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Dinslaken
Geist von Charlie Mariano war zu spüren

Dinslaken. Die Jazz Initiative Dinslaken präsentierte im Lohberger Ledigenheim Madras Special und Karnatake College. Von Bettina Schack

Die Improvisation, das freie Spiel mit einem Thema, ist eines der Hauptcharakteristika des Jazz. Für gewöhnlich bezieht sich die Improvisation auf eine schnell erfassbare Melodie, manchmal bringt das Interesse an der eigenen Auseinandersetzung mit einer vorgegebenen musikalischen Einheit aber auch Begegnungen mit kompletten Stilrichtungen aus der ganzen Welt mit sich. So war es vor über 30 Jahren, als der Saxofonist Charlie Mariano zum ersten Mal mit dem südindischen Karnataka College auftrat, und so war es am Freitag im Ledigenheim, als das Karnataka College und Madras Special an Mariano erinnerten.

Es war ein Abend, der das Publikum forderte und gerade die begeisterte, die die Strukturen in der Musik und das Spiel mit ihnen lieben. Das in zwei Sets, aber inhaltlich drei Einheiten aufgeteilte Konzert entsprach in seinem Aufbau genau den karnatischen Stücken, mit denen R. A. Ramamani, T. A. S. Mani und Ramesh Shotham den Abend begannen, und folgte zugleich dem in diesem Falle auskomponierten Prinzip der Improvisation.

Nur begleitet vom Summen der Shruti Box beginnt R. A. Ramamani zu singen. Die karnatischen Stücke beginnen in einem langsamen Tempo, was mit technisch anspruchsvollen Verzierungen des Themas einhergeht. In einem zweiten Teil setzt mit beschleunigtem Tempo der Rhythmus ein, T.A.S. Mani trommelt ihn mit den Fingerspitzen auf den beiden Fellen seiner Mridangam, Ramesh Shotham schlägt ihn auf der Ghatam, einem bauchigen Tonkrug. Die filigranen Rhythmen werden nicht nur getrommelt, sondern auch auf festgelegten Tonsilben gesungen. Wie virtuos - und zungenbrecherisch - dies sein kann, demonstrierten die Drei im Finale des ersten Sets.

Doch bevor es soweit war, betraten im zweiten Abschnitt des Konzerts nacheinander Johannes Lemke, (Saxofon), Sebastian Müller (E-Gitarre), Reza Askari (Bass) und Zoltan Lantos (Violine) die Szenerie. Sie brachten den Jazz mit. Erzeugten um die indische Musik eine schwebende Atmosphäre, wiederholten einzelne Phrasen zu hypnotischer Wirkung.

Nicht alle im Publikum ließen sich nach der Pause noch auf das zweite Set ein, sie verpassten den jazzlastigen Teil des Abends. Denn nun zeigten Madras Special, wie es klingt, wenn man sich mit der karnatischen Musik befasst hat und nun sein eigenes Ding macht. Der ungarische Violinist Zoltan Lantos versteht es, mit kurzem Bogenstrich und mit einem Viertelton-Glissando auf dem Steg perfekt, den Sound indischer Saiteninstrumente auf der Violine zu imitieren. Nach der Pause spielte er eigene Kompositionen, in denen er diese Techniken nur noch auf sehr eigenständige Weise zitierte.

Im Folgenden waren es R. A. Ramamani und T. A. S. Mani, die bei der westöstlichen Fusion-Musik von Madras Special mitspielen, die kurz vor Schluss sogar noch einen musikalischen Ausflug nach Irland unternehmen. "Ich spüre den Geist von Charlie Mariano in allen Ecken", meinte schließlich Hannes Hermens.

Ein spannender Abend, der begeistern konnte.

Quelle: RP
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