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Dinslaken
Madrigalchor fasziniert mit Mozart

Dinslaken: Madrigalchor fasziniert mit Mozart
Der Madrigalchor Dinslaken und die Capella 94 unter der Leitung von Christoph Scholz vor ihrem erwachsenen Publikum in der Sankt-Vincentius-Kirche. Zuvor brachten die Sänger und Musiker Mozarts Musik Kindern in einem eigenen Familienkonzert näher. FOTO: Jochen Emde
Dinslaken. Publikum in der Vincentius-Kirche bedankt sich für Waisenhausmesse und Missa solemnis mit kräftigem Beifall. Von Bettina Schack

Tausende und abertausende von Eindrücken aus Reisen quer durch halb Europa, Gehörtes, Aufgeschnapptes und selbst Ausprobiertes und Durchdrungenes und dazu die eigene überbordende Fantasie und Unbekümmertheit. Wenn man eine ungefähre Vorstellung haben möchte, wie es im zwölfjährigen Mozart aussah, braucht man nur bei seiner ersten Missa solemnis in c-moll genau hinzuhören. Nicht vor dem scheinbar unüberbrückbaren Gegensatz dieses opulenten, großen Werkes für Solisten, Chor und Orchester mit Pauken und Trompeten und dem Alter des Wunderkindes erstarren, sondern sich mitnehmen und anstecken lassen von der Abenteuerlust eines Jungen, der so voller Musikalität steckte, dass er mit ihr spielen und fantasieren konnte, wie andere Kinder mit ihren Actionfiguren heute Blockbuster nachspielen.

Mozarts Waisenhausmesse, so genannt, weil sie (vielleicht) für die Einweihung des Wiener Waisenhauses 1768 komponiert wurde, ist ein schillernd buntes Spiel mit Drama, Oper, packenden Melodien, mitreißenden Rhythmen und musikalischen Überraschungen, die aus der unbekümmerten Lust entstanden, die klingende Welt so zu machen, wie es Mozart gefiel. Am Sonntag leitete Christoph Scholz den Madrigalchor Dinslaken, die Capella 94 auf ihren historischen Instrumenten und die Solisten Susanne Martin (Sopran), Cornelia Orendi (Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Gregor Finke (Bass) mit Verve durch das sakralmusikalische Wunderland des Wunderkindes.

Und dies tat er gleich mehr oder weniger zweimal. Bevor die ungekürzte Fassung am Abend auf dem Programm in Sankt Vincentius stand, brachten die Mitwirkenden Auszüge in einem Familienkonzert an gleichem Ort einem jungen Publikum näher, Vergleiche zwischen Orchester und Sportmannschaft inklusive.

Zwölf Jahre später nach der Uraufführung der Waisenhausmesse: Die schroffen Brüche zwischen den einzelnen Stücken eines Werkes, die Mozarts Missa solemnis in c-moll Farbe verleihen, aber doch auch noch von einer gewissen Unerfahrenheit zeugen, sind in den Vesperae solennes de Confessore verschwunden.

Auch ein zwölfjähriger Mozart ist ein Teenager, der im Moment lebt - und komponiert. Mit 24 dagegen ist das ehemalige Wunderkind bereits ein Routinier. Er weiß, was er tut, welche Wirkung er erzielt. Und was sein Auftraggeber, der Salzburger Erzbischof Colloredo, der in die Musikgeschichte als bedeutender Banause einging, verlangt.

Im Konzert am Sonntag wurde dieses Werk der Waisenhaus-Messe gegenüber gestellt: Ein akustischer Entwicklungsroman von kindlichem Überschwang zum kontrollierten Werk eines zu dieser Zeit desillusionierten jungen Erwachsenen, dem es dann bei allen Zwängen trotzdem gelingt, sich in einer vollkommenen musikalischen Welt zu bewegen und auszudrücken.

Ahnte Mozart, dass man das "Laudate dominum" noch draußen vor der Kirche summen würde, als er die bezaubernde Melodie, die Violinen gleichsam erfinden, vom Sopran aufnehmen und dann den ganzen Chor einstimmen lässt?

Beifall im Stehen für das Konzert, das im Rahmen des Mozart-Projektes von Christoph Scholz ein funkelnder, glänzender Teil eines großen Ganzen war.

Quelle: RP
 
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