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Dinslaken
Kobras teilen mehr als die Liebe zum Mofa

Dinslaken. 25 Stundenkilometer Freiheit und noch viel mehr: Die 21 Mitglieder des Clubs "Die Kobras" sind wie eine Familie. Von Hendrik Gaasterland

Es begann vor elf Jahren zu viert. Inzwischen sind es 21 Liebhaber vom ganzen Niederrhein, die im Club "Die Kobras" ihre Leidenschaft zu einem ganz besonderen Zweirad teilen: zum Motorfahrrad, kurz Mofa. Sie teilen jedoch nicht nur ihre gemeinsame Leidenschaft, sondern auch Werkzeuge, Ersatzteile und vor allem viel Zeit miteinander. "Die Kobras" sind mehr als ein Club. "Ein Leben ohne Kobra ist nicht mehr möglich", sagt Mitglied Ben Perdighe.

Wenn zwei Kobras am selben Tag zusammen ihre Partnerinnen jeweils in Vereinskutte heiraten und außerdem eine Nachwuchskobra mit dem Zweitnamen Hercules geboren wird, dann kann der Club durchaus als eine große Mofa-begeisterte Familie bezeichnet werden. "25 Stundenkilometer Freiheit" ist eines der Mottos, mit denen die Männergruppe auf ihren Mofas schon durch Kroatien, über die Rennstrecke des Nürburgrings in der "Schnapsglasklasse" oder gemütlich in der Sonne Mallorcas tourte. Die ersten Kobras waren schon auf den Straßen unterwegs, als ihre Zweiräder längst nicht so angesagt waren, wie sie es heutzutage wieder sind. In weiten Teilen Europas - sei es in Deutschland, Frankreich, in der Schweiz oder in Tschechien - ist das Fahren eines altehrwürdigen Mofas wieder Kult, nachdem es doch lange verpönt war. Selbst in den USA steigt die Nachfrage an. "Vielleicht liegt es am allgemeinen Retrotrend und an der Einfachheit. Jeder Laie bekommt ein Mofa ans Laufen, ohne viel von seiner Technik zu verstehen", erzählt August Seif. Auch er ist Mitglied bei den Kobras und reißt rund 1700 Kilometer im Jahr auf seinem Gefährt ab: "Ich fahre mit dem Mofa auch zur Arbeit."

Bei den Kobras geht der Trend inzwischen zum Zweit- oder Drittmofa, um für jeden Anlass gerüstet zu sein. Ein schnelles Mofa wird für den Nürburgring benötigt, ein verlässliches für längere Touren und eine Perle wird sonntags aus der Garage geschoben. "Früher bekam man ein Mofa für 50 Euro fast hinterhergeschmissen. Heute geht es bei 200 bis 300 Euro für das gleiche Stück erst los", berichtet Kurt Ammon, der mit 27 Jahren das jüngste Mitglied bei den Kobras ist. Die Ältesten im Club setzen sich auch mit 50 noch auf ihr Mofa. "Das Alter spielt bei uns keine Rolle. Aber wenn man so viel Zeit für die gemeinsame Liebe miteinander teilt, muss es menschlich passen, um bei uns Mitglied werden zu können", sagt Ben Perdighe.

Ein Höhepunkt bei den Kobras ist immer wieder die Jahrestour. Zehn Jahre lang ging es in Kolonne zum Campingplatz an den Wisseler See in Kalkar ("dort ist es uns aber zu spießig geworden"), 2015 hieß erstmals Haltern am See das Ziel. Ein weiteres Highlight in diesem Jahr war die von den Kobras ins Leben gerufene MoMoTo (Mofa- und Moped-Tour). "Eigentlich war es mal wieder eine bescheuerte Idee von mir. Aber es ging darum, mit möglichst vielen anderen Clubs eine Runde zu drehen", erzählt Ben Perdighe von dem Trip, bei dem Mofa-Clubs aus ganz Deutschland in einer Art Staffellauf einen goldenen Tank in 21 Etappen von Flensburg bis nach München brachten: "Es sind immer mindestens zwei verschiedene Clubs ein Stück der Strecke zusammen gefahren, haben den Tank mit Kleingeld und Scheinen gefüllt und an die nächsten übergeben. Eigentlich war es nur ein Testlauf, aber er hat super funktioniert."

Durch MoMoTo ging nicht nur ein Ruck durch die Mofabewegung, und es wurden viele Vereinsaufnäher geteilt und getauscht, insgesamt landeten 1006 Euro im goldenen Tank und wurden an die Arche Deutschland überreicht. "Für 2017 ist auf jeden Fall eine Wiederholung geplant. Aber dies ist nur eins von vielen weiteren Projekten, die wir in Zukunft noch vorhaben", kündigt Perdighe weitere Aktionen der Kobras an, bei denen mehr als die Leidenschaft zum Mofafahren geteilt werden.

Quelle: RP
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