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Dinslaken
Hilfe durch Zivis ist gefährdet

Dinslaken. Wohlfahrtsverbände und Krankenhäuser beklagen den Plan der Bundesregierung, den Zivildienst auf sechs Monate zu verkürzen. Sie befürchten, dass ein effektiver und wirtschaftlicher Einsatz kaum mehr möglich sein wird. Von Ulrich Schwenk

Das Dinslakener Rote Kreuz setzt kreisweit mit die meisten Zivildienstleistenden ein. 31 sind es zurzeit, allesamt im Behindertenfahrdienst und Krankentransport. Neben den acht Hauptamtlern und 30 bis 40 geringfügig Beschäftigten in diesen Bereichen machen die Zivis also beinahe die Hälfte aus. "Wenn der Zivildienst weiter verkürzt wird, bekommen wir ein großes Problem. Dann stecken wir echt in der Klemme", sagt Fahrdienstleiter Markus Ivens.

Ihm zufolge hat der DRK-Kreisverband Dinslaken eine Arbeitsgruppe gebildet, um Lösungen für das Problem zu finden, das die Bundesregierung den Wohlfahrtsverbänden und Krankenhäusern einbrockt: Ein Gesetzentwurf sieht vor, den Zivildienst zum 1. August von derzeit neun auf nur noch sechs Monate zu verkürzen.

Drei Monate Schulung

Der Haken daran: Wertvoll sind die Zivis vor allem dann, wenn sie qualifizierte Aufgaben erfüllen können. Dazu sind umfängliche Ausbildungen erforderlich: bis zum Rettungshelfer beim Roten Kreuz dauert es gut fünf Wochen, drei Monate gar zum Rettungssanitäter. "Bei sechs Monaten Zivildienst bliebe nur noch wenig Zeit, in der uns die Zivis helfen. Wir müssen durchrechnen, ob sich das für uns noch lohnt", erläutert Fahrdienstleiter Ivens.

Lange Schulung auf der einen Seite, zu wenig verbleibende Zeit für echte Hilfe auf der anderen: Dieses Missverhältnis erwartet auch Cornelius Degenhardt, Verwaltungsdirektor des Sankt-Vinzenz-Hospitals, falls der Zivildienst verkürzt wird. Er sieht ein weiteres Hindernis, dann noch von den Zivis zu profitieren: "Wer nach allen Schulungen nur noch drei Monate in einem Krankenhaus arbeitet, der kann sich mit der Einrichtung und seiner Aufgabe nur schwer identifizieren." Darunter leide die Leistung. Degenhardt befürchtet als Konsequenz: "Wir werden an vielen Stellen überlegen müssen, ob es noch sinnvoll ist, Zivildienstleistende einzubinden."

Die Zivis nehmen dem festen Personal in der katholischen Klinik viel Arbeit ab: beispielsweise im Patientenbegleitdienst, in der Haustechnik, als Pflegekräfte oder auch beim Schleusendienst im OP. Wegen dieser Entlastung würde die Klinik gerne sogar mehr Zivis beschäftigen als bisher: von 26 Stellen sind nur die Hälfte besetzt. "Seit der letzten Verkürzung des Zivildienstes haben wir nicht mehr genügend Bewerber. Das wird bei sechs Monaten noch schlimmer werden", glaubt Verwaltungsdirektor Degenhardt.

Friedensdorf rechnet durch

Für das Friedensdorf stellt dessen neuer Leiter Thomas Jacobs sorgenvoll die Frage: "Kann ein auf sechs Monate verkürzter Zivildienst bei uns überhaupt noch sinnvoll angeboten werden?" Neben der knappen Zeit, die nach den Schulungen noch bleibt, hängt seine Skepsis auch mit der Kostenkalkulation zusammen: Für jeden Zivi muss das Friedensdorf pro Monat rund 480 Euro aus Eigenmitteln finanzieren – von Anteilen des Solds über Seminargebühren bis hin zu Fahrgeld. Dieses Geld muss beim Friedensdorf aus Spenden aufgebracht werden. Eine Möglichkeit der Refinanzierung beispielsweise über Pflegegeldsätze wie bei Pflegeheimen bestehe nicht.

"Wir müssen nun prüfen, ob das für uns überhaupt noch rentabel ist", erklärt Thomas Jacobs, selber ein ehemaliger Zivi. Zurzeit setzt das Friedensdorf zehn Zivildienstleistende ein, beispielsweise im Fahrdienst.

Quelle: RP
 
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