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Dinslaken
Kathrin-Türks-Preis geht an Norwegerin Liv Heløe

Dinslaken: Kathrin-Türks-Preis geht an Norwegerin Liv Heløe
Die norwegische Dramatikerin Liv Heløe FOTO: Leif Gabrielsen
Dinslaken. Die Jury lobt die stilistische Souveränität der Autorin und ihr großes Können im Umgang mit Sprache.

Gemeinsam mit der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe und der Stadt Dinslaken vergibt die Burghofbühne Dinslaken alle zwei Jahre den Kathrin-Türks-Preis für Autorinnen des Jugendtheaters. Der Preis, benannt nach der ersten Intendantin der Burghofbühne, wurde 1986 ins Leben gerufen und ist inzwischen einer der renommiertesten Autorenpreise im Bereich Jugendtheater. Das Gewinnerstück kommt in der jeweils folgenden Spielzeit an der Burghofbühne Dinslaken zur Ur- oder deutschsprachigen Erstaufführung.

Die Gewinnerin des Kathrin-Türks-Preises 2016 ist die norwegische Dramatikerin Liv Heløe mit ihrem Jugendstück "meet me". Liv Heløe, 1963 geboren, arbeitete 15 Jahre lang als Theater-, Film-und Fernsehschauspielerin. Ihre ersten Arbeiten waren 1992 bei einem Festival für neue Stücke in Oslo zu sehen. 2003 beendete sie ein zweijähriges Studium für Dramatik. Seitdem arbeitet sie hauptberuflich als Autorin für Theater und Rundfunk. Für ihre Arbeit erhielt sie bereits zahlreiche Preise, darunter den National Ibsen Award und den Heddaprisen für die beste Kinder-und Jugendtheaterproduktion ihres Stückes "Man ist auch der, der man werden kann".

"meet me" erzählt auf berührende Weise die Geschichte von Shaya, der sich zusammen mit Feda ein Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft in Norwegen teilt. Der Alltag ist trostlos: ohne Aufenthaltsgenehmigung dürfen die beiden nicht arbeiten, ohne Geld haben sie keinen Zugang zum gesellschaftlichen Leben, ohne Anschluss an die Gesellschaft bleiben Kultur und Sprache fremd.

Zaghafte Versuche der Integration stoßen auf Ablehnung. Einzige Ablenkung ist eine Busfahrkarte in die Stadt und das Handy. La'liaschreibt eine SMS, dass sie sich mit Shaya treffen möchte. "Um vier Uhr. Am blauen Stein". La'ila, in die er sich verlieben könnte, hat ihm Geld geliehen, damit er äußerlich etwas aus sich macht und nicht auf den ersten Blick als Asylbewerber abgestempelt wird. Doch Shaya hat sich im verregneten Norwegen eine teure Sonnenbrille gekauft.

Die Jury, gebildet von Nicola Bongard, Bettina Maurer, Ulrike Schanko, Henning Fangauf und Thilo Reffert, lobt "meet me" als ein berührendes, poetisches Stück und betont die Stärke der Autorin, eine große Empathie für den Protagonisten zu schaffen. Im Vordergrund steht für die Jury die Geschichte eines Jugendlichen, der mit seinen Sehnsüchten, Ängsten und Schwächen auf der Suche nach seinem Platz im Leben ist - eine Suche, die durch seine unsichere Situation als Flüchtling besonders schwierig, oft zum Verzweifeln ist.

Dabei beweise die Autorin stilistische Souveränität und ein großes Können im Umgang mit Sprache. Ihre unaufwendigen Dialoge, die oft nur mit einzelnen Wörtern und Wortwiederholungen auskommen, träfen den Sprachgestus der Jugendlichen, ohne anbiedernd zu sein und schafften eine bedrückende Atmosphäre. Ihre Figuren seien plastisch und in ihrer Denkweise und ihrem Handeln überzeugend. Besonders gelungen sieht die Jury die Verwendung einer Fremdsprache. So spricht Shaya im Original in seinen inneren Monologen und in den Gesprächen mit seinem Freund Feda norwegisch, also seine Muttersprache, während er in Gesprächen mit La'ila und seinem restlichen Umfeld auf Englisch kommuniziert. Dadurch werde für das Publikum Fremdheit und erschwerte Verständigung spürbar und erlebbar.

Die Preisverleihung in Anwesenheit der Autorin wird in Zusammenarbeit mit der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe noch in diesem Monat stattfinden. Genauer Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben. Die deutschsprachige Erstaufführung von "meet me" wird am 14. Juni 2017 im Tenterhof an der Gerhard-Malina-Straße stattfinden. Regie führt Mirko Schombert.

Quelle: RP
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