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Dinslaken
Gegen (fast) alles ist ein Kraut gewachsen

Dinslaken: Gegen (fast) alles ist ein Kraut gewachsen
Apotheker Stefan Winkelhausen und seine Frau Susanne, die als Heilpraktikerin tätig ist, empfehlen bei allen möglichen Beschwerden oft unterschiedliche Mittel. FOTO: Nikolei
Dinslaken. Bei Stefan und Susanne Winkelhausen wird über Arzneimittel oft kontrovers diskutiert. Denn der seit 30 Jahren selbstständige Apotheker setzt auf konventionelle Präparate, sie bevorzugt als Heilpraktikerin homöopathische Mittel. Von Klaus Nikolei

Immer mehr Menschen schwören auf alternative Arzneimittel wie Heiltees und Globuli und ziehen diese - wann immer es geht - den konventionellen Präparaten der Pharmaindustrie vor.

Auch wenn viele Apotheker wegen der steigenden Nachfrage nach rein pflanzlichen Arzneimitteln ihre Produktpalette peu à peu aufstocken, sind einige von ihnen nach wie vor skeptisch, was die Wirkweise homöopathischer Präparate betrifft. So auch Stefan Winkelhausen, der vor genau 30 Jahren die Blankenburg-Apotheke an der Blankenburgstraße in den Räumen eines ehemaligen Tante-Emma-Ladens gegründet hat.

Anlässlich des runden Geburtstages hat unsere Redaktion den 65-Jährigen und dessen Frau Susanne besucht. Sie ist nämlich Heilpraktikerin und schwört, anders als der Gatte, auf die Wirkstoffe aus der Natur. Auch wenn homöopatische Mittel in aller Regel etwas länger brauchen, um ihre Wirkung zu zeigen. Wir haben beide gebeten, zu verschiedenen Beschwerden ihre ganz persönlichen Methoden zu nennen, um die Krankheitssymptome zu bekämpfen.

Halsentzündung Wenn das Zäpfchen rot ist und wenn's beim Schlucken wehtut, dann empfiehlt Stefan Winkelhausen Mittel mit dem Wirkstoff Lidocain. So zum Beispiel Dorithricin oder Dolo-Dobendan. Und bei Verschleimung Gelorevoice. Susanne Winkelhausen schwört dagegen auf Hausmittel. "Quarkwickel sind gut. Oder man inhaliert Kamillenblüten und Salbei beziehungsweise gurgelt mit Salbei oder Salzwasser." Sind die Nebenhöhlen betroffen, helfen aus ihrer Sicht auch Nasenduschen.

Grippaler Infekt Vitamin C als Pulver in Verbindung mit Aspirin sind aus Sicht von Stefan Winkelhausen das Richtige. Oder auch Grippostad. Andere bekannte Präparate wie Wick Medinait bezeichnet seine Frau als "chemische Keule" und rät von diesen Mitteln dringend ab. "Man sollte sich Zeit nehmen, ins Bett gehen und sich Ruhe gönnen." Nur wenn gar nichts geht, sollte man aus ihrer Sicht den Arzt aufsuchen und sich bei einer bakteriellen Entzündung Antibiotika verschreiben lassen.

Husten "Ist er trocken, greife ich zu Silomat, ist er schleimig, empfehle ich Ambroxol", sagt der Apotheker. Seine Frau plädiert für Hustensäfte oder Tees aus Huflattich oder Eibisch (trockener Husten) beziehungsweise für Säfte und Tees, die Thymian oder Primelwurzel enthalten. "Thymian", sagt Susanne Winkelhausen, "ist ein uraltes Hausmittel und ein super Schleimlöser."

Depressionen Wirksame Präparate gibt es nur auf Rezept. Alternativ fällt dem Apotheker das Johanniskraut ein. "Das hilft auch bei Prüfungsangst", sagt er. Susanne Winkelhausen nickt. Auch auf ihrer Liste stehen Johanniskraut und Gelsemium ganz oben. Ebenso wie hoch dosierte B-Vitamine ("Die sind gut für die Nerven") und Lavendel.

Schlafstörungen "Entweder Baldrian in hoher Dosis oder Schlafsterne-Tabletten, die auch nicht abhängig machen", empfiehlt der Fachmann. Und die Fachfrau rät zu einer Kombination aus Baldrian, Melisse und Hopfen.

Ohrenschmerzen Um Wasser aus den Ohren zu ziehen, können Glycerol-Tropfen helfen. "Sie enthalten Alkohol. Und der entzieht dem Körper Flüssigkeit." Susanne Winkelhausen rät bei starken Schmerzen auf jeden Fall zum Besuch eines Arztes.

Kopfschmerzen Klassiker wie Aspirin, Ibuprofen oder Thomapyrin sind die Favoriten von Stefan Winkelhausen, während seine Frau Pfefferminzöl zum Einreiben empfiehlt. "Noch besser ist es, wenn man sich massieren lässt", sagt sie.

Gab es denn auch schon mal den Fall, dass der Befürworter der herkömmlichen Präparate nur zu gerne auf ein alternatives Mittel zurückgegriffen hat? Stefan Winkelhausen nickt. "Nach einem Motorradunfall habe ich Schmerzen in der Wade mit herkömmlichen Mitteln unterdrückt, die aber immer wiedergekommen sind." Dann hat seine Frau ihn mit Neuraltherapie behandelt, im Fachjargon ist auch vom Quaddeln die Rede. "Beim Quaddeln wird ein Betäubungsmittel durch die Haut aufgenommen. Und das wirkt längerfristig", sagt die Heilpraktikerin. "Stimmt", sagt der Apotheker. Der will übrigens so lange Gesundheit und Rahmenbedingungen das zulassen, weiterarbeiten. "Vorausgesetzt, dass die Steuerprüfer das zulassen." Denn gegen die, sagt er trocken, "ist kein Kraut gewachsen."

Quelle: RP
 
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