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Hintergrund
In der Pflege fehlen die Fachkräfte

Dinslaken. Es muss sich etwas ändern: Beruf attraktiver machen, mehr Wertschätzung, gerechte Entlohnung und verstärkt ausbilden. Von Heinz Schild

DINSLAKEN Im Pflegebereich besteht Bedarf an Fachkräften und der wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Dies ergab eine Studie, die gemeinsam vom Gesundheitsnetzwerk Niederrhein der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie dem Kompetenzzentrum Frau und Beruf Niederrhein in Auftrag gegeben worden ist. 80 ambulante und stationäre Pflegeunternehmen aus den Kreisen Wesel und Kleve wurden zu ihrem Personalbedarf befragt. 70 Prozent der Unternehmen bestätigten, dass ihr Bedarf an Fachkräften in den kommenden fünf Jahren steigen wird, 60 Prozent gaben an, offene Stellen bereits jetzt nur schwer besetzen zu können. Als Hauptgrund wurde von fast 50 Prozent der Befragten die unzureichende Qualifikation der Bewerber genannt. Negativ wirken sich das Image des Pflegeberufes, die ungenügenden Verdienstmöglichkeiten, die unattraktiven Arbeitszeiten und die körperlichen wie psychischen Belastungen aus.

Um den schon jetzt vorhandenen und weiter zunehmenden Bedarf an Pflegekräften zu begegnen, dehnt die Agentur für Arbeit ihre Fördermöglichkeiten aus, wie Peter Greifenhofer, Chef der Dinslakener Geschäftsstelle, sagte, denn "wir haben es hier mit einem sehr aufnahmefähige Markt zu tun". Im September/Oktober beginnen neue Ausbildungsseminare. Allerdings dürften die Interessenten die Anforderungen nicht unterschätzen, denn es sei etwas anderes, ob man einen Angehörigen betreut und pflegt oder in einer professionellen Altenpflegeeinrichtung arbeitet. Auch der Umgang mit Sterbenden gehört zur Arbeit im Pflegebereich.

Noch kann der Caritasverband Dinslaken, der in der stationären und ambulanten Pflege tätig ist, seinen Bedarf an Kräften decken, was mit an der guten Altersabsicherung für die Mitarbeiter und den Tarifen liegt, die gezahlt werden. "Aber wir können nicht mehr aus dem Vollen schöpfen oder groß aussuchen", erklärte Caritasdirektor Michael van Meerbeck. Seine Forderung: "Mehr Achtung für den Berufsstand." Nach seiner Überzeugung ist die Wertschätzung der in diesem Bereich tätigen Menschen mindestens genauso wichtig wie eine gerechte Entlohung. Den Fachkräftebedarf sieht van Meerbeck zunehmend drängender werden. "Die Pflege ist ein ganz wichtiger Dienst für die Menschen, den man nicht nur unter dem Kostenaspekt sehen darf", sagt der Caritasdirektor. Er macht sich dafür stark, dass mehr Männer in der Pflege arbeiten, sie seien mit einem Anteil von etwa 20 Prozent gegenwärtig in der Minderheit.

Dem Fachkräftemangel begegnet Ute Klein-Bölting, Inhaberin des Dinslakener Krankenpflegedienstes "Hand in Hand", durch verstärktes Engagement in der Ausbildung. "Ab Oktober haben wir 18 Auszubildende und sind dann international besetzt. Dann beschäftigen wir arabische, russische, türkische, polnische und deutsche Kräfte." Sie bemüht sich darum, den Pflegeberuf attraktiv zu machen, beispielsweise durch spezielle Arbeitszeitmodelle. Bei der Mitarbeiterauswahl achtet sie auch auf menschliche Fähigkeiten, denn Zeugnisnoten sind für sie nicht ausschlaggebend, da haben auch schwächere Bewerber Chancen. "Denn wir brauchen in der Pflege Leute mit Herz, die den Beruf mit Freude ausüben."

Quelle: RP
 
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