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Dinslaken
"Integrationspolitische Katastrophe"

Dinslaken. Eyüp Yildiz kritisiert Unterschriftenaktion für die Lohberger Grundschule. Von Jörg Werner

Heute wollen Vertreter der Schulpflegschaft Bürgermeister Dr. Michael Heidinger die Unterschriftenlisten für den Erhalt der Lohberger Grundschule überreichen. Rund 1400 Unterschriften sind bislang zusammengekommen. Kritisch beurteilt allerdings Dinslakens stellvertretender Bürgermeister Eyüp Yildiz, der sich gestern noch einmal zu Wort meldete, die Unterschriftenaktion. Der Lohberger Sozialdemokrat fürchtet, dass die Eltern, die unterschrieben haben nicht hinreichend informiert worden sind. Seit Jahren, so schreibt Yildiz, weist Lohberg die schlechtesten Überweisungsquoten an die Gymnasien aus. Nur drei Lohberger Gundschüler (6,25 Prozent) haben es im Schuljahr 2013/14 auf Gymnasium geschafft. Die nächstschlechteste Übergangsquote zum Gymnasium hat die Klaraschule mit 26,56 Prozent. Die Lohberger Kinder, so Yildiz, seien nicht zu blöd, und auch die Förderarbeit an der Marienschule sei nicht schlecht. Aber all das helfe nichts in einem Schulumfeld, in dem die Kinder weitgehend unter sich blieben: Über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler an der Marienschule hätten eine Migrationshintergrund. "Das", so Yildiz, "ist eine integrationspolitische Katastrophe." Angesichts dessen frage er sich, was eigentlich der Integrationsrat unter dem Begriff Integration verstehe. Noch nie habe der diesen Skandal thematisiert, der den Alltag der Lohberger Kinder seit Jahren bestimme. Und offenbar wolle er auch nicht, dass sich an diesen Zuständen etwas ändert, oder warum sonst beteilige er sich an der Unterschriftensammlung?

Man solle, so Dinslakens stellvertretende Bürgermeister, doch einmal die Mitglieder des Integrationsrates und die Mitglieder der Alternativen Wählergemeinschaft (AWG) mit Wohnsitz in Lohberg, die sich gerade so kämpferisch für den Schulerhalt stark machten, fragen, auf welche Grundschulen sie ihren Nachwuchs schickten. Für den "Gipfel des Zynismus" hält es Yildiz, dass jetzt irgendwelche Zukunftsträume beschworen werden. Zukunftsträume, in denen die Grundschule Lohberg eine Brückenfunktion zwischen der Gartenstadt und dem Zechenareal auf der anderen Seite der Hünxer Straße einnehmen soll.

Vielleicht werde es irgendwann mal so sein, dass all die jungen Mittelschichtsfamilien, die sich auf dem Areal ansiedeln sollen, ihre Kinder auch in Lohberg zur Grundschule schicken wollten. Aber könne das ein Argument sein, die Schule so, wie sie jetzt ist, einfach stur offenzuhalten?

Es gehe doch um die Bildungszukunft der Kinder, die jetzt dort aufwachsen. Und diese Zukunft dürfe nicht zur Manövriermasse für irgendwelche städteplanerischen Zukunftsträume werden. Zukunft sei nicht planbar, solange Menschen sich nicht wie Schachbrettfiguren in diesen Traumlandschaften hin- und herschieben ließen. Die Unterschriftensammler müssten sich fragen lassen, welches Konzept von Integration sie eigentlich verfolgten, wenn sie alles so lassen wollen, wie es ist.

Quelle: RP
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