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Dinslaken
Lernen hinter Stacheldraht

Dinslaken. Peter Keup hielt an den deutschen Schulen von Sao Paulo und Rio Vorträge. Von Hendrik Gaasterland

In den drei Wochen in Argentinien sammelte Peter Keup viele schöne Eindrücke. Doch es hat auch Dinge gegeben, die den ehemaligen Besitzer der Dinslakener Tanzschule und DDR-Zeitzeugen nachdenklich stimmten. "Die krassen gesellschaftlichen Unterschiede scheinen in Argentinien immer größer zu werden. Auch der Verlust an Demokratie im Land beschäftigt einen", meint Peter Keup weit entfernt von der Heimat aus Südamerika.

Nächster Stopp auf seiner Weltreise war Brasilien. Zunächst reiste der Zeitzeuge nach Sao Paulo, wo er an zwei deutschen Schulen zu Gast war. "Die Schüler lernen dort in äußerst privilegierten Verhältnissen. Die Schulen sind mit Geldern aus Deutschland und dem hohen Schulgeld der Eltern exzellent ausgestattet und gleichen Hochsicherheits-Einrichtungen", erzählt Peter Keup und berichtet von Schleusen für Fahrzeuge und kontrollierten Zugängen für Personen. Die Zäune und Mauern seien zusätzlich mit Massen von Stacheldraht ausgestattet: "Nach dem Verlassen derartiger Einrichtungen fallen einem die Armut am Rande der Stadt und die vielen bettelnden Menschen mitten im Stadtzentrum besonders deutlich ins Auge."

Nicht viel anders das Bild bei seiner nächsten Station an der deutschen Schule in Rio de Janeiro. Deren Geschichte ist eng mit der deutschen Geschichte verknüpft. Im Gebäude der Schule war während des Zweiten Weltkrieges die amerikanische Botschaft ansässig und 1942 unterzeichnete dort - im heutigen Lehrerzimmer - Brasilien den Kriegseintritt gegen Hitler-Deutschland an der Seite Amerikas. "Die Lage der Schule ist spektakulär. Sie liegt unterhalb des Bergs Corcovado, auf dem sich die berühmte Christus-Statue befindet, die ihre Arme quasi über der Schule ausbreitet", sagt der ehemalige Turniertänzer, dessen Flucht aus der DDR 1981 gescheitert war und derwegen "Republikflucht" zu zehnmonatiger Haftstrafe verurteilt worden war.

Das Interesse der Schüler an der jüngsten deutschen Geschichte war bei Keups persönlichen Schilderungen an allen Schulen sehr groß. Vor allem in Rio: "Einige Schüler blieben noch lange nach dem Vortrag, um über Diktatur, Demokratie, Freiheit und Menschenrechte zu diskutieren." Der Vize-Schulleiter in Rio stammt aus Duisburg und einer der Geschichtslehrer gar aus Dinslaken. So konnten beim Austausch noch Heimatgefühle entstehen, bevor es nach erholsamen und freien Tagen an der Copacabana - und insgesamt einem Monat Aufenthalt in Südamerika - weiter nach Nordamerika ging. Dort wird Peter Keup nun bald in Boston erwartet.

Quelle: RP
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