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Dinslaken.
Klimawandel: Stresstest für die Bäume

Dinslaken.: Klimawandel: Stresstest für die Bäume
Das veränderte Klima und der Standort mitten in der Stadt machen auch den Platanen vor der Agentur zur Arbeit in Dinslaken zu schaffen. FOTO: Kunte
Dinslaken.. Kastanien, Eschen, Linden oder Platanen haben wohl keine große Zukunft in den Innenstädtdten. Von Robin Kunte

Temperaturen von über 35 Grad im Schatten, lange Trockenheit, dann wieder starke Unwetter: Der Sommer ist ein Stresstest für Menschen und Natur. Es sind die Bäume in den Innenstädten, die besonders darunter leiden - auch in Dinslaken. Wegen des Klimawandels werden viele klassische Straßenbäume in Zukunft Probleme bekommen, sagen Experten.

Noch sind extrem heiße Tage und lange Trockenperioden die Ausnahme, nach Vorhersagen von Klimaforschern könnten sie im mitteleuropäischen Sommer zur Regel werden. So schätzt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dass die durchschnittlichen Temperaturen im Kreis Wesel bis 2100 um fast vier Grad steigen. Im Sommer könnte es dann insgesamt deutlich weniger regnen, dafür immer stärkere Unwetter geben. Die Anzahl trockener und warmer bis heißer Tage soll sich mehr als verdoppeln, selbst "dürreähnliche Zustände" schließen die Forscher nicht aus.

"Diese Veränderungen werden unseren typischen Straßenbäumen Probleme machen", sagt Joachim Bauer. Der Kölner leitet bei der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (Galk) den Arbeitskreis "Stadtbäume". Die Galk ist ein bundesweiter Verbund der kommunalen Grünflächenämter. Bauer beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Umwelteinflüssen auf Stadtbäume.

Die meisten Baumarten am Straßenrand stammen ursprünglich aus heimischen Wäldern - und leiden unter den Bedingungen in der Stadt. Sie kämpfen mit einem unnatürlichen Lichteinfall durch Reflexionen, versiegelten Böden oder dem Urin von Hunden. Doch in Zukunft dürften Trockenheit und Hitze die größten Störfaktoren sein. "Es wird nicht einfacher für die Bäume werden", sagt Bauer. "Gerade in den Innenstädten. Denn dort sind die Temperaturen schon heute deutlich höher als auf dem Land." Gleichwohl sich eine Millionenstadt wie Köln noch mal stärker aufheizt als eine Stadt wie Dinslaken mit viel Grün drum herum.

Doch die Kandidaten für aktuelle und zukünftige Problemfälle sind überall die gleichen: Kastanien, Eschen, Linden oder Platanen haben wohl keine große Zukunft in der Stadt. So leiden Kastanien immer wieder unter der Minniermotte, einem Schädling der aufgrund des milderen Klimas mittlerweile ohne Probleme hier überwintern kann, so Bauer. "Vor 20 Jahren kannten wir dieses Problem noch nicht." Auch die in den 1960er Jahren aus dem Süden importierte und als besonders widerstandsfähig gegen Abgase und Industriedeck geltende Platane ist heute oft von einem Schädling befallen.Was sind die Alternativen? Vor allem Bäume, die aus Regionen stammen, in denen heiße Sommer und kalte Winter vorherrschen. Denn auch in Zukunft müssen die Pflanzen frostresistent sein, Palmen dürften kaum im Stadtbild auftauchen. Die Galk veröffentlicht auf ihrer Internetseite eine ständig aktualisierte Liste mit Bäumen, die in Deutschland gerade getestet werden. Mögliche Kandidaten sind unter anderem ein Burgen-Ahorn aus dem Mittelmeerraum, eine Grün-Esche aus Nordamerika oder die neugezüchtete Ahorn-Sorte "Allershausen". Auch Ginkgos sind sehr robust. "Wichtig sind aber nicht nur neue Arten, sondern eine große Vielfalt", so Bauer. Denn ist der Bestand gut durchmischt, fällt es nicht so stark ins Gewicht, wenn mal eine Art Probleme bekommt.

Die häufigsten Straßenbäume in Dinslaken sind Platanen, Kastanien, Buchen und Eichen. Was Veränderungen in diesem Bereich angeht, sieht die Stadt aktuell keinen großen Handlungsbedarf. "Der Klimawandel wird in diesem Zusammenhang ein wenig übertrieben", sagt Sprecher Horst Dickhäuser nach Rücksprache mit den städtischen Experten. Die Anpflanzung von exotischen Baumarten sei zunächst nicht geplant. Verzichten möchte die Stadt in Zukunft weitestgehend auf Neuanpflanzungen von Kastanien, Eschen und Platanen, zugunsten von Ahornen, Baumhaseln, Eichen oder eigens in Baumschulen gezüchteten Sorten.

Quelle: RP
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