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Dinslaken
Kinder erschaffen ihre Fantasiestadt

Dinslaken. Bei einem Workshop im Rahmen der Ferienspiele entstehen wahre Miniaturkunstwerke.

Den brennenden Ball zuwerfen und dabei den anderen beim Namen nennen, Tiere aufzählen, ungewöhnlichere dabei besonders benennen, Skizzen ungewöhnlicher oder skurriler Menschen zeichnen - zum Auflockern und Kennenlernen waren der eigenen Fantasie im gestern beginnenden Workshop "Erschaffe Deine eigene Fantasiestadt" keine Grenzen gesetzt. Und Ravi, ihr Bruder Leander, Anna, Lina, Jan und Paul legten auch gleich los und schufen bereits am ersten Tag wahre Kunstwerke in Miniaturform.

Unterschiedliche Materialien, verschiedene Formen der Herangehensweise stehen den Kindern in den kommenden Tagen zur Verfügung. Ihr Hauptwerkzeug gestern - Marmeladengläser. Dazu jede Menge Bildausschnitte der Stadt Dinslaken, der Umgebung, Sand, Holz, Steine, Geld, Papier, ja sogar eine alte Klingel, vor allem aber Miniaturfiguren in den unterschiedlichsten Varianten. Erstaunlich welche Meisterwerke damit geschaffen werden können - Badende vor dem Atomkraftwerk, Bergleute auf einer Halde, ein vom Unwetter gebeutelter Mann. Verändert werden kann das Kunstwerk noch von der Perspektive, die die Kamera schließlich einfängt.

Der Dinslakener Altmarkt, ein Mann sitzt auf dem Boden, neben ihm eine Schuldenliste: Miete, Strom und andere Ausgaben sind darauf vermerkt, vor ihm einige Geldstücke. Die neunjährige Ravi will mit ihrem Werk auf die vielen Obdachlosen in Dinslaken aufmerksam machen, auf Menschen also, die das Schicksal gebeutelt hat, die am Rande der Gesellschaft stehen. "Ich finde es traurig, wenn Menschen ohne Wohnung, ohne Geld sind. Daher will ich die Menschen aufrütteln, sich damit in der Ausstellung auseinanderzusetzen", so die Neunjährige. Der Mann in ihrer Miniaturwelt hofft darauf, eines Tages wieder einen Job zu finden, um seine Schulden bezahlen zu können und wieder aktiv am Leben teilnehmen zu können. Ein beeindruckendes Szenario.

Ihr Bruder Leander (11) hingegen lässt seine Figurine nach einem Einkauf vor der Neutor-Galerie stehen. Eine andere steht am Bahnhof, wartet mit gepackten Koffern und Taschen auf ihren Zug, der sie. . ? Ja, in die Ferne oder nach Hause bringt, das bleibt dem Betrachter überlassen.

Nicht ganz so gegenständlich sind Annas Werke - eine Brücke über den Rhein aus Schaumstoff und Lederrolle, ein Drahtgebilde, das sich durchs Marmeladenglas rankt und das eine Frau mit Fotoapparat in die Höhe hält. "Ich wollte etwas anderes schaffen. Jeder kann sich überlegen, was es für ihn bedeutet, kann seine eigenen Gefühle entwickeln."

Das Konzept von Künstler Max Bilitza scheint bereits am ersten Workshop-Tag aufzugehen. Denn die Kids sollen wie Regisseure eine Fantasiewelt entstehen lassen, eine Choreographie des Alltags erschaffen und dabei die Welt mit ihren eigenen Kinderaugen sehen. Ihre Lieblingsorte, ihre "Un-Orte". Und so Miniaturwelten erschaffen, die Geschichten erzählen, lustig, schaurig, ernst, traurig, schön.

(big)
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