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Dinslaken
Kataloge als Geschichtsbücher

Dinslaken: Kataloge als Geschichtsbücher
FOTO: Markus Joosten
Dinslaken. Als Kind bekam Frank Langer in der Apotheke Tütchen mit Briefmarken geschenkt. Das weckte seine Sammelleidenschaft, die bis heute anhält.

Angefangen hatte es mit Gratis-Marken. Die hatte Frank Langer als Kind in der Apotheke erhalten. In dem Tütchen waren Marken aus verschiedenen Ländern. Damals war er zehn Jahre alt, als er seine ersten Briefmarken in ein Album einsortierte, sich an den schönen Motiven erfreute. Heute ist er 50 und dem Hobby immer noch treu. Seit 1982 gehört er dem Verein der Briefmarkensammler Dinslaken-Walsum an.

Bei dem Dinslakener fing es wohl wie bei den meisten Sammlern an. Neben den Gratis-Exemplaren gab es ja auch noch die Marken, die mit den Briefen ins Haus flatterten. Sie wurden im Wasserbad vom Briefumschlag gelöst, getrocknet und einsortiert. Später wurde es dann einfacher für die Sammler: Per Abo kamen und kommen die neuesten Marken per Post ins Haus. Es gehe nicht unbedingt um hohe Werte, ihm gehe es um die Motive, betont Langer. "Nicht für das Portemonnaie, fürs Auge seien die Marken", sagt Horst Köberling, der seit vielen Jahren Vorsitzender des Briefmarkensammlervereins ist. Man sammle aus Spaß an der Freud, man erfreue sich an der Schönheit der Sache.

Für Horst Köberling haben die Marken nicht nur schöne, interessante Motive. "Es gibt kein besseres Geschichtsbuch als die Briefmarkenkataloge", meint er. Darin lasse sich zum Beispiel finden, in welchem Jahr Helgoland zu Deutschland kam. 1890 wurde es gegen Sansibar eingetauscht und auf Helgoland waren dann deutsche Briefmarken gültig. Als die Briefmarken erfunden wurden, war Deutschland ein Flickenteppich. Die Entwicklung lasse sich anhand der Postwertzeichen ablesen.

Als Frank Langer 1982 in den Verein eintrat, war Dinslaken noch nicht mit Walsum verbunden. Die Fusion wurde nach der Jahrtausendwende notwendig. Es gab immer weniger Vereinsmitglieder und so schlossen sich 2004 die beiden Vereine aus Dinslaken und Walsum zusammen. Was etwas dauerte, wie Köberling sagt. Zwei Jahre, dann war alles unter Dach und Fach. Zurzeit gehören ihm über 70 Sammler an, es waren aber auch mal über 100. "Das ist noch nicht so lange her", fügt Köberling hinzu.

Alle zwei Wochen lädt der Verein die Mitglieder zu einem Treffen ein. Dann kann gefachsimpelt werden, sich über neue Marken ausgetauscht werden. "Der Verein stellt den Mitgliedern sämtliche Kataloge zur Verfügung. Sie können sie ausleihen", sagt Köberling. Alle vier Jahre würden sie erneuert.

Bei den Treffen informiert der Verein aber auch über aufgetauchte Fälschungen. "Das kommt häufiger vor, das ist ein üble Sache", sagt Köberling. Selbst Prüfzeichen seien schon verfälscht worden. Und so werden besonders teure Marken erst einem Prüfer gezeigt, bevor sie gekauft werden. Und einige Sammler würden solche Fälschungen sammeln. Der Verein kann aber auch eine Anlaufstelle sein, für Menschen, die eine Briefmarkensammlung haben und sie veräußern möchten.

Langer und Köberling wissen, dass sie zu einer aussterbenden Spezies gehören. Das verdirbt ihnen aber nicht die Freude an ihrem Hobby. Vielleicht kommt ja doch der eine oder andere noch auf den Geschmack, kommt zu den Vereinstreffen. Zurzeit gibt es aber kaum junge Menschen, die sich für die bunten Marken interessieren.

(M.T.)
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