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Dinslaken
Italienisches Lebensgefühl als Graffiti

Dinslaken: Italienisches Lebensgefühl als Graffiti
Die Vespa steht für italienisches Lebensgefühl und wurde deshalb von Marcos Saavedra als Motiv verwendet. FOTO: Florian Langhoff
Dinslaken. Die Seiten- und Rückwand des Feinkostgeschäfts "La Dolce Vita" an der Passage zwischen der Duisburger und der Friedrich-Althoff-Straße zieren jetzt Graffiti-Bilder mit italienisch angehauchten Motiven. Von Florian Langhoff

Wenn man die Gasse neben dem Feinkostgeschäft "La Dolce Vita" betritt, springen einem die Graffiti-Bilder an der Wand des Gebäudes förmlich ins Auge. Eine Flasche Olivenöl ist zu sehen, rot leuchtende Tomaten, eine sehr abstrakte Darstellung von Nudelspezialitäten, eine Flasche Rotwein mit Gläsern und eine Vespa, über der "La Dolce Vita" steht. "Wir sind auf die Idee gekommen, die Wände mit Graffiti gestalten zu lassen, weil wir vermeiden wollten, dass ständig etwas Neues dorthin gesprüht wird", erklärt Claudia Valta, Inhaberin des Feinkostgeschäfts. Man hofft auf den Ehrenkodex unter Sprayern, der ein Übermalen von professionell ausgeführten Graffiti-Kunstwerken verbietet. Statt ständig zum Farbeimer greifen zu müssen, um die Wände von unliebsamen Schmiererein zu befreien, sollen also nun die neuen Kunstwerke für eine permanente Verschönerung sorgen.

Claudia Valta hatte sich mit der Bitte an ihren Vermieter gewandt und der nahm über Ben Perdighe und das Projekt "Kunst statt Leerraum" Kontakt zu Graffiti-Künstler Marcos Saavedra alias "Reych" auf. Der 28-Jährige, der für das Kunstprojekt aus der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile angereist war und auch schon bei der Gestaltung des "Hexenhauses" in der Altstadt mitgewirkt hatte, wollte die Gelegenheit, weitere Wände zu gestalten, gerne wahrnehmen. "Ich hoffe, dass Dinslaken in den kommenden Jahren noch mehr Wände bekommt, an denen Graffiti entstehen kann. Die Menschen freuen sich über die Kunst", sagt er.

Marcos Saavedra alias "Reych" vor den leuchtend roten Tomaten, die er an die Seitenwand des Feinkostgeschäftes "La Dolche Vita"aufgesprüht hat. Der chilenische Graffiti-Künstler freut sich, dass einige Passsanten seine neuen Arbeiten bereits lobten. FOTO: Florian Langhoff

Am Computer plante er seine Bilder genau vor. "Ich wollte, dass der Auftraggeber sehen konnte, wo genau die Bilder später an der Wand entstehen", erklärt der Graffiti-Künstler, der in seiner Heimat Kommunikationsdesign studiert und daher nicht nur mit Spraydosen, sondern auch mit den entsprechenden Computerprogrammen umgehen kann. Nach der Planung dauerte es zwei Wochen, in denen er neben dem Kunstprojekt an den Wandflächen arbeitete, bis die fünf Graffiti-Bilder die Seitenwand des Gebäudes mit dem Feinkostgeschäft zierten. Stolz präsentiert Marcos Saavedra alias "Reych" die Kunstwerke. "Ich habe meinen Stil etwas angepasst, damit alles etwas eleganter wirkt", erklärt der Chilene.

Sein eigener Stil zeichnet sich dadurch aus, dass er die Farben für die Bilder Schicht für Schicht aufträgt. Am Ende bleiben bei den Werken immer einige leuchtende Flecken, quasi kleine "Highlights", die ebenfalls zum Stil von Marcos Saavedra gehören.

Und er bekam schon während seiner Arbeit an den Bildern positive Rückmeldungen von etlichen Passanten, worüber der Künstler sich sehr freut. Während er die Vespa, vielleicht das Objekt, das am ehesten mit dem italienischen Lebensgefühl in Verbindung gebracht wird, auf die Wand sprühte, erntete er von einigen Passanten den Kommentar "Das ist ganz großes Kino." Einer der Ausdrücke, den Marcos Saavedra, der sonst Spanisch und Englisch spricht, direkt verstand. Eine positive Rückmeldung, die den Künstler freudig stimmt, der heute wieder in seine Heimat nach Chile zurückreist.

Über die Graffiti-Kunst an der Seitenwand ihres Feinkost-Geschäftes freut sich auch Claudia Valta. "Das Olivenöl und die Tomaten sind wirklich toll geworden", sagt sie. Bei den anderen Darstellungen war die Fantasie des Künstlers für sie allerdings etwas zu sehr im Spiel. "Aber man muss einem Künstler ja auch seine Freiheit lassen. Und vielleicht bleiben demnächst ja Menschen stehen, um die Bilder anzuschauen. Wie in einer Galerie", sagt sie.

Quelle: RP
 
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