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Voerde
Leonhard Spitzer genießt die Zeit

Voerde: Leonhard Spitzer genießt die Zeit
Ihm geht's gut: Leonhard Spitzer genießt das Rentnerdasein. FOTO: Heinz Kunkel
Voerde. Er ist ein Bürgermeister außer Dienst. Vor mehr als zwei Jahren hat er die Tür zu seinem Büro im Voerder Rathaus zum letzten Mal hinter sich geschlossen. Trotzdem steht der 66-Jährige jeden Morgen um 6.30 Uhr auf. Von Petra Keßler

In der Woche morgens endlich länger schlafen - für Leonhard Spitzer ist das trotz Rentnerdaseins kein Thema. Der Tag beginnt für ihn nach wie vor um 6.30 Uhr, auch wenn die Arbeit im Rathaus schon längst nicht mehr Morgen für Morgen ruft. Der Bürgermeister a.D. hat seinen Tagesablauf beibehalten, eine Struktur zu haben, ist ihm wichtig, sagt der heute 66-Jährige. Vor mehr als zwei Jahren hat er die Tür zu seinem Büro zum letzten Mal hinter sich geschlossen. Seinen Abschied als Verwaltungschef nahm er früher als ursprünglich geplant. Eigentlich hatte Leonhard Spitzer bis 2015, wenn die Bürgermeisterwahl regulär angestanden hätte, im Amt bleiben wollen, doch dann erlitt er einen Schlaganfall. Für ihn war es ein "Warnschuss", die Ärzte rieten ihm, so schnell wie möglich aufzuhören. Realisierend, wie viel Glück er letztlich doch gehabt hatte, entschied er schließlich, sich früher zurückzuziehen.

Heute gehe es ihm richtig gut, erzählt er, zu sagen, es gehe ihm nicht gut, "wäre eine Unverschämtheit", schiebt der Pensionär gleich hinterher. "Wenn die nächsten zehn Jahre so laufen wie jetzt, ist das ein Geschenk des Himmels", sagt der frühere Verwaltungschef dankbar. Für ihn hat mit der Zeit als Pensionär ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Ihm sei es vergönnt gewesen, "etwas an der Spitze" zu regeln, wie er es formuliert - irgendwann dann müsse man jedoch loslassen, "die Jüngeren müssen ihre Erfahrungen machen".

Leonhard Spitzer möchte seine Zeit als Bürgermeister "keine Sekunde" missen. Gleichwohl schätzt er die neue Freiheit, die ihn "Herr über den eigenen Kalender" hat werden lassen. Mit dem Gang in den Ruhestand war für ihn klar: "Von nun an bin ich nicht mehr Bürgermeister, von nun an bin ich Bürger - einer von vielen." Angesprochen wird er von den Menschen in seiner Stadt nach wie vor. Vorhin noch beim Discounter, erzählt der 66-Jährige, als wir ihn zu einem Gespräch in seinem Garten treffen. Dafür sei er eben einfach lange Zeit Bürgermeister gewesen.

Das Ende seiner beruflichen Laufbahn war für ihn auch mit einem anderen Schlussstrich verbunden: Es sei für ihn ein "wichtiger Grundsatz" gewesen, "raus aus der aktuellen Politik" zu gehen. Seine Partei, die CDU, habe anfangs schon geschaut, ob er sich komplett zurückziehen wird. Der 66-Jährige ist weiterhin Mitglied, besucht Kreisparteitage, eine neue Funktion jedoch hat er nicht übernommen. Auch von Vereinen und Verbänden habe es eine Reihe von Anfragen gegeben. Doch Leonhard Spitzer lehnte ab. "Ich habe klar gesagt: Jetzt genieße ich die Zeit", sagt er und erinnert sich an die Zeit, als er durch sein Amt auch an vielen Wochenenden eingebunden war.

Das, was in Voerde passiert, interessiert ihn selbstredend auch weiterhin - in die aktuelle Politik jedoch mische er sich nicht ein, stellt Leonhard Spitzer, der Verwaltung von der Pike auf gelernt hat, klar. Wenn gewünscht, gebe er Tipps. Mit seinem Nachfolger Dirk Haarmann finde nach wie vor, nicht nur dienstlich, ein Austausch statt, was aber mit zunehmender Dauer weniger werde. Auch mit seinem Kollegen aus Hünxe, dem ehemaligen Bürgermeister Hermann Hansen, steht Leonhard Spitzer in Kontakt, beide gehen zum Beispiel zusammen paddeln. Auch schon zu ihrer Amtszeit hätten sie sich privat getroffen, erzählt Leonhard Spitzer.

Seine Frau Birgitt hatte anfangs Bedenken, dass er seinen beruflichen Abschied so einfach für sich wird abstreifen können. Doch die Befürchtungen sollten sich nicht bewahrheiten, der Fall in das berühmt berüchtigte schwarze Loch blieb mit Eintritt in das Rentnerleben aus. "Ich hatte noch keine Langeweile", versichert Leonhard Spitzer.

Arbeit wartet etwa im Garten, wo der Pensionär auch selbst zum Spaten griff, als der Teich an eine andere Stelle umziehen musste. In dem Kleinod sagt Birgitt Spitzer, wo's lang geht. "Meine Frau hat den grünen Daumen. Ich bin da nur Aushilfe", sagt der 66-Jährige schmunzelnd. Eine Rolle, mit der der frühere Chef im Voerder Rathaus offensichtlich gut leben kann.

Quelle: RP
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