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Voerde
Lebendiges Eine-Frau-Theaterstück

Voerde: Lebendiges Eine-Frau-Theaterstück
Krimiautorin Nicole Wollschlaeger las in der Stadtbibliothek Voerde. FOTO: Fröhlich
Voerde. Autorin Nicole Wollschlaeger las in Voerde aus ihrem neuen Kriminalroman "Elbschmerz".

Ein knallgrüner Frosch in entspannter Buddha-Haltung ziert das Buchcover und scheint damit auf den ersten Blick kaum zum Titel zu passen. "Elbschmerz" heißt nach "Elbschuld" der zweite Kriminalroman von Nicole Wollschlaeger, die für ihre Lesung in der Stadtbibliothek Voerde am Freitagabend extra aus dem hohen Norden angereist ist. Und das nun schon zum dritten Mal. Denn die gelernte Buchhändlerin, Schauspielerin und Autorin hat bereits während ihrer Lesereisen für die Kinderbuchreihe "Das magische Baumhaus" Stopps in Voerde gemacht. Die Stadt kennt sie also, das Publikum ist ihr dagegen neu. Daher geht sie lieber auf Nummer sicher und betont: "Der Krimi ist skurril - wenn Sie sich danach fühlen, lachen Sie einfach."

Zunächst aber klingen die ersten Sätze nicht unbedingt nach leichter Bettlektüre, vielmehr scheint der Titel Programm zu sein. Mit Dramatik in ihrer Stimme liest Wollschlaeger von furchtbaren Schmerzen, die der Protagonist verspürt und kaum aushalten kann. Dann ertönt jedoch der erlösende Klang und der Kommissar Philip Goldberg sowie seine beiden Kollegen Hauke Thomsen und Peter Brandt sind erlöst. Doch haben sie nicht etwa einen schlimmen Mord verhindert oder aufgedeckt, sondern lediglich die mehr oder weniger brutale Kunst des Yogas überlebt. Während die Idee der teambildenden Maßnahme vom ruhigen Goldberg stammt und der klatschbegeisterte Brandt sich davon mitreißen lässt, hält der cholerische Thomsen nichts von diesem "indischen Firlefanz". So unterschiedlich die drei Charaktere sind, so individuell verleiht Wollschlaeger ihnen ihre Stimme. Mal spricht sie mit tiefem norddeutschen Dialekt, dann schreit sie so laut, dass das Publikum kurz zusammenzuckt. So wirkt die Lesung eher wie ein lebendiges Eine-Frau-Theaterstück.

Dass Wollschlaeger mit einer solchen Perfektion die skurril-spannende Geschichte lebendig werden lässt, erklärt sie ganz nüchtern: "Für Frauen ist es schwer, Männerstimmen zu sprechen und der Heiser-Trick funktioniert auch nicht immer." Also sitze sie oft zu Hause am Schreibtisch, brülle oder schreie und finde so zu immer mehr Ausdruck in der Stimme. "Das ist eigentlich der meiste Spaß, weil ich so meine drei Berufe miteinander verbinden kann."

Den Zuschauern gefällt es, auch wenn die meisten vorher noch nichts von Nicole Wollschlaeger gehört haben und sich eher vom außergewöhnlichen Buchcover verleiten ließen. So wie die Yoga-Lehrerin Silke Kretschmer, die von der Lesung begeistert ist. Nur eines wundert sie: "Dass Leute beim Yoga wirklich solche Schmerzen haben können..."

(schur)
 
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