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Heimspiel für Mike Groschek - "Der kann SPD"

Hintergrund: Heimspiel für Mike Groschek - "Der kann SPD"
Michael Groschek mit Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger bei einem Besuch in Lohberg, bei dem es um die Zukunft des Zechengeländes ging. FOTO: Marin Büttner
Dinslaken. Warum die Dinslakener Sozialdemokraten es richtig fänden, wenn der Oberhausener den Vorsitz der Landespartei übernähme. Von Jörg Werner

Nach der für sie desaströsen Landtagswahl sortieren sich die Sozialdemokraten in Nordrhein-Westfalen neu. Für die Nachfolge von Hannelore Kraft, die noch am Wahlabend als Vorsitzende der Landes-SPD zurückgetreten ist, hat der Landesvorstand den bisherigen Verkehrsminister Michael "Mike" Groschek auserkoren. Den kennen Dinslakens Sozialdemokraten besonders gut.

Den Wahlkreis, zu dem die Stadt gehört, hat Groschek sowohl als Landtags- als auch als Bundestagsabgeordneter vertreten. Als Landesminister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr war er während seiner Amtszeit immer mal wieder in der Stadt, um - sei es beim Thema Betuwe, Wohnbau oder Dinslakener Stadtentwicklung - seine Botschaften unters Volk zubringen. Bei Themen aus letzterem Arbeitsfeld hatte er oft genug auch Geld in Form von Förderzusagen dabei.

Da kann es eigentlich kaum verwundern, dass Dinslakens Sozialdemokraten ausgesprochen angetan sind von der Nachricht, dass "ihr Mike" die ziemlich am Boden liegende nordrhein-westfälische SPD nun wieder aufrichten soll, selbst wenn Kritiker einer solchen Personallösung darauf verweisen, dass eine Entscheidung für Groschek nun wahrlich kein Signal für Erneuerung sei.

Das gilt sogar für jüngere Genossen. "Natürlich hätte ich mir als Juso ein jüngeres Gesicht an der Spitze gewünscht, das vielleicht neuen Schwung signalisieren könnte", sagt Patrick Müller, Vorsitzender des Dinslakeners Parteinachwuchses. Dann aber zählt er viele pragmatische Gründe auf, die für Groschek sprechen. Bis zur Bundestagswahl, bei der Kanzlerkandidat Martin Schulz gerade auch die Unterstützung der nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten brauche, sei nicht mehr viel Zeit, um die Partei auf Kurs zu bringen. Groschek kenne nun einmal die Parteistrukturen und verfüge über einen hohen Bekanntheitsgrad.

Auch Simon Panke, SPD-Ratsmitglied und stellervertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Kreis Wesel, fände eine Entscheidung für Groschek "richtig gut". Der sei in der Lage auch komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen und für die Menschen verständlich darzustellen, was der SPD in diesem Landtagswahlkampf offensichtlich vielfach nicht gelungen sei.

Auch Panke setzt darauf, dass Groschek, der in Nordrhein-Westfalen zehn Jahre lang ihr Generalsekretär war, die Partei kennt wie kaum ein anderer und sie in kurzer Zeit wieder kampagnefähig machen und schlagkräftig aufstellen kann. "Der kann SPD", sagt Panke. Dabei stört es ihn auch nicht, dass Groschek als Minister der abgewählten Landesregierung angehört hat. Panke glaubt nicht, dass bei der Wahl speziell einzelne Minister abgestraft worden sind. Im Übrigen sei die Auswahl an Führungspersönlichkeiten, die jetzt in die Bresche springen könnten auf Landesebene eher begrenzt.

Auch Dinslakens Stadtverbandsvorsitzender Reinhard Wolf ist überzeugt, dass Groschek nicht wegen seiner persönlichen Leistung als Minister abgewählt worden ist, sondern dass der Wähler die Landesregierung insgesamt im Blick hatte. Vom Alter her sei die Zeit des 60-jährige Oberhauseners an der Spitze der Landespartei zwar sicher endlich, doch sei er für die Partei zurzeit die richtige Lösung. Groschek könne die Sozialdemokratie verkörpern und er sei jemand, der Klartext rede.

"Das ist gerade jetzt wichtig", sagt Wolf. Wenn Groschek so agiere, wie er ihn kenne, so Wolf, werde er in kurzer Zeit Ordnung in den "Hühnerhaufen" bringen. Auch nach Ansicht des Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Dinslakener Rat, Jürgen Buchmann, bietet sich Groschek für die Aufgabe "geradezu an". Er sei Sozialdemokrat durch und durch, ein Kind des Ruhrgebiets, verfüge über große Überzeugungskraft, Fachwissen, außerordentliche politische Erfahrung. "Michael Groschek ist ein Vollprofi."

Und wer nun glaubt, die Dinslakener Genossen zeichnen aus alter Verbundenheit ein arg positives Bild von Groschek - der Noch-Minister hat auch Fürsprecher außerhalb der Stadt. Hünxes SPD-Chef Jan Scholte-Reh jedenfalls glaubt, dass er für die Partei jetzt der richtige Mann ist, wie er der Rheinischen Post sagte, weil es darum gehe, die Landespartei mit Blick auf den Bundestagswahlkampf, der in vollem Gange ist, schnellstmöglich neu aufzustellen. Als dauerhafte Lösung sieht der Hünxer Sozialdemokrat Groschek allerdings nicht. "Ich bin überzeugt, dass die nordrhein-westfälische SPD als Konsequenz aus dieser verlorenen Landtagswahl einen umfassenden Erneuerungsprozess einleiten muss und hoffe, dass sie das auch tun wird", sagte Scholte-Reh.

Quelle: RP
 
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