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Dinslaken
Jazz vom Feinsten in Dinslakens Ratssaal

Dinslaken. Marc-Olivier Poingt aus Agen studiert Klavier und Komposition in Bordeaux. Am Freitag bereitete er mit seinem Trio den Dinslakenern in ihrem Rathaussaal einen wohl unvergesslichen musikalischen Abend.

Deutschland - Frankreich: In Dinslaken brauchte es keine 24 Stunden, dass diese Konstellation schon wieder eine völlig andere Bedeutung hatte. Marc-Olivier Poingt, mit seinen 19 Jahren U21 - was man allerdings kaum glauben mag - , spielte, das deutsche Publikum und die französische Delegation mittendrin bereiteten ihm Ovationen im Stehen. Umso schöner, es ging um die Disziplin, in der es keine k.o.-Runden gibt, in der man nur miteinander und nie gegeneinander spielt: Marc-Olivier Poingt studiert an der Musikhochschule Bordeaux Aquitaine Klavier und Komposition, am Freitag trat der junge Jazz-Musiker mit seinen Kommilitonen Swann Vidal (Schlagzeug) und Louis Gaffney (Bass) im Rathaussaal auf. Ein Jazz-Konzert im Rahmen der Städtepartnerschaft von Agen und Dinslaken und auch eine kleine musikalische Sensation. Denn was Poingt sowohl spieltechnisch wie kompositorisch zu bieten hat, birgt beachtliches Potential.

Ein Glücksfall? Für die Anwesenden im Rathaussaal auf jeden Fall. Als Samirah Al-Amrie und Kerstin Sierp anlässlich der 40 Jahre Städtepartnerschaft als Sängerinnen nach Agen eingeladen wurden, sagte man ihnen: "Es ist auch ein Pianist da." Dieser Pianist war Poingt und am Ende eines wohl wunderbaren Abends im Theater stand für die Beteiligten fest, dass man auch in Dinslaken mal in den Genuss kommen muss, ein solches Talent aus der Partnerstadt zu erleben. Am Freitag lebte die Atmosphäre jenes Abends auf, als die Sängerinnen in Poingt einen Pianisten fanden, der sie nicht einfach nur musikalisch begleitete, sondern mit spielerischer Leichtigkeit eigene Akzente setzte, improvisierte und inspirierte. Poingt ist der Spielmacher, um bei den Fußball-Vergleichen zu bleiben, und die Art, wie er Vidal und Gaffney die Pässe rüberspielt, damit diese mit ihren Improvisationen Treffer beim Publikum landen, wie die drei bei lateinamerikanischen Rhythmen Tempo machen, mit welcher Präzision sie zum Abschluss kommen und mit welcher Spielfreude sie auf dem Platz stehen, der die Bühne ist, konnte die Anwesenden im Rathaussaal einfach nur zu begeisterten Fans machen. Das Trio beginnt mit Chick Coreas "Spain", einem wilden Mix aus Flamenco-Kadenzen und Latino-Rhythmen. Später spielen Poingt und Gaffney mit komplementären afrikanischen Rhythmen. Der 19-jährige beschäftigt sich auch mit der Klassik, im Konzert erlebt man seine Auseinandersetzung mit Bach: barocker Kontrapunkt, aufgebrochen in harmonisch freie Improvisation, während Bassist und Schlagzeuger ihre rhythmischen Strukturen straffen.

Marc-Olivier Poingt komponiert auch selbst. Melodische Gebilde auf dem Flügel, in denen Ahnungen von Romantik, Impressionismus und keltischer Folk mitschwingen. Die Themen sind Seelenmusik fürs Kopfkino, gespielt und umspielt mit viel Gespür für den musikalischen Ausdruck und beeindruckender Technik. Das Schlagzeug setzt ein: Rock, Funk, freie Improvisation.

Ein Wiedersehen mit dem Trio bei Jazz in Dinslaken? Es wäre perfekt. Die Kompositionen von Poingt deuten noch in eine weitere Richtung: Filmmusik. Der 19-jährige scheint alles dafür mitzubringen. Emotionale Titelthemen, das Spiel mit den Stimmungen. Im Rathaussaal machte er aus "I got Rhythm" einen Soundtrack für einen Buster Keaton-Film. Ihm läge derzeit tatsächlich eine Anfrage vor, die Musik für einen Film zu schreiben, verriet Poingt beim Gespräch nach seinem Auftritt.

(bes)
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