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Voerde
Gemeinsam in die Zukunft kommen

Voerde. Pädagogin Ursula Hellert hat am Gymnasium Voerde ein Konzept vorgestellt, das Flüchtlingskinder optimal ins deutsche Schul- und Ausbildungssystem integrieren soll.

Mit den zunehmenden Flüchtlingszahlen erreichen auch immer mehr Kinder und Jugendliche aus Krisenländern die deutschen Kommunen. Häufig sind sie traumatisiert, ihre Bildungsvoraussetzungen und kulturellen Hintergründe sind völlig verschieden. Sie in unser Bildungssystem einzugliedern ist eine Herausforderung. Ursula Hellert ist Head of School der International School Braunschweig-Wolfsburg, Gesamtleiterin des CJD Braunschweig und seit Jahrzehnten in der Schulentwicklung tätig. Einer der Schwerpunkte ihres beruflichen Engagements ist die Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher.

Am Gymnasium Voerde stellte Hellert jetzt ein Konzept zur Integration von Flüchtlingskindern in das deutsche Schul- und Ausbildungssystem vor. Ob die Entwicklung dieses Konzepts eine große Veränderung in ihrer Arbeit bedeutet habe, wollten die Moderatoren Julius Titze und Meret König wissen. "Nein", sagte Ursula Hellert. "In allen Fällen stellt sich dieselbe Frage: Wer ist dort vor mir und was braucht dieser Mensch?" Die Zuwendung zum Menschen, die sich aus dem christlichen Weltbild ergebe, sei daher auch die große Motivation für ihre Arbeit.

Ihr Konzept selbst unterteilt sich in Willkommensklassen für die schulische Bildung und Orientierungskurse für die berufliche Bildung. Beide sind analog zueinander in drei Phasen unterteilt, welche insgesamt eine Laufzeit von sechs bis zwölf Monaten haben. Eine weitere Begleitung erfolgt aber auch darüber hinaus. Und in beiden Fällen gelte, dass sie so schnell wie möglich starten, nachdem ein Mensch in Deutschland angekommen ist. Die typisch deutschen Bearbeitungsstrukturen, die langen Wartezeiten des Unbeschäftigt-seins ohne deutsche Sprachkenntnisse führten zu einer erneuten Erfahrung von Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins und damit zu einer Traumatisierung.

Phase 1 führt die Flüchtlinge in die Lebenspraxis in Deutschland ein und vermittelt ihnen eine möglichst umfassende Alltagsselbstständigkeit. In dieser Phase spielen Ehrenamtliche eine wichtige Rolle. Sie fungieren als Coaches in Modulen wie "Einkaufen In Deutschland", "Busfahren in Deutschland". In der zweiten Phase erhalten die Kinder eine Art Basisunterricht, welcher sich am Deutschen Schulalltag orientiert. In der dritten Phase orientiert sich der Unterricht bereits an der Schulform, die für das jeweilige Kind am geeignetsten erscheint.

Wie finanziert sich das Projekt, wollten die Zuhörer wissen. Die Referentin zeigte sich optimistisch, in in naher Zukunft eine Stiftung finden zu können. Den Finanzierungsbedarf bezifferte Ursula Hellert auf etwa 800 Euro pro Jugendlichen und Monat. Ihren Vortrag schloss Ursula Hellert mit einem moralischen Appell an die Vernunft: "Wenn wir Menschen hier im Regen stehen lassen, treiben wir sie in die Arme von Extremisten. Deutschland war lange das Symbol für das Böse in der Welt. Ich würde mich freuen, wenn wir nun für das Gute in der Welt stehen können." Das Gymnasium Voerde wird derzeit von 28 Flüchtlingskindern besucht, für die Lehrerinnen bereits ein differenziertes Konzept zur optimalen individuellen Förderung ausgearbeitet haben.

Quelle: RP
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