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Dinslaken
Fusion mit Wesel ist auf dem Weg

Dinslaken: Fusion mit Wesel ist auf dem Weg
Die Sparkassenhauptstelle in Dinslaken. Wo der Hauptsitz der fusionierten Sparkasse sein und wie sie heißen wird, ist noch nicht geklärt. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Alles läuft auf eine Fusion der in finanzielle Schieflage geratenen Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe mit der Verbands-Sparkasse Wesel hinaus. Am Montagabend sind die Ratsvertreter aus Dinslaken, Voerde und Hünxe über den Stand der Verhandlungen informiert worden. Die endgültigen Beschlüsse sollen noch in diesem Monat getroffen werden. Von Heinz Schild und Jörg Werner

Gestern veröffentlichten die beiden Geldhäuser eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es, "dass mit einer möglichen Fusion der Verbands-Sparkasse Wesel und der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe gerade zum jetzigen Zeitpunkt die Grundlagen für eine weiterhin erfolgreiche Sparkassenlandschaft in der Region gelegt werden können". Dies sei das Ergebnis der in den vergangenen Wochen und Monaten sehr detaillierten und intensiven Arbeit der Vorstände, gemeinsamer Verwaltungsratssitzungen sowie weiterer Prüfungen durch Fachexperten und Gespräche aller Beteiligten. Die Fusion soll rückwirkend zum 1. Januar 2015 besiegelt werden.

"Wir haben gewissenhaft und gründlich geprüft, welche Chancen und Risiken ein Zusammengehen der Sparkassen bedeuten würde und sind von der Vorteilhaftigkeit einer Fusion überzeugt" erklärte der Dinslakener Sparkassendirektor Rolf Wagner. Durch die Fusion und den damit verbundenen Größenvorteilen könne eine selbstständige, lokal verankerte und vor allem betriebswirtschaftlich nachhaltig stabile und leistungsfähige Sparkasse im Kreis Wesel entstehen.

"Aus unserer Sicht kann ein mögliches Fusionshaus aktuellen Herausforderungen und Trends nachhaltig erfolgreich entgegenwirken und die Marktposition in der Region langfristig weiter ausbauen" bestätigte Sparkassendirektor Friedrich-Wilhelm Häfemeier, Vorstandsvorsitzender der Verbands-Sparkasse Wesel. Nun müssten die Verwaltungsräte beider Sparkassen sowie die lokale Politik in Wesel, Schermbeck und Hamminkeln sowie Dinslaken, Voerde und Hünxe entscheiden. Dies soll bis Ende Juni geschehen.

Dass es in Dinslaken, Voerde und Hünxe eine politische Mehrheit für die Fusion der beiden Geldinstitute geben wird, ist nach Einschätzung aus Teilnehmerkreisen der nicht öffentlichen Informationsveranstaltung am Montag so gut wie sicher. Allerdings gab es auch durchaus kritische Stimmen. So würde eine Fusion zwar dazu führen, dass die Gewährträgerkommunen Dinslaken, Voerde und Hünxe das von "ihrer" Sparkasse benötigte zusätzliche Eigenkapital nicht mehr sofort bereitstellen müssen, sie müssten allerdings immer noch nach ihren jeweiligen Anteilen eine Garantie von insgesamt 20 Millionen Euro stellen - Dinslaken zwölf Millionen, Voerde sechs und Hünxe zwei. Zehn Millionen Euro würde die Weseler Kasse einbringen. Das Geld für die Garantie würde sich zwar nicht direkt in den Haushalten von Dinslaken, Voerde und Hünxe niederschlagen. Doch läge das Risiko einer solchen Garantie beim Steuerzahler.

Verwundert zeigten sich einige Teilnehmer auch über die Eile, mit der die Fusion vorangetrieben wird. Ursprünglich hatte Dinslakens Sparkassenvorstand einmal davon geredet, dass Entscheidungen bis zum Ende des Jahres notwendig wären, nun soll die Politik noch vor der Sommerpause Beschlüsse fassen. Kritisiert wurde, dass zum Beispiel bis zu den entscheidenden Ratssitzungen nicht einmal die genaue Höhe des Defizits bekannt sein soll, das die Dinslakener Sparkasse für das Jahr 2014 ausweisen muss. Diese Frage soll erst ein paar Tage später mit der offiziellen Feststellung des Jahresabschlusses beantwortet werden. Bis jetzt hatte der Sparkassenvorstand immer die Summe von sieben bis neun Millionen Euro genannt. Offenbar wird in Teilen der Politik inzwischen aber nicht mehr ausgeschlossen, dass das Minus deutlich höher ausfallen und im zweistelligen Millionenbereich liegen könnte.

Es gibt etliche Ratsmitglieder, die sich auch weiterhin eine Sparkasse vor Ort wünschen und als "wichtig für den Mittelstand und die Arbeitnehmer ansehen". Eine mögliche Fusion mit Duisburg, die ebenfalls eine Option wäre, trifft auf wenig Gegenliebe. Da wird das Zusammengehen mit der Verbands-Sparkasse Wesel "im Moment als beste Lösung" angesehen. Ein Großteil der Arbeitsplätze könne erhalten und keine betriebsbedingten Kündigungen müssten ausgesprochen werden. Personalabbau sei durch normale Fluktuation möglich.

Erschreckend sei, was an Problemen bestehe, und die Höhe der Summen, um die es gehe, bereitet so manchem Ratsmitglied Sorgen. Kritisiert wird zudem die bisherige Informationspolitik. "Wir reden über sehr viel Geld, doch haben wir nichts schriftlich in der Hand", hieß es.

Quelle: RP
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