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Kolumne Neu In Der Stadtbibliothek
Heinrich Heine und die "gefährlichen" Frauen

Dinslaken. Der Titel dieses ungewöhnlichen Heine-Porträts "Ja, die Frauen sind gefährlich" knüpft an ein Heine-Zitat an, das (im typischen Heine-Ton) so weitergeht: "Aber ich muss doch die Bemerkung hinzufügen, dass die schönen nicht so gefährlich sind, als die, welche mehr geistige als körperliche Vorzüge besitzen." Heines Verhältnis zu den Frauen, so erfährt man in der amüsanten und geistreichen biographischen Studie Sabine Brenner-Wilczeks, seit 2009 Direktorin des Düsseldorfer Heinrich Heine-Instituts, schwankte zwischen Verklärung und geistiger Abwertung, zwischen Bewunderung und Konkurrenzängsten. Frauen spielen in Heines Leben wie in seinem Werk eine herausragende Rolle. Da ist zunächst einmal die enge Beziehung zu seiner Mutter Betty Heine, der er im Alter die Schwere seiner Krankheit bis zu seinem Tod verheimlichen konnte. Dann die ebenso enge Beziehung zu seiner geliebten Schwester Charlotte, seiner engsten Vertrauten. Da sind aber auch die von ihm geliebten Frauen, die unglückliche Jugendliebe Amalie, seine französische Ehefrau Mathilde oder seine späte Liebe zu Elise Krinitz, seine "Mouche". Und da sind die Schriftstellerinnen und Salondamen seiner Zeit, mit denen Heine teilweise sehr engen Kontakt pflegte, allen voran Rahel Varnhagen von Ense, George Sand und Fanny Lewald - Frauen, die Heine bewunderte, die er aber zugleich als Konkurrenten um den literarischen und gesellschaftlichen Rang in seiner Zeit fürchtete - eben "gefährliche Weiber".

Man liest dieses Porträt des privaten Heine, das bei Erscheinen sofort für die SWR-Bestenliste empfohlen wurde, mit Vergnügen, auch wegen der vielen, gut ausgesuchten Zitate aus Heines literarischem Werk und seinen Briefen.

Aber man erfährt auch viel über Heines Epoche, über die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die auch eine Epoche der beginnenden Frauenemanzipation war.

DR. RONALD SCHNEIDER

Brenner-Wilczek, Sabine: Ja, die Weiber sind gefährlich! Heinrich Heine und die Frauen; Hoffmann und Campe: 2015.

Quelle: RP
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