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Dinslaken
Kleine Welten im kleinen Theater

Dinslaken: Kleine Welten im kleinen Theater
Christian Behrens mag den Niederrhein, der in seinen Geschichten und Liedern eine große Rolle spielt. FOTO: Sigi Biank
Dinslaken. Christian Behrens und Valerie Pöllen trieben im Theater Halbe Treppe in Lohberg ihren Schabernack mit dem Publikum.

Er ist ein Zauberkünstler, ein Artist mit Worten. Er treibt seinen liebevollen Schabernack mit dem Publikum und lässt die Lachmuskeln kaum zur Ruhe kommen. Gemeint ist Christian Behrens, freiberuflicher Autor, Fotograf und Kleinkünstler, der zusammen mit Valerie Pöllen im Theater Halbe Treppe in Lohberg auftrat. Gedichte und Lieder, Geschichten und fantasievolle Texte, selbst geschrieben - das war sein Rezept gegen Langeweile an diesem stürmischen, verregneten Tag.

Die "Fahrradlieder" zum Beispiel. "Sie entstanden auf der ehemaligen B 60. Man kann dort stundenlang geradeaus fahren, ohne zu lenken, und wenn man nicht ganz verblöden will, fängt man an zu dichten", so Behrens. Ein kleines Publikum, verrät er, sei manchmal schwerer zu begeistern als ein großes. Aber dieses Publikum im kleinsten Theater am Niederrhein ist irgendwie anders heute.

Von der ersten Minute an klatschen die Zuhörer, rufen Kommentare und lachen Tränen. Eine gute Stimme hat er auch noch, wenn er singt, seine Lieder sind so komisch, dass die Leute gar nicht genug bekommen können.

"Heute gibt es eine Weltpremiere", kündigt er an. "Das Lied vom großen Glück", diesmal ein wenig nachdenklicher, wurde zuvor noch nie aufgeführt. Und Behrens ist auch zum ersten Mal mit Valerie Pöllen, studierte Musikerin und Chorleiterin, auf der Bühne. Das Publikum weiß die Natürlichkeit der beiden Darsteller zu schätzen und honoriert ihre Arbeit mit extra viel Applaus zwischen den Stücken.

"Sie passte wunderbar zu meiner Wohnungseinrichtung, also sprach ich sie an", heißt es in einem Text. Selbst kleine Versprecher, menschlich und völlig normal, nutzt der Künstler, um den Leuten, die so zahlreich gekommen sind, näher zu sein. Wortspiele reihen sich anein-ander, unendliche Sätze, gespickt mit ausgeklügelten Reimen oder Späßen. Und der eine oder andere fragte sich sicher amüsiert, wie kommt man nur auf so etwas Verrücktes?

"Ich mag das kleine Publikum", so Behrens. "Und den Niederrhein. Man braucht den zweiten Blick, um die Kleinode in der Natur und in den Menschen zu entdecken", sagt er. Behrens kommt aus Moers, seit 17 Jahren führt er "Die kleinen Welten" auf, schreibt Lieder und präsentiert "so ganz nebenbei" stimmungsvolle Fotos. Von der Bühne "Halbe Treppe" sagt er, es sei das niedlichste kleine Theater, das er je gesehen habe.

In seinem Gedicht "Unterwassergeschichten" nimmt der Künstler nahezu jeden Fisch aufs Korn, den es gibt. "Ein schlanker Fisch sammelte Aal-Mosen" - und das Publikum kann sich bei der rasanten Abfolge der Wortspielereien vor Lachen kaum halten. Ein harter Angriff auf die Lachmuskeln ist auch die Geschichte vom "Silze pammeln", denn der vermeintlich essbare Pilz entpuppt sich als ungenießbar.

Bis zur Unkenntlichkeit werden die Worte verdreht, und auf das Publikum legte sich mitnichten die "meiernde Blüdigkeit". Ob der Nachmittag ein Erfolg war? Aber so was von.

(S.G.)
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