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Voerde
Jede Menge Tatorte auf der Bahnhofstraße

Voerde. In der Voerder Kriminacht verriet Stephan Harbort, wie kriminalistische Methoden im Alltag nützen können.

Verzwickte Fälle, skurrile Begebenheiten und Ermittler mit ihren Problemen und kleinen Macken. Am Freitagabend wurde die Bahnhofstraße in Voerde wieder zum Tatort einer langen Kriminacht. Gemordet und ermittelt wurde in den Boutiquen von ten Have und Crisba, im Hausgerätefachgeschäft Quil und abschließend in der Buchhandlung Lesezeit, die Voerder Krimifreunde folgten der Spur der literarischen Verbrechen auf zwei Fährten. Dazwischen - und manchmal auch mittendrin, trafen sie sich in der Volksbank zu Chorgesang, Tanz und Plausch auf dem Sofa mit den Krimiautoren.

Aber man braucht keine strafrechtlich relevanten Fälle, um sich mit kriminalistische Methoden weiterzuhelfen und auch keine fiktiven Geschichten für einen spannenden Leseabend. Dafür reicht allein die menschliche Natur und das akribische Interesse daran, ihre Handlungsweisen zu entschlüsseln und für sich zu nutzen. Wie es geht, erklärte der Düsseldorfer Profiler mit Medienerfahrung Stephan Harbort. Lebenshilfe im Bestattungsinstitut Knopf.

Worum es in seinem Buch "Der klare Blick" geht, konnte man schon ein wenig studieren, bevor er das erste Wort gesprochen hat. Harbort setzt sich an den Tisch und blickt mit hellwachen Augen auf sein Publikum. Das aber plaudert munter weiter. Warum keine gespannte Stille, wo es doch offensichtlich ist, dass Harbort den Abend beginnen möchte? Desinteresse erscheint doch eher unwahrscheinlich. Harbort fragt nach und erfährt, dass die Kriminachtbesucher schon eine Lesung hinter sich haben und sich noch im Pausenmodus befinden. Fall geklärt. Eine grundlegende Methode, Psychopathen, Entführer oder auch mal prügelnde Schuljungen aus der Reserve zu locken, sei die proaktive Strategie: direkte oder indirekte Ansprache, auch über die Medien, die Herbeiführung eines Überraschungsmomentes an einem Ort, an dem der andere nicht damit rechnet. "Unkonventionell reagieren" rät Harbort und erzählt, wie er den Sportkameraden seines Sohnes, der nach der Scheidung seiner Eltern mit Aggressionen reagierte, nicht durch Autorität, sondern durch Vorgabe von Verständnis für seine Situation dazu bewegte, sich nicht mehr zu prügeln.

Den Jungen konnte man zum Positiven ändern, Psychopathen nicht. Solche Typen sind nämlich keineswegs offensichtliche Monster, sondern Menschen, die ganz geschickt wissen, wie sie andere manipulieren und bedingungslos für sich gewinnen können. Auch hier lautet das Rezept, nach wissenschaftlich erprobte Regeln zu spielen und damit den Gegner zu überraschen. Harbort bezieht sein Publikum mit ein, kommt von "Hölsken auf Stöcksken", erzählt von der Familie, vom Film und freut sich auch über eigene, besonders komplex formulierte Sätze.

(bes)
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