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Dinslaken
Hier schmieden Brautpaare ihr Glück

Dinslaken. Barbara Kruse und Markus Buchholz von der Schmuckschmiede "Hecho-a-Mano" eröffnen Atelier in der Altstadt. Von Anja Hasenjürgen

"Das war ein Omen", so beschrieb der junge Mann Barbara Kruse am Telefon das Gefühl, das ihn und seine Verlobte spontan überkam, als beide in der Altstadt vor dem Lokal von "Hecho-a-Mano" standen. Dabei ist die Scheibe an der Eppinghovener Straße noch verklebt. Zwei fensterhohe Trauringe, Stahl mit Rotgold, kündigen die Eröffnung des neuen Ateliers am 6. Mai an. Die Schmuckschmiede von Markus Buchholz und Barbara Kruse fertigt individuelle Ringe aus Damaststahl an. Wer sich traut, darf sein Glück auch selbst schmieden - bei Trauring-Schmiedekursen für Paare.

"Mit Flipflops können wir Sie leider nicht ans Feuer lassen" mahnt "Hecho-a-Mano" auf der Homepage - man weiß ja nie. Auch das Hochzeitskleidchen sollte an diesem Tag nicht getragen werden - "feste und strapazierfähige Kleidung" lautet die Empfehlung. Schließlich wird in der Schmiede - die in Oberhausen-Holten steht - mit Hammer und Amboss gearbeitet, der Stahl bei 1000 Grad erhitzt.

Sechs bis acht Stunden dauert ein Trauring-Schmiedekurs. In dieser Zeit schmiedet das Paar aus einem Damaststahl-Barren einen fugenlosen Rohling in Ringform. Und das klappt auch garantiert - verspricht Markus Buchholz. Auch bei Menschen mit zwei linken Händen. Und das ist der Erfahrung nach nicht zwangsläufig die Braut. Lachend erzählen die beiden, dass beim ersten Arbeitsschritt - dem Sägen eines Schlitzes in die Mitte des Barrens - die Frauen meist konzentriert sägen, während die Männer vor allem Erster sein wollen. Beim nächsten Schritt - dem Ausformen auf dem Amboss - "haben die Männer dafür eher weniger Hemmungen, kräftig zuzuschlagen," so Markus Buchholz, der ursprünglich Software-Entwickler war und vor einigen Jahren ein Hobby suchte, das "absolut nichts mit IT zu tun hatte." Aus eigener Erfahrung weiß der 48-Jährige, dass es durchaus Überwindung kostet, mit dem Hammer auf etwas zu schlagen, in dessen Nähe sich die eigene Hand befindet.

Je weiter die Öffnung in der Mitte des Rings im Lauf des Schmiedetages wird, desto näher kommen sich häufig auch das jeweilige Paar und die Schmiede. "Viele gehen als Freunde", freut sich Barbara Kruse. Die 50-Jährige organisiert die Kurse, besorgt Verpflegung - von Brötchen bis zu den Lieblingsgummibärchen - und betreut das Atelier in der Altstadt. "Oft bekommen wir nachher mit der Post Fotos der Hochzeit, und, was besonders toll ist, später Babyfotos." Das Besondere sei, dass die Paare ihre Trauringe nur zu zweit schmieden. "So wird der Tag immer zu einem ganz besonderen Erlebnis", erklärt Markus Buchholz. Er bearbeitet, schleift, veredelt die Rohlinge anschließend - und garantiert so, dass sie auch so aussehen wie gewünscht: Eine feine Maserung durchzieht den Stahl - je nach Wunsch veredelt Buchholz den Ring mit Gold, Silber, Platin, Edelsteinen. Am Ende ist jeder Ring ein Unikat.

Dass die Ringe in guten wie in schlechten Zeiten passen, dafür sorgen Proberinge aus einfachem Stahl. Sie werden zuvor in der Größe und gewünschten Form angefertigt und können einige Tage getragen werden. Davon profitieren auch Kunden von außerhalb, die von weit her kommen, um ihre Ringe zu schmieden - wie zuletzt aus Österreich -, oder die im Internet bestellen. Oder eben in dem neuen Atelier - das diesen Titel nicht zufällig trägt. Reingehen, Schmuckstück kaufen, rausgehen - so läuft das bei "Hecho-a-Mano" nur im Ausnahmefall.

In dem Atelier, das bislang im Kreativquartier Lohberg angesiedelt war, werden Musterstücke ausgestellt, die exakte Ringgröße ermittelt. Übrigens sind die beiden Unternehmer auch privat ein Paar. Unverheiratet - noch. Sie hatten, sagt Barbara Kruse, einfach noch keine Zeit, ihre eigenen, ganz individuellen Trauringe zu entwerfen. Zuerst sind die Kunden dran.

Quelle: RP
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