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Dinslaken
Kupfermünzen keine Träne nachweinen

Dinslaken: Kupfermünzen keine Träne nachweinen
In der Metzgerei von Bernd Lehmkuhl landen viele kleine Münzen in der Kasse. FOTO: Lars Fröhlich
Dinslaken. Die Niederländer verzichten in ihren Geschäften schon seit längerem auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Auch im hiesigen Einzelhandel würden viele Kunden gerne das lästige Kleingeld abschaffen. Von Michael Turek

Ein prall gefülltes Portmonee ist nicht unbedingt ein Zeichen von Reichtum. Viele kleine Münzen sind im Umlauf. Beim Bäcker, beim Metzger oder im Lebensmittelladen wandern sie als Wechselgeld aus der Kasse in die Geldbörse. Doch vielen passt das so gut gefüllte Portmonee gar nicht. Denn es ist nicht leicht, die Ein- und Zwei-Cent-Stücke wieder los zu werden. Die Niederlande und nun auch Irland machen es vor, dort wird auf die kleinen Cent-Münzen verzichtet. Und Kunden, die wir gestern in der Innenstadt befragten, lieben die kleinen Geldstücke aus Kupfer auch nicht.

In der Metzgerei Lehmkuhl sind ungerade Summen Alltag, doch könnte sich Bernd Lehmkuhl, Inhaber der Fleischerei, gut vorstellen, dass wir niederländische Verhältnisse bekommen. Dort werden die Summen an den Kassen auf- oder abgerundet. "Das finde ich nicht verkehrt", sagt er. Für seine Entscheidung spielt auch eine Rolle, dass einige Banken Geld nehmen, wenn man bei ihnen Kleingeld eintauschen möchte. "Für uns ist Kleingeld mit Aufwand verbunden. Die Kunden sagen nicht, runden sie einfach auf", berichtet Bernd Lehmkuhl.

Die kleinen Kupfermünzen könnten ruhig verschwinden, meint Bernt Dörnemann. "Dann ist das Portmonee nicht mehr so voll", sagt er. Vielleicht gebe es dann in den Geschäften reale Preise. Es mache die Kaufleute nicht ärmer, wenn er statt 1,99 Euro nur 1,85 Euro für ein Produkt nehmen würde. "Eine gute Idee", lautet der Kommentar von Sandra Bloch. Die kleinen Münzen, die sie als Wechselgeld erhält, landen in den Spardosen der Kinder. Mit dem Auf- oder Abrunden, wie es die Niederländer machen, wäre sie einverstanden. Ursula Reuter-Rosemann versucht, die kleinen Münzen beim Einkauf auszugeben. Sie kennt aber auch die Situation an der Ladenkasse, wenn man in der Schlange steht und jemand sucht in seiner Geldbörse nach den passenden Münzen. "Da werde ich auch nervös, wenn sie kramen", sagt sie. Wenn es die kleinen Münzen nicht mehr gebe, würde sie sie auch nicht vermissen.

Keine Probleme mit dem Kleingeld hat Michael Meyer. In seinem Rewe-Lebensmittelmarkt in Hiesfeld seien es vor allem ältere Kunden, die gerne kleine Münzen beim Bezahlen wieder abgeben. Bislang habe er die ungeraden Preise nicht als nachteilig angesehen. Dass man durch Preise wie 1,99 Euro anstatt zwei Euro die Kunden zum Kauf verlocken könnte, sei auch vorbei. Das sei eine rein optische Sache, der Kunde erkenne das recht gut.

Das Thema komme immer wieder auf, hat Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Niederrhein, festgestellt. Die "krummen Preise" werden in der Handelslehre immer noch als psychologische Preisbarriere angesehen. Und viele Einzelhändler wollen darauf nicht verzichten, weshalb sie auf die kleinen Münzen angewiesen sind. Auch wenn sie die Beschaffung und Entsorgung der Münzen Geld kostet, habe er keine Signale erhalten, dass man darauf verzichten möchte, so Bommann. Viele erinnern sich noch gerne an den Glückspfennig. Diese Rolle hat das 1-Cent-Stück nach seiner Einführung im Jahre 2001 nicht übernommen.

Auch deshalb würde der kleinen Münze keine Träne nachgeweint werden. Oder wie es Bernd Lehmkuhl sagt: "Zum Pfennig hatte ich eine Bindung, aber nicht zum Cent."

Quelle: RP
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