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Dinslaken
Haus Barbara: Kein Abend für "Luschen"

Dinslaken. "Comedy mit Herz und Noten": Ausbilder Schmidt, Olaf Overbiss und die Bergkapelle Niederrhein boten auf der kleinen Bühne von Haus Barbara ein kurzweiliges Programm. Spende in Höhe von 1000 für die Flüchtlingshilfe überreicht.

Es ist ein Einmarsch ganz nach dem Geschmack des härtesten Ausbilders der Republik. Die Feldjäger Kameradschaft hat das Gelände auf Vordermann gebracht, die Kapelle spielt einen zackigen Marsch und die vierhundert Augen der Anwesenden in Reihe und Glied sind auf ihn gerichtet. Der Ausbilder grinst ein breites "genial", bevor er beginnt, den Saal zu schleifen. Die nächsten zwei Stunden werden hart, richtig hart. Man darf sich an den hammerharten Sprüchen des Ausbilders nicht verschlucken. Und man muss höllisch aufpassen, nicht derart loszuprusten, dass man am nächsten Tag vor lauter Lachen Muskelkater hat.

Denn der renovierte und mit einer beeindruckenden Lichtanlage ausgestattete Saal der Feldjägerkameradschaft Ortsverband Dinslaken ist echt, die Bergkapelle Niederrhein unter der Leitung von Helmut Nowok ist echt, und der Schleifer auf der Bühne ist ein echtes Original: Ausbilder Schmidt aka Comedian Holger Müller.

Unter dem Titel "Comedy mit Herz und Noten" hat Roland Donner in seiner Rolle als Olaf Overbiss viele Mitstreiter und das Dinslakener Publikum für einen heiteren Abend mit ernstem Anliegen mobilisiert: Am Ende der Veranstaltung überreichte er mit allen Beteiligten auf der Bühne der Vorsitzenden des Fördervereins Fliehburg, Lilo Wallerich, einen Spendenscheck zur Unterstützung der Flüchtlingsarbeit in Höhe von 1000 Euro.

Die Feldjägerkameradschaft hat den Saal des Haus Barbara auf den neuesten Stand gebracht. Die Bühne selbst ist in Dinslaken historisch zu nennen: Sie gehört zu den frühsten Auftrittsorten von Kathrin Türks und ihrem Ensemble, noch bevor sich der Name Burghofbühne durchsetzte. An diesem Abend gehört sie auch Dinslakener Talenten. Die 20 jährige Isabell Figur, Teilnehmerin an der "Dinslakener Stimme" 2012 und 2014 singt Hits aus "Les Mis", von Christina Stürmer und Taylor Swift. "Taylor Staubwedel", wie Olaf Overbiss den Namen übersetzt. Er präsentiert Evergreens von "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frauen" bis "My Way" im typischen Overbiss-Stil, aber mit dem großen Show-Sound der Bergkapelle Niederrhein. Später wird einer der Musiker aus den eigenen Reihen "What a wonderful world" singen und ein Hauch von Las Vegas weht über die kleine Bühne.

"Sentimentales Palaver" würde der Ausbilder hier brüllen. Schmidt ist Panzerfahrer, verbal auf der Bühne und in seinen Geschichten auch im Straßenverkehr. Erstzulassung und Kilometerstand? "Weiß ich nicht, war aber damit schon zweimal in Frankreich". Schmidts Humor ist schwarz, und hammerhart wie die Kekse der Bundeswehr. Political correctness? Was für "Luschen". Dass es der Mann hinter dem Schleifer einfach nur panzerfaustdick hinter den Ohren hat, merkt man, wenn Holger Müller im zweiten Teil des Abends die Kunstfigur auch einmal zurücktreten lässt.

Der asthmatisch keuchende Rainer Calmund grillt als Hilfsausbilder lieber mit seinen Rekruten als sie zu trainieren. Er wirft sie gemästet als Kalorienbomben über England ab. Schmidt bedient am liebsten die ganz alten "Feindbilder"-Klischees, er macht schließlich Hauruck-Comedy und kein politisches Kabarett. Nur im Schluss-Szenario, wenn er in seinem Anti-Kriegsfilm-Skript mit einem Helikopterflügel im Rücken in den Armen von Biene Willi stirbt, wird er beißend-aktuell. Die Terroristen, die die Bundeskanzlerin als Geisel nehmen, sind "sächsische Pegidadisten".

Donnernder Applaus für alle, allen voran für den Ausbilder, am Ende eines kurzweiligen Abends.

(bes)
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