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Gesichter der Gemeinde: Ingrid Igel
"Ich mache das für die Menschen"

Gesichter der Gemeinde: Ingrid Igel: "Ich mache das für die Menschen"
Ingrid Igel engagiert sich auf vielfältige Weise FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Als Leiterin des "Gedeckten Tisch" der evangelischen Kirchengemeinde Dinslaken sorgt Ingrid Igel mit ihrem Team dafür, dass Bedürftige zwei Mal im Monat eine warme Mahlzeit bekommen. Doch ihr Einsatz reicht darüber hinaus. Von Florian Langhoff

Es ist 17 Jahre her, dass Ingrid Igel von ihrer Freundin Ilsemarie Würtz, Kindergartenleiterin und Mitglied im Diakonieausschuss der Gemeinde, auf ein besonderes Problem angesprochen wurde. "In der Stadt saßen damals sehr viele Bettler", erinnert sich Ingrid Igel. "Dann kam es zu dem Gedanken, etwas für diese Menschen zu tun." So kam es zur Gründung des "Gedeckten Tisch" und Ingrid Igel war sofort mit von der Partie. Damals richtete man in der mittlerweile abgerissenen Christuskirche ein monatliches Treffen für Obdachlose und bedürftige Menschen ein. "Wir sind damals noch über die Neustraße gegangen, haben die Menschen angesprochen und direkt mitgenommen zu unseren Treffen", erklärt Ingrid Igel.

Heute kommen die Menschen von selbst zu den Terminen, die mittlerweile im evangelischen Gemeindehaus an der Duisburger Straße stattfinden. "Zur Weihnachtsfeier waren ungefähr 120 Erwachsene und etwa 50 Kinder hier. Im Schnitt sind es bei den normalen Terminen zwischen 60 und 70 Menschen", erklärt Ingrid Igel. Es sind allerdings nicht nur Obdachlose, für die das Team des gedeckten Tischs, das mittlerweile 26 ehrenamtliche Helfer zählt, hier eine warme Mahlzeit kocht, sondern auch anderweitig bedürftige Menschen. Die bekommen an jedem zweiten Freitag im Monat ein warmes Abendessen und an jedem dritten Samstag im Monat eine kräftige Suppe oder einen Eintopf. "Wir decken die Tische schön ein, die Menschen essen und danach gibt es Kaffee und Kuchen. Aber es muss sich niemand ausweisen, oder Fragen beantworten, warum er zu uns kommt", erklärt Ingrid Igel. "Jeder ist willkommen."

Allerdings geht es um mehr, als den Menschen zwei warme Mahlzeiten im Monat zu servieren. Denn der "Gedeckte Tisch" ist eigentlich nur ein Kurzname, hinter dem der Arbeitskreis für Obdachlosen- und Bedürftigenarbeit steht. So können sich die Menschen, die zu den zwei Terminen im Monat kommen nicht nur satt essen, sondern meistens auch noch eine Tüte mit Lebensmitteln aus der Region mitnehmen. Außerdem werden die Bedürftigen, gerade in den Wintermonaten, auch mit entsprechenden Kleidungsstücken wie Jacken und Stiefeln versorgt. "Das finanzieren wir meist durch Spendengelder", erklärt Inge Igel.

Derzeit sucht die Sprecherin des Gedeckten Tischs einen Supermarkt, der bereit ist, Lebensmittel an die Gruppe zu spenden. Im vergangenen Jahr endete die Kooperation mit einem Supermarkt, der Realmarkt in Dinslaken sprang kurzfristig ein. "Momentan arbeiten wir mit der Dinslakener Tafel zusammen, aber wir suchen nach einem neuen Spender für die Lebensmittel", erklärt Ingrid Igel.

Aber sie und ihr Team vom Gedeckten Tisch versuchen auch, auf andere Weise den Menschen zu helfen. Als man zum Beispiel entdeckte, dass unter einer Brücke am Rotbach Obdachlose lebten, kamen die Helfer des Teams sofort mit Schlafsäcken, Decken und Nahrungsmitteln vorbei. Einige der Bedürftigen suchen Ingrid Igel und ihr Team auch abseits der Termine des gedeckten Tischs auf, um ihnen Nahrungsmittel zu bringen oder einfach ein offenes Ohr für sie zu haben. "Man erfährt sehr viel über die Schicksale der Menschen", sagt die 75-Jährige.

Neben ihrem Engagement beim Gedeckten Tisch wirkt sie auch bei der Behindertenarbeit der Gemeinde mit. "Auch dazu bin ich durch Ilsemarie Würtz gekommen", sagt Ingrid Igel. Hier ist sie allerdings nicht in leitender Funktion unterwegs, sondern gehört zum Team, das mit behinderten Menschen Ausflüge macht oder zu Gottesdienst einlädt. Die Motivation für Ingrid Igel ist bei ihrem ehrenamtlichen Engagement allerdings immer die Gleiche: "Ich mache das für die Menschen", sagt sie. Und das nicht nur in der Kirche. Denn die agile und aktive Frau ist auch schon seit Jahren die stellvertretende Vorsitzende des TV Jahn Hiesfeld. "Ich glaube, meine Aufgaben halten mich auch ein bisschen fit", sagt die 75-Jährige.

Quelle: RP
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