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Zeugenaussage
IS-Rückkehrer berichtet von Folter und Hinrichtungen

Islamist aus Dinslaken festgenommen
Islamist aus Dinslaken festgenommen FOTO: dpa, rs pzi
Celle / Dinslaken. Vom brutalen Vorgehen der Terrormiliz Islamischer Staat hat ein Dinslakener IS-Rückkehrer im Prozess gegen zwei Mitstreiter vor dem Oberlandesgericht Celle berichtet. Er habe Folterungen und Hinrichtungen miterlebt, sagte 25-Jährige am Montag. Er ist selbst in Düsseldorf angeklagt.

Von einem Scharia-Gericht verurteilte Gegner und Abtrünnige des IS seien in Syrien auf dem Marktplatz mit dem Schwert geköpft oder erschossen worden. Anschließend habe man sie gekreuzigt und mehrere Tage als Abschreckung zur Schau gestellt.

"Für Christen gibt es eine Schutzsteuer von 300 Dollar pro Jahr, sonst werden sie getötet", sagte der IS-Rückkehrer, dessen Prozess in Düsseldorf noch bevorsteht. "Jesiden können keine Schutzsteuer zahlen, Schiiten können dort nicht leben." Auch wer der Terrormiliz den Rücken kehren wollte, hatte nichts Gutes zu erwarten. "Wenn man sich abkehren will vom IS, ist man automatisch ein toter Mann."

Selbst der Chef seiner Gefängniseinheit, der nach dem Geschmack höherer Vorgesetzter nicht streng genug auftrat, sei vor den Augen anderer IS-Kämpfer erschossen worden. "Die Gefängnisgruppe war eine Art Geheimpolizei", beschrieb er seinen Einsatz.

Die Schilderungen sind wichtig zur Bewertung der Aussagen der beiden in Celle vor Gericht stehenden 26 und 27 Jahre alten Deutsch-Tunesier aus Wolfsburg. Diese hatten gesagt, sie hätten sich aus Angst vor Repressalien auch nach ihrer Abkehr von der IS-Ideologie als fanatische Unterstützer gegeben, um sich lebend nach Deutschland retten zu können.

Einem der beiden wirft die Anklage vor, in Kämpfe verwickelt gewesen zu sein, der andere stand laut Anklage kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu verüben.

(p-m / dpa)
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