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Voerde/Hünxe
Hendrik Mömken: Landwirt aus Berufung

Voerde/Hünxe: Hendrik Mömken: Landwirt aus Berufung
Hendrik Mömken aus Spellen absolviert gegenwärtig eine Ausbildung zum Agrarbetriebswirt. Er wird den elterliche Hof später einmal übernehmen. FOTO: Lars Fröhlich
Voerde/Hünxe. Die landwirtschaftliche Ausbildung und die vielfältigen späteren Arbeitsmöglichkeiten sind für etliche Jugendliche attraktiv. Der Nachwuchs wünscht sich, dass dieser Beruf aufgewertet und mehr wertgeschätzt wird. Von Sabine Lentz-Timte

Am frühen Nachmittag auf dem Hof Mömken in Spellen. Sohn Hendrik ist gerade von der Fachschule für Agrarwirtschaft zurückgekehrt, jetzt zieht er sich um, denn gleich will er seiner Familie beim Melken helfen. Der 22-Jährige ist ausgebildeter Landwirt und hat sich entschlossen, den Agrarbetriebswirt dranzuhängen, um sich weiteres Hintergrundwissen anzueignen, damit er den Hof erfolgreich führen kann.

Der landwirtschaftliche Betrieb ist in der vierten Generation im Besitz der Familie. Den Mömkens gehören 150 Hektar Land und 150 Milchkühe. Hendrik Mömken ist einer von drei Söhnen und derjenige, der den Hof übernehmen wird. "Dass ich Landwirt werden wollte, wusste ich schon im Kindergarten", erzählt er, was seine Eltern freute. Als das Schulpraktikum in der zehnten Klasse anstand, machten sie sich aber dafür stark, dass ihr Sohn sich auch in einem anderen Bereich umsieht. Also schnupperte er vier Wochen in die Vermessungstechnik hinein. Doch das war nicht das Richtige für ihn. "Ich arbeite lieber an der frischen Luft und mit Tieren", begründet er seine Entscheidung für diesen Beruf.

Zukunftsangst hat Hendrik Mömken keine, weil der Beruf für ihn Berufung ist und sein Vater den Hof wirtschaftlich gut geführt hat, wie er sagt. Der landwirtschaftliche Betrieb werfe so viel ab, sagt der 22-Jährige, dass eine Familie davon gut leben könne. Die Mömkens liefern Milch an eine bekannte Molkerei für eine hochpreisige Marke. Durch die Verpflichtung, den Kühen regelmäßig Auslauf auf den Weiden zu verschaffen und auf gentechnisch verändertes Futter zu verzichten, bekommen sie eine Extra-Förderung. Auch hat Hendrik Mömken keine Sorge, nicht genügend Zeit für seine Freunde zu haben. "Ich bin mit meinen Freunden am Wochenende nachts lang unterwegs, aber auch sonntags melke ich die Kühe wie jeden Tag um 6 Uhr", sagt er. Er könne sich nach dem Melken noch einmal hinlegen. Bedenken, dass er später nicht in Urlaub fahren kann, hat er auch nicht, weil er dann - wie seine Eltern - für diese Zeit einen Produktionshelfer engagieren würde.

Die Arbeitsbereiche in der Landwirtschaft sind vielfältig. Ein Landwirt kümmert sich nicht nur um seinen Hof, er muss seine Erzeugnisse verkaufen, Wissen über Verordnungen haben und sich als Selbstständiger mit der Bürokratie auskennen. Ausgebildete Landwirte arbeiten auch nicht nur auf den Höfen, sondern bei entsprechender Qualifikation auch in Chemiekonzernen oder Landwirtschaftskammern. Das macht den Beruf für viele Jugendliche interessant. Zwischen 1998 und 2014 haben nach Angaben von Statista, einem Online-Statistik-Portal, durchschnittlich 30. 000 bis 40 .000 Jugendliche jährlich in Deutschland diesen Beruf erlernt.

Und nicht nur Jugendliche, deren Familien Höfe besitzen, werden Landwirt. Bastian Hüwels ist Agrarbetriebswirt und arbeitet auf dem Hof von Wolfgang Schüring in Hünxe. "Ich habe schon als Kind auf dem Hof meines Onkels mitgeholfen, weil mir der Umgang mit den Tieren gefallen hat", antwortet der 25-jährige Voerder auf die Frage, warum er sich gerade für diesen Beruf entschieden hat. Nach dem Abitur jobbte er auf einem anderen Hof und entschloss sich, diesen Beruf zu erlernen, obwohl er keine Aussicht auf einen eigenen Hof hat und mit einem tariflichen Stundenlohn von 13,50 Euro nicht reich werden kann. "Man sollte nicht auf feste Arbeitszeiten pochen, denn wenn eine Kuh kalbt oder im Sommer das Getreide gedroschen werden muss, dann arbeitet man die halbe Nacht", erklärt Bastian Hüwels. Er möchte, wenn er keine feste Anstellung auf einem Hof bekommt, später bei der Landwirtschaftskammer arbeiten.

Eines wünschen sich die jungen Landwirte: Dass ihr Beruf aufgewertet und wertgeschätzt wird. Schließlich haben sie eine 24-Stunden-Bereitschaft, sorgen für Lebensmittel und sind umfassend ausgebildet.

Quelle: RP
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