechen der deutschen Sprache gehören Mit Shiori Sakashita absolvieren gegenwärtig weitere 13 Japaner ein Praktikum im Friedensdorf, die alle zusammen in einem Haus der Einrichtung in Oberhausen wohnen. Kost und Logis sind für sie frei, außerdem erhalten sie ein kleines Taschengeld, von dem sie auch die Krankenkassenbeiträge bezahlen müssen.

Das Friedensdorf hat zahlreiche Unterstützer im fernen Japan. Erste Kontakte dorthin gab es bereits Mitte der 1990er Jahre. 1999 reiste die bekannte japanische Schauspielerin und Moderatorin Chizuru Azuma nach Deutschland, um im Friedensdorf zu drehen und die Arbeit der humanitären Hilfseinrichtung vorzustellen. Der Bericht, der anschließend im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, schlug hohe Wellen. Seither hat das Interesse der Japaner am Friedensdorf nicht nachgelassen. Sie gründeten Friedensdorf-Freundeskreise und unterstützen die Einrichtung mit Spenden. Japaner, die im Friedensdorf ein einjähriges Praktikum absolvieren, sind dort längst Normalität. So mancher sagt, das Friedensdorf ist in Japan bekannter als in Deutschland.

Quelle: RP
 
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