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Voerde
Hühner - so zutraulich wie Hunde

Voerde. Beim Geflügelzuchtverein 1924 Voerde gibt es viele Rassen zu bestaunen. Von asiatischen Hühnern bis zum Altenglischen Kämpfer. Von Florian Langhoff

Es gibt Menschen, die halten Rassegeflügelzucht für ein wenig reizvolles Hobby. "Man wird auch schon mal belächelt, aber wenn man den Menschen erzählt, was man da alles macht, sind die meisten am Ende beeindruckt", erklärt Rainer Leske, Vorsitzender des Zuchtvereins 1924 Voerde. "Bei uns geht es um die Zucht, den Erhalt alter Rassen und die Pflege der Tiere", erklärt sein Sohn Steffen. "Ein Leben ohne Hühner gibt es da nicht." Natürlich tragen die Züchter die Verantwortung für ihre Tiere, aber in der Gemeinschaft des Vereins springt auch mal der eine für den anderen ein, so dass auch mal Urlaub möglich ist, ohne das liebe Federvieh im Kopf zu haben. "Viele Geflügelrassen würde es heute nicht mehr geben, wenn sie nicht von Züchtern gezielt erhalten würden", erklärt Rainer Leske. Und damit leisten die Züchter zugleich einen wichtigen Beitrag für die gewerbliche Hühnerzucht. "Wir stellen einen breiten Genpool zur Verfügung, und es werden immer wieder alte Rassen in die gewerbliche Geflügelzucht eingebracht."

Ihre Lieblingsrasse suchen die Züchter nach ganz unterschiedlichen Kriterien aus. Rainer Leske kümmert sich vor allem um sogenannte Chabos. "Das sind die Hühner meines Sohnes, über den ich auch zu diesem Hobby gekommen bin", erklärt er. "Chabos sind schön, weil sie klein und kompakt sind und eine gute Legeleistung haben. Außerdem kann man sie auch gut als Suppenhühner verwenden." Die Tiere zählen ursprünglich zu den Zwergrassen, aus denen später viele andere Hühnerrassen entstanden sind. Sie stammen aus dem asiatischen Raum und brauchen nicht besonders viel Futter. Außerdem sind sie sehr zutraulich. "Auch Menschen gegenüber. Fast so, wie Hunde", sagt Leske.

Vereinskollege Heinz-Josef Eckers schwört auf Altenglische Kämpfer. "Ich habe mir sehr lange Gedanken gemacht, was ich züchten möchte. Ich wollte eine Rasse haben, die sowohl Eier als auch Fleisch liefert", erklärt er. Seine Frau hat er von Anfang an mit in das Hobby eingebunden. "Wir wollten eine alte Hühnerrasse haben, die gut mit den klimatischen Bedingungen in unserer Region klarkommt", erzählt er. "Die Kämpfer sind sehr robust und muskulös und einfach eindrucksvolle Tiere, die auch einiges an Gewicht auf die Waage bringen", verrät Heinz-Josef Eckers weiter. Sie werden zwischen anderthalb (Hennen) und drei Kilogramm (Hähne) schwer.

Steffen Leske schwört auf die Ko-Shamo-Hühner. "Das ist Japanisch und bedeutet übersetzt kleine Kämpfer", erklärt der Geflügelzüchter. Sein Onkel züchtete gewöhnliche Shamos. "Das sind wirklich imposante Tiere mit einem Stockmaß von 1,20 Metern. Die könnten also locker über den Tisch schauen", erklärt er. "Die haben mich fasziniert, und als ich dann von einem Züchter erfuhr, dass es die auch in klein gibt, wusste ich: Das ist meine Geflügelrasse." Bei seinen Tieren gefällt ihm vor allem, wie sie sich präsentieren. "Die haben einen sehr aufrechten Stand, wie kleine Soldaten, und sie präsentieren sich wie Bodybuilder", sagt Steffen Leske. "Das sind kräftige, markante, sehr ruhige Tiere."

Jenny Lohmann hat sich in Seidenhühner mit Bart verliebt. "Die sehen einfach toll aus, wenn sie auf einer grünen Wiese stehen, wie kleine Schneebälle. Und sie hocken auch gerne zusammen. Dann sieht man keine Köpfe mehr, sondern nur noch einen großen, weißen Ball", erzählt die Züchterin. Während andere Geflügelrassen kaum Daunen haben, verfügen Seidenhühner über ein seidenweiches Gefiederkleid. "Im Mittelalter wurden sie deswegen auf Jahrmärkten als Skurrilitäten präsentiert, als Hühner mit Katzen- oder Kaninchenfell", erzählt die Lohmann. Doch nicht nur das flauschig-weiche Gefieder ihrer Hühner schätzt sie, auch deren Charakter. "Sie sind sehr ruhig und zahm. Wenn ich komme, umringen sie mich, und ich muss aufpassen, dass ich ihnen nicht auf die Füße trete."

Die sind übrigens auch ganz besonders, denn Seidenhühner haben fünf Zehen, anders als andere Hühnerrassen, die mit vier Zehen auskommen müssen. "Außerdem sind sie sehr robust. Das Einzige, was sie nicht mögen, ist Dauerregen." Aber der würde auch den meisten anderen Hühnern nicht gefallen.

Nass mögen es dagegen die Enten, die Sten Isselhorst, mit zehn Jahren eins der jüngsten Mitglieder, betreut. "Ich finde die Enten einfach schön", erklärt er. "Sie sind zutraulich, ruhig und unkompliziert." Genug zu tun hat der Zehnjährige aber auch mit seinem Hobby. "Ich muss regelmäßig den Teich und den Stall saubermachen", berichtet er. Außerdem nimmt er auch die Eier raus, die bei seiner Familie gegessen werden. "Die schmecken wirklich lecker", versichert Sten.

Quelle: RP
 
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