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Dinslaken
Gesetz treibt Strompreis in die Höhe

Dinslaken: Gesetz treibt Strompreis in die Höhe
Ab 2017 werden 40.000 intelligente Stromzähler in Dinslaken eingebaut. FOTO: Maja Hitij
Dinslaken. In Dinslaken müssen 40. 000 Zähler getauscht werden. Das wird teuer für Verbraucher und Stadtwerke.

Der Nutzen des neuen Messstellenbetriebsgesetzes zur Digitalisierung der Energiewende steht noch infrage — fest steht aber schon jetzt: Die Umsetzung der im Juni verabschiedeten 77 Paragrafen wird "teuer" - sagt André Arnold, Abteilungsleiter Zentrale Dienste bei den Stadtwerken. Teuer für die Stadtwerke - und teuer für die Bürger. Denn alle 40. 000 Stromzähler in Dinslaken müssen ab 2017 schrittweise ausgetauscht werden. Die Kosten werden, so sieht es das Gesetz vor, zum Teil auf die Grundgebühr umgelegt - die auf jeden Fall steigen wird. In welcher Höhe - das richtet sich nach dem Verbrauch. Auch Photovoltaikanlagen mit einer Leistung ab sieben Kilowatt sind betroffen.

Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt ohne Durchlauferhitzer in Dinslaken verbraucht nach Einschätzung von André Arnold 4000 bis 6000 Kilowattstunden im Jahr. Die Grundgebühr liegt derzeit bei 30,60 Euro. Laut Gesetz steigt diese nach der Umrüstung dann auf 60 Euro im Jahr. Haushalte bis 6000 Kilowattstunden erhalten intelligente Zähler, die ermöglichen, sich den Verbrauch vor Ort nach Tagen oder Monaten anzuschauen. Haushalte mit einem Verbrauch über 6000 Kilowattstunden jährlich erhalten Smart Meter, die außerdem über eine Kommunikationseinheit in ein Netz eingebunden werden - der Verbraucher kann online Verbrauchskurven ablesen. Die Grundgebühr steigt für sie auf 100 Euro im Jahr. Der Einbau der neuen Zähler im kommenden Jahr startet - sobald diese verfügbar sind - für Haushalte mit einem Verbrauch von über 10 000 Kilowattstunden. Wer einen geringeren Stromverbrauch hat, soll laut Gesetz ab 2020 umgerüstet werden. Arnold rechnet aber damit, dass die Technik möglichst schnell umgestellt wird. Haushalte, deren Zählertafel so veraltet ist, dass auch aktuelle Zähler nicht eingebaut werden können, müssen umrüsten - auf eigene Kosten. Das, so schätzt André Arnold, sind aber nur wenige.

Für die Stadtwerke ist das Ganze eine Mammutaufgabe - finanziell und organisatorisch. Die Zähler kosten mindestens 50 Euro pro Stück, André Arnold rechnet anfänglich mit 100 Euro - solange bis die Geräte in Masse produziert werden. Das Modul für die Auslesung kostet 300 Euro. Anders als die aktuellen Zähler, die für mindestens 16 Jahre geeicht sind, liegt diese Frist bei den neuen Geräten bei nur acht Jahren. "Die erste Generation wird wohl komplett ausgetauscht werden müssen", schätzt André Arnold - einfach, weil die Technik sich so schnell entwickelt

Der Einbau der 40.000 Zähler sei mit der derzeitigen Personaldecke nicht zu stemmen. Pro Zähler rechnet Michael Hörsken, Technischer Leiter der Stadtwerke, mit 50 Euro Arbeitskosten - sind allein für Dinslaken zwei Millionen Euro.

Zudem müssen die Daten von einem Gateway-Administrator ausgelesen werden, der zertifiziert sein muss - allein die Kosten hierfür liegen im sechsstelligen Bereich. Aufgrund weiterer Anforderungen - bauliche und etwa an den Datenschutz - ist ein solches Gateway erst ab einer Größe von 800. 000 Zählern sinnvoll. "In Deutschland werden das etwa zehn Anbieter sein", schätzt Arnold - die sich diese Dienste sicher bezahlen lassen.

Die Stadtwerke haben 2010 in einem eigenen Feldversuch in Dinslaken 20 Haushalte auf die moderne Technik umgerüstet. Ergebnis: Einige haben zwar Geld gespart, weil sie etwa den preiswerteren Nachtstrom genutzt haben - "Strom wurde aber nicht eingespart", so Arnold. Und das ist ja der Sinn des Gesetzes.

Ohnehin werde der meiste Strom in Deutschland nicht von den Privathaushalten verbraucht - sie liegen gerade einmal bei sieben Prozent. Und schaffen es die Bürger tatsächlich Strom einzusparen - dann sinken zwar die Kosten für die verbrauchte Menge. Die Grundgebühr sinkt aber erst, wenn der Haushalt drei Jahre lang unter der nächstniedrigen Verbrauchsgrenze lag.

(aha)
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