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Dinslaken
Hilfseinsatz in Nepal ist verschoben

Dinslaken. Gynäkologe Dr. Bernhard Uhl vom Vinzenz-Hospital spricht von Energieengpässen.

Eigentlich hätte Dr. Bernhard Uhl, Chefarzt der Gynäkologie am Dinslakener Vinzenz-Hospital, im Dezember im Sushma Korala Memorial Hospital wieder gegen Urininkontinenz und Beckenbodensenkung bei Frauen ankämpfen sollen, doch eine Woche vor dem Abflug hatte der Chefarzt alle Termine samt Flug abgesagt.

"Die Situation vor Ort erlaubt es immer noch nicht", erklärt Bernhard Uhl. Denn immer noch sind die Schäden des Erdbebens vom Frühjahr nicht behoben. Das wäre noch nicht einmal ganz so schlimm, doch die Engpässe im Energiebereich haben inzwischen auch das kleine Frauenklinikum der deutsch-nepalesisch-gynäkologischen Gesellschaft erreicht.

"Die Bedingungen in Nepal sind derzeit sehr schwierig", erklärt der Chefarzt, "die Hilfsorganisationen, die dort agieren, haben ihre Gelder eingefroren, weil die Nepalis keine Projekte benennen können, zu denen die Gelder fließen sollen. Und bei der großen Korruption, die dort herrscht, sind die Organisationen vorsichtig." Kleinere Hilfseinrichtungen, wie die deutsch-nepalesisch-gynäkologische Gesellschaft, hätten es da einfacher. 30.000 Euro habe die Organisation von Dr. Uhl inzwischen als Soforthilfe an die Menschen vor Ort eingesetzt. Unter anderem für Wellblechhütten, die die zerstörten Wohnhäuser ersetzen sollen.

Das Problem sei die neue Verfassung, die die Nepalis verabschiedet habe. Diese Verfassung trennt Religion und Staat und will ein System, wie es in Deutschland funktioniert, einrichten.

Doch Indien lehnt eine derartige Verfassung ab und boykottiert wichtige Lieferungen wie Gas, Kraftstoffe, Medikamente. Das führe naturgemäß zu Engpässen in Nepal, an Wiederaufbau sei daher nicht wirklich zu denken. Selbst in den Krankenhäusern fehlen die nötigen Energiestoffe, um Operationen durchführen zu können.

"Unsere Organisation führt lebensqualitätsverbessernde Eingriffe durch. Die Frauen kommen in unsere Klinik, werden dort operiert, verbringen drei bis vier Tage hier und werden dann nach Hause entlassen.

Doch dort können sie im Moment nicht ausreichend versorgt werden", erklärt Dr. Bernahrd Uhl. Ein Eingriff könne eventuell für die betroffenen Frauen noch schwieriger sein als mit der bestehenden Situation klarzukommen.

Natürlich, berichtet der Dinslakener Chefarzt, könne auf dem Schwarzmarkt eingekauft werden, doch dadurch würden Spendengelder verschwendet. Und lebensbedrohlich sind die Erkrankungen der Frauen nicht.

Im nächsten Monat stehe der nächste Termin an, dann fliegt erneut ein Team nach Nepal, alle Helfer sind der Hoffnung, dass sich die Situation in Kathmandu und in der Region bis dahin so gebessert habe, dass sie dort arbeiten können.

(big)
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