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Dinslaken
Improkonzert mit Choral im Wild-West-Stil

Dinslaken. Das Spiel ist so bekannt wie sein Ausgang vergnüglich und immer wieder neu: Das Publikum gibt ein Thema, einen Stil oder eine Stimmung vor und die handelnden Akteure auf der Bühne setzten die Zuschauerwünsche auf Zuruf spontan um. Improtheater heißt der Spaß. Was das jetzt aber mit einem Orgelkonzert in der Kirche zu tun hat? Diese Frage beantworten Christoph Scholz, in Dinslaken auch als Leiter des Madrigalchores für außergewöhnliche Konzerte bekannt, und sein Publikum, das in großer Zahl in Sankt Vincentius die Gelegenheit hatte, aktiv ins Programm einzugreifen. Scholz forderte die Zuhörer nicht nur auf, selbst zu singen, er ließ sich in bester Improtheatermanier Vorgaben machen, wie er denn zu spielen hätte. Ein ungewöhnliches Experiment und ein Riesenspaß für alle Beteiligten. Soviel kann man sagen: Das Konzert am Sonntag war wohl das lockerste und munterste in den 17 Jahren seit Bestehen der Reihe.

Christoph Scholz mit seiner Vorliebe für historische Aufführungspraxis nutzte die Register der Seifert-Orgel zunächst für die Magnifikat-Suite von Nicolas Lebègue (1631-1702). Scholz inszenierte mit den verschiedenen Registern kleine Ensembles, in denen Krummhorn oder Trompete Solistenrollen zukamen.

Dem Spiel mit den Klängen folgte das mit Rhythmen und Kontrapunkt. Zehn Variationen über den Choral "Jesu meine Freunde" ließ Johann Gottfried Walther (1684-1748) in seiner Partita aufeinander folgen. Sie bereiteten das erste große Spiel des zweiten Teils des Konzertes vor. Denn auch den sieben Strophen des Gemeindelieds "Wer nur den lieben Gott lässt walten" stellte Christoph Scholz sieben eigene Choralvorspiele voran. Der Clou: Die Strophen zwei bis sieben waren vertauscht, die Gemeinde selbst musste erraten, welcher Vers gemeint war. Deutete der leichte Swing nun auf "Es sind ja Gott sehr leichte Sachen" hin oder drückte er die Freude von "Er kennt die rechten Freudenstunden" aus? Leichter war das Aufbrausen der Orgel als "Drangsalshitze" zu entschlüsseln.

Und dann gab es noch die Momente, in denen das Publikum den Organisten forderte: Der Choral im Wildweststil und das für diesen Zweck an sich völlig ungeeignete "Das Wandern ist des Müllers Lust" als Choralvorspiel im Stil von Bach. Ein herrliches Konzertvergnügen, das wiederholt werden könnte.

(bes)
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