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Dinslaken
Luther und die Macht des Bildes

Dinslaken. Kunsthistorikerin Silke Klaas sprach zum Abschluss der Ökumenischen Woche über Kunst und Reformation.

Die Reformation hat ein Gesicht: Martin Luther. Selbst wer nicht mit seinen theologischen Schriften oder seinen Thesen vertraut ist, hat sein Bild vor Augen. Und genau darin lag, so die Dinslakener Kunsthistorikerin Silke Klaas, ein Schlüssel zum Erfolg der Reformation. Luthers Ideen konnten sich durchsetzen, weil sie über das Bild und den frühen Buchdruck verbreitet werden konnten. Massenmedien als Motor für den Umbruch? Ist das nicht ein modernes Phänomen? Das Poster von Che Guevara in den 1960er Jahren, Popkultur, oder jüngst der Arabische Frühling, der sich über die sozialen Medien im Internet ausbreitete?

Alles schon da gewesen, nachdem 1450 Gutenberg den Buchdruck erfand und sich in derselben Epoche die Darstellung des Menschen im individuellen Porträt durchsetzte. Fehlt noch der geniale Geist, der diese Möglichkeiten zusammenführt, um seinen Ideen zum Erfolg zu verhelfen.

Lucas Cranach der Ältere - Maler, Werkstattleiter, Apotheker, Holz- und Weinhändler im königlichen Dienst - stand Luther zur Seite. Ein Mann mit Einfluss, Reputation und ein persönlicher Freund. Er prägt das Bild des Reformators bis heute.

Das Luther-Porträt, das derzeit überall zu sehen ist, zeigt einen Mann in schwarzer Kleidung, gesetzt, massiv. Einer, dem man das "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" abnimmt. Es dauerte, bis Cranach das Bild vollendet hatte.

Silke Klaas, Kunsthistorikerin am Stadtmuseum Langefeld, hat sich für ihren Vortrag im Evangelischen Gemeindehaus in Dinslaken zum Abschluss der Ökumenischen Woche tief in das Thema eingearbeitet und den Besuchern am Sonntag in einem dezidierten Vortrag dargestellt, wie Cranach das Bild benutzte, um Inhalte massenwirksam und symbolträchtig zu transportieren.

Allein seine Luther-Porträts: Der erste Kupferstich von 1520 zeigt einen hageren, streitbaren Rebell. Doch schnell mildern sich die Züge, Luther wird zum Redner im Disput. Noch ein wenig den Blick nach oben, und es fehlt nur noch die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Zwischendurch ein Imagewandel: Junker Jörg trägt kämpferisch Bart und Schwert. Danach ist Luthers Bild gefestigt. Cranach geht in seiner Werkstatt in Serienproduktion. Man bestellt seinen Luther im vorgegebenen Wunschformat. Und mit ihm den befreundeten, schmächtigen Melanchthon. Oder Luthers Ehefrau, die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Spannend ist ihre Entwicklung: Zeigt sie im ersten Porträt mit kämpferischem Blick ihren Ehering, wandelt sie sich im Folgenden zur Gott und den Menschen wohlgefälligen Frau und Mutter.

Als die Reformierten die Sakralkunst in den Kirchen zerstörten, sah Luther seine Bewegung gefährdet. Die Anbetung von Bildern lehnte er ab. Aber der Cranach-Freund wusste um ihre Bedeutung. Silke Klaas zeigt die Entwicklung von Bildtypen mit speziell protestantischen Inhalten, Lehrstücke in Öl auf Holz.

So friedlich wie auf den Altarbildern ging es auf den Flugblättern nicht zu. Der geschäftstüchtige Cranach bediente auch die Konkurrenz: Reformation und Papsttum diffamierten und dämonisierten sich gegenseitig in monsterhaften Gestalten, gerne zielte man dabei auch unter die Gürtellinie.

Imagebildung und einfache Botschaften, Luthers Kopf als "Sackpfeife des Satans". Es scheint, als seien Auswüchse mit Massenmedien einfach verbunden. Und das schon seit 500 Jahren.

(bes)
 
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