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Unsere Woche
Jetzt muss aber mal Schluss sein mit dem Gewurschtel

Dinslaken. Warum die Politik endlich den Mut aufbringen muss, sich in der Bäderfrage der Realität zu stellen und wie es mit der B 8 weitergeht.

Ja, so kann's gehen. Da haben Verwaltung und Politik den Stadtwerken gerade erst das Hiesfelder Freibad aufs Auge gedrückt und gehofft, dass sie damit erst einmal aller Probleme ledig sind, und schon werden sie von der Realität eingeholt. Dabei hätte es jeder wissen können. Die Technik des in die Jahre gekommenen Bades ist reichlich marode, und es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann sie versagen würde.

Jetzt ist die Situation da. Geschätzt 260.000 Euro würde der notwendige Austausch der Filteranlage kosten. Allerdings kann niemand sagen, wann die nächste Großreparatur ansteht. Die Politik wird also entscheiden müssen, ob sie unter dem Druck, den die Hiesfelder mit Sicherheit machen werden, auf die Schnelle mal eine vierte Million Euro raushaut oder ob sie endlich den Mut aufbringt, der ihr gefehlt hat, als im Jahr 2009 das alte Volkspark-Hallenbad abgewirtschaftet hatte und ersetzt werden musste. Schon damals hätte die Politik die Chance gehabt, eine nachhaltige Lösung für die Dinslakener Bäderfrage auf den Weg zu bringen. Wie wir alle wissen, ist es anders gekommen, weil niemand den Mut gefunden hat, der Realität ins Auge zu sehen und das Hiesfelder Bad zu schließen. Die Stadt hat zwar ein schönes neues Hallenbad bekommen - um den Preis allerdings, dass das Freibad am Volkspark geopfert wurde - der Rest seitdem ist Stückwerk und Gewurschtel. Dass die Stadt das Hiesfelder Bad - und das ebenfalls marode Lehrschwimmbecken an der Bismarckstraße - an die Stadtwerke und deren Tochter Dinbad, die im DINamare nachweislich erfolgreich agiert, verpachtet hat, war nichts anderes als der letzte verzweifelte Versuch einer seit Jahren überfälligen Entscheidung auszuweichen. Jetzt ist's genug. Es geht nicht um Hiesfelder Tradition und die Befindlichkeiten der dortigen Dorfbewohner. Es geht um das Interesse der gesamten Stadt. Und das bedeutet, dass es eine Lösung geben muss, die den Ansprüchen aller gerecht wird - der Freizeitschwimmer, der Vereine, der Schulen. Und es muss eine Lösung sein, bei der das finanziell Machbare nicht aus den Augen verloren wird. Eine solche Lösung kann nach Lage der Dinge nicht darin bestehen, weiter am Hiesfelder Bad herumzuflicken. Die Stadt wird sich auf Dauer keine drei Bäderstandorte leisten können, von denen zwei auch noch drohen, aus finanzieller Sicht ein Fass ohne Boden zu werden. Es wird Zeit, dass die Politik ihre Verantwortung erkennt und entsprechend handelt. Dass sie es tun wird, ist allerdings ausgesprochen ungewiss.

Weniger ungewiss ist dagegen die Frage, ob die neue B 8 so gebaut wird, wie es im neuen Bundesverkehrswegeplan vorgesehen ist. Nach allem, was die Erfahrung vieler vergangener Jahre in dieser Sache lehrt, lautet die Antwort schlicht: Nein. Die Voerder werden mit allem, was in ihrer Macht steht, weiter gegen den geplanten Trassenverlauf ankämpfen. Und dafür haben sie - auch wenn die Dinslakener, die unter der bisherigen Situation auf der Bundesstraße leiden, dafür wenig Verständnis aufbringen mögen - auch gute Gründe. Wenn überhaupt, kann es nur eine gemeinsame Lösung geben. Dass die Christdemokraten aus beiden Kommunen, sich jetzt zusammengesetzt haben, um auszuloten, was geht, ist deshalb nur folgerichtig, wenn auch noch lange kein Durchbruch.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

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Quelle: RP
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