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Theater
In diesen Stücken steckt alles drin

Dinslaken. Von Kehlmanns "Vermessung der Welt" bis zum Gewinnerstück des Kathrin-Türks-Preises 2016: Die Burghofbühne Dinslaken stellt den Spielplan für die Saison 2016/17 vor.

Dass man bei der Vorstellung des Spielplans Vorfreude verbreitet, gehört zum Theater dazu. Aber in das Pressegespräch auf dem Tenterhof konnten Burghofbühnen-Intendant Mirko Schombert, Dramaturgin Nadja Blank, die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters Anna Scherer und Disponentin Sonja Wies wirklich ganz entspannt hineingehen. Mit "Casanova" lag die erste Premiere der neuen Saison samt Vorstellung des neuen festen Abendspielplan-Ensembles bereits hinter ihnen. Und die persönliche Erinnerung an diese Inszenierung brachte mehr als alle Fakten. Auch wenn diese ebenfalls für sich sprechen: Die Burghofbühne ist nicht nur als Tourneetheater ausgebucht, sie kann, obwohl sie ihre Probenzeit schon eingeschränkt hat, noch nicht einmal mehr alle Anfragen erfüllen.

Dass der Intendant trotzdem mit Sorge auf die nächsten Tarifrunden blickt und bei allem guten Willen und den konstruktiven Gesprächen, die die Stadt Dinslaken geführt hat, seit der Kreis Wesel seinen Zuschuss um die Hälfte kürzte, den Fortbestand des Theaters mittelfristig durchaus gefährdet sieht, zeigt, wie scharf bei der Burghofbühne kalkuliert wird. Trotzdem - oder gerade deshalb - gelang es dem Team auch in dieser Saison wieder, einen Spielplan zusammenzustellen, der beweist, dass Verkaufbares, Spannendes und für unsere Zeit Relevantes sich nicht ausschließen muss. Im Gegenteil. Es gibt Stücke, in denen steckt dies alles drin. Hier sind sie:

Vorgestern begann Mirko Schombert mit seinem Ensemble und Bühnenmusiker Jan Exner die Probenarbeit für "Die Vermessung der Welt" nach dem Bestseller von Daniel Kehlmann. Eine Geschichte über Alexander von Humboldt, ein Stück über die Frage, macht man das, was man macht, im Leben richtig? Premiere ist am 28. Oktober. Am 20. Januar macht Regisseurin Nadja Blank die Bühne zum "Männerhort". Eine "klassische Komödie" - und ein Theaterstück, bevor der Film in die Kinos kam.

Die vierte Premiere des städtischen Burghofbühnenabos ist eine genutzte Gelegenheit. Eigentlich sollte Ibsens "Peer Gynt" auf dem Spielplan stehen. Aber erstaunlicherweise hielt sich das Interesse der Gastspielorte in Grenzen und das Team der Burghofbühne machte einen Rückzieher. Stattdessen werden die Zuschauer am 10. März bereits um 18 Uhr das Familienstück "Tintenherz" nach dem Roman von Cornelia Funke sehen. Eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher und voraussichtlich eine sichere Bank für die Burghofbühne. Mit dem Familienstück in der Regie von Anna Scherer ist man zugleich schon mitten im Kinder- und Jugendtheater. Am Freitag startet mit "Foufou auf großer Suche" die von Stadt und Stadtwerke unterstützte Aktion "Jedem Kind einen Theaterbesuch" in die siebte Saison.

Es ist zugleich das Debüt von Marie Förster, die auch am 4. November unter dem mit Spannung erwarteten Regiedebüt von Thomas Klischke an der Burghofbühne in "Freddy - Ein Hamster lebt gefährlich" spielt. Zum ersten Mal ist die feste Schauspielerstelle im Kindertheater weiblich besetzt. Keine Intention, sondern das Ergebnis eines offenen Vorsprechens. Dafür nimmt man sich bei der Burghofbühne viel Zeit. "In einem so kleinen Haus muss das Team einfach harmonisieren", weiß Schombert. Und deshalb begnügt man sich nicht mit den einstudierten Vorsprechen, sondern führt lange Gespräche und lässt die Bewerber nach eigener Regie vorspielen.

Im Klassenzimmerstück "Mia" spielt Anna Scherer selbst die Titelrolle, in "Lost in the Supermarket" tritt das Abend-Ensemble im Jugendstück an. Nadja Blank freut sich, mit "Die kleine Hexe" das große Märchenstück zu inszenieren, und alle vier Bürgerbühnen fiebern ihren Premieren 2016/17 entgegen.

Am 14. Juni endet die Spielzeit mit einer deutschsprachigen Erstaufführung: Mirko Schombert inszeniert Liv Heloes "Meet me", das Gewinnerstück des Kathrin-Türks-Preises 2016.

www.burghofbuehne-dinslaken.de

BETTINA SCHACK

Quelle: RP
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