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Dinslaken
Gerät Patientenwohl aus dem Blick?

Dinslaken. Der bevorstehenden Krankenhaus-Reform sehen die Geschäftsführer des Vinzenz-Hospitals und des Evangelischen Krankenhauses Dinslaken besorgt entgegen. Mitarbeiter beider Häuser werden gegen die Pläne in Berlin demonstrieren. Von Heinz Schild

Die geplante Krankenhausreform der Bundesregierung soll im nächsten Jahr in Kraft treten. Gegen die Pläne macht sich massiver Protest breit. Für den 23. September ist eine zentrale Aktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin vorgesehen. Auch Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses Dinslaken und des katholischen Sankt-Vinzenz-Hospitals werden an der Demonstration teilnehmen. Beide Häuser beabsichtigen, Busse einzusetzen, mit denen Mitarbeiter zur Teilnahme an der Kundgebung in der Bundeshauptstadt fahren können, berichteten Otto Eggeling, Vorsitzender der Geschäftsführung des Evangelischen Klinikums Niederrhein, zu dem das Evangelische Krankenhaus Dinslaken gehört, und Dr. Christoph Heller, Geschäftsführer des Vinzenz-Hospitals.

Beide Geschäftsführer teilen die Befürchtungen der Deutschen Krankehausegesellschaft, dass nach dem Inkrafttreten der Reform in 2016 das darauffolgende Jahr zu einem "finanziellen Katastrophenjahr" für die Krankenhäuser werden könnte. Christoph Heller ist sich sicher, "dass die Reform ein ganz schwerer Brocken für Krankenhäuser ist". Und auch Otto Eggeling sieht der möglichen Entwicklung "mit Sorgen" entgegen. Die Reform sieht unter anderem den Wegfall des so genannten Versorgungszuschlags vor. Für die Kliniken in Nordrhein-Westfalen bedeutet dies jährlich 120 Millionen Euro weniger. Für die ambulante Notfallversorgung wird von einer Unterdeckung von 250 Millionen Euro ausgegangen. Die Krankenhäuserin NRW sollen pro Notfall einen Pausale von 32 Euro erhalten, wohingegen der tatsächliche Bedarf bei 120 Euro liegt. Bei den Investitionen sollen pro Jahr 500 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung stehen, der Bedarf wird allerdings mit 1,3 Millionen Euro in NRW ausgewiesen. Die Unterdeckung liegt bei 800 Millionen Euro.

Der Wegfall des Versorgungszuschlags macht ungefähr 0,8 Prozent des Krankenhausbudgets aus. "Das tut den Kliniken weh und würde auch das Vinzenz treffen", sagt Dr. Heller. Die Folge wäre, so haben Berechnungen der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) ergeben, dass im Durchschnitt pro Haus sieben Stellen in der Pflege verloren gehen würden, durch das Pflegeförderprogramm, das die Reform beinhaltet, aber nur eine Stelle pro Haus und Jahr geschaffen werde. "Es fällt also mehr weg als hinzukommt", berichtet Dr. Heller. Der Vinzenz-Geschäftsführer sieht ein "Ungleichgewicht zwischen dem, was die Notfallaufnahmen kosten, und dem, was wir als Krankenhaus erhalten". Der Zustrom an Patienten in der Notaufnahme sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. "Wir sind stationärer Versorgungsbetrieb, kein ambulanter, aber wir weisen keine Patienten an der Notaufnahme ab, wir nehmen sie ernst", sagt Heller.

"Über das Krankenhausstrukturgesetz ist noch nicht endgültig entschieden, wir wollen in Berlin auf unsere Sorgen hinweisen", begründet Otto Eggeling die Teilnahme von Mitarbeitern seines Klinikums an der Demonstration in der Bundeshauptstadt. Der Geschäftsführer des Evangelischen Klinikums Niederrhein sieht in den Reformen Anzeichen, dass "das Wohl des Patienten aus dem Blick gerät". Die ewige Diskussion, dass die Krankenhäuser unwirtschaftlich seien, will Eggeling endlich beendet wissen. Mehrleistungen sollten endlich auch bezahlt werden. Sein Klinikum sieht er durch die Krankenhausreform zwar nicht gefährdet, da es ein Maximalversorger sei, doch die sich abzeichnende Entwicklung, sollten die Reformen wie bislang geplant umgesetzt werden, sei "der falsche Weg". Und das soll bei der Demonstration am 23. September in Berlin der Politik auch deutlich gemacht werden. Die Protestaktion steht unter dem Motto "Krankenhaus-Reform? So nicht!"

Quelle: RP
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