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Dinslaken
Gutachter: Aus für Sekundarschule

Dinslaken: Gutachter: Aus für Sekundarschule
FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Auch das Gymnasium im Hiesfelder Gustav-Heinemann-Schulzentrum ist laut dem jetzt vorgelegten Schulentwicklungsplan höchst gefährdet. Das Gesamtschulangebot soll ausgebaut werden. Von Jörg Werner

DINSLAKEN Die 2012 eröffnete Sekundarschule, die inzwischen den Namen des berühmten Dinslakener Bildungsreformers Friedrich-Althoff trägt, dürfte nur ein kurzes Kapitel in der Geschichte des Dinslakener Bildungswesens schreiben. Vier Szenarien hat Gutachter Dr. Heinfried Habeck von der Technischen Universität Dortmund aufgezeigt, der für die Stadt den Schulentwicklungsplan bis zum Jahr 2023 erarbeitet hat, zur Zukunft der Bildungslandschaft Dinslakens entwickelt. In keinem kommt die Sekundarschule noch vor. Der Gutachter schlägt vor, dort ab dem Schuljahr 2017/18 keine Schüler mehr aufzunehmen. Auch dem Hiesfelder Gymnasium gibt er kaum eine Überlebenschance, auch wenn er eine Variante aufzeigt, wonach es zunächst erhalten bleiben könnte. Dafür dass es der Friedrich-Althoff-Schule an Schülern mangelt, gibt es aus Sicht des Gutachters zwei Hauptgründe: im Gegensatz zu fast allen Kommunen ihrer Größe habe die Stadt Dinslaken eine Realschule weiter bestehen lassen und die Sekundarschule sei im langjährigen Gebäude einer Hauptschule eingerichtet worden. Beide Faktoren beeinflussten nach aller Erfahrung die Elternwahl massiv. Die Neugründung der Gesamtschule in Voerde habe den Prozess zusätzlich verstärkt. Eine Trendumkehr sei nicht absehbar.

Ein Auflösungsbeschluss der Stadt würde aller Wahrscheinlichkeit nach auch nur eine Anweisung der Bezirksregierung vorwegnehmen. Auch die zu erwartenden Schülerzahlen für die Gymnasien sind nach Ansicht des Gutachters zu gering, um auf Dauer drei von ihnen bestehen zu lassen. Dagegen sieht er einen steigenden Bedarf für das Angebot der Gesamtschule. Daraus entwickelt er vier Handlungsmöglichkeiten. Die weitgehendste und damit die Lösung, die langfristig die größtmögliche Sicherheit für eine zukunftsfeste Dinslakener Schullandschaft verspricht, sei, aus dem Gustav-Heinemann-Schulzentrum eine zweite Gesamtschule zu machen. Für die Realschule und das Gymnasium dort käme das Aus, die beiden anderen Dinslakener Gymnasien könnten vierzügig geführt werden. Die Ernst-Barlach-Gesamtschule bliebe sechszügig, würde zum Teil in die Gebäude der Sekundarschule umziehen, und die jetzige Dependance an der Goethestraße könnte anderweitig genutzt werden. Die letzteren beiden Vorschläge macht der Gutachter im Übrigen auch für alle anderen Szenarien, die er aufzeigt. Eine weitere Alternative sieht Habeck darin, im größeren Teil des Gustav-Heinemann-Schulzentrums eine vier- bis fünfzügige Gesamtschule zu installieren. Dazu müsste das Gymnasium aufgegeben werden, die Realschule aber könnte vier- bis fünfzügig weitergeführt werden. Die dritte Variante des Gutachters: Der Standort in Hiesfeld würde nur wenig umgestaltet. Das Gymnasium würde aufgelöst. Die Realschule könnte dessen Räume und die der Hauptschule, deren Auflösung ja bereits läuft, mitnutzen. Eine Gesamtschule würde es in Hiesfeld nicht geben. Dann aber müsste die Ernst-Barlach-Gesamtschule achtzügig ausgebaut werden. Die letzte Variante schließlich brächte die wenigsten Veränderungen. Das Gymnasium in Hiesfeld sowie die dortige Realschule blieben bestehen und könnten die Räume der Hauptschule mitnutzen. Die Ernst-Barlach-Gesamtschule würde wie im Vorschlag drei achtzügig. Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile aller vier Varianten schlägt der Gutachter vor, sich für den dritten von ihm entwickelten Lösungsweg zu entscheiden. Das Hiesfelder Gymnasium wäre dann ebenso Geschichte wie die Sekundarschule, auch wenn Habeck prophezeit, dass die Schließung eines Gymnasiums immer zu Protesten führen wird. Noch größeren Widerstand würde es seiner Meinung nach auslösen, wenn die Realschule in Hiesfeld verschwinden soll. Die, so hat er festgestellt, hat eine große Akzeptanz bei den Eltern. Einen Nachteil der Variante drei sieht der Gutachter allerdings in der Erweiterung der Ernst-Barlach-Gesamtschule auf eine Achtzügigkeit.

"Eine größere Gesamtschule kann sich dem kritischen Punkt ,zu groß' mit unerwünschten Folgen von Vermassung nähern", schreibt Habeck. Zudem bleibe das Restrisiko, dass auch ein achtzügiges Gesamtschulangebot nicht ausreiche, um den Bedarf zu decken. Politik und Schulleiter sind inzwischen über die Ergebnisse informiert. Auch eine öffentliche Informationsveranstaltung ist noch geplant. Wer sich vorher informieren will, findet auf der Homepage der Stadt www.dinslaken.de einen Link zum kompletten 150 Seiten starken Gutachten.

Quelle: RP
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