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Voerde
Marcus Strümpe und die Kunst der Transkription

Voerde. Im Mittelalter war es eine Selbstverständlichkeit und noch zu Zeiten der gepflegten Hausmusik war es gang und gebe: Wenn ein Stück gefiel, wurde es für das Instrument, das gerade zur Hand war, "passend gemacht". Auch für die Orgel gibt es eine Vielzahl von Bearbeitungen und es gilt: adaptiert wird, was beliebt ist. Dass solches angesichts der Klangmöglichkeiten der Orgel ein besonderer Hörgenuss ist, stellte Marcus Strümpe am Sonntag auf der Seifert-Orgel unter Beweis. Der Organist der Duisburger Salvatorkirche demonstrierte in Sankt Paulus Voerde "Die Kunst der Transkription".

Die Register der Orgel imitieren Barockinstrumente. Da liegt es eigentlich nahe, wenn Bach ein Concerto grosso von Vivaldi für dieses Instrument bearbeitet. Strümpe beginnt mit einem transparenten, filigranen Klangbild, das den Eindruck eines kammermusikalischen Ensembles erweckt, setzt aber ab der Fuge auf einen typischen, kompakten Orgelklang: Bach und seine Klangästhetik erheben sich in der Transkription über das Original. Oder lassen wir uns aus heutiger Sicht täuschen? Das berühmte Air schrieb Bach für eine Orchestersuite, die Orgelbearbeitung ist ein Werk der Romantik. Strümpe befreit es von Sentimentalität und betont lieber das gleichmäßige Metrum der Unterstimmen als dass er sich von der Oberstimme zu ausufernden Spannungsbögen verleiten lässt.

Im Wortsinn alle Register der Spätromantik kann Marcus Strümpe für die Variationen über "Wachen, klagen, sorgen, zagen" ziehen. Franz Liszt bezieht sich zwar auf ein absteigendes chromatisches Thema von Bach, durchlebt aber unter dem Eindruck des Tods seiner Tochter ein Wechselbad von Wut, Verzweiflung und Trauer. Mit Stücken aus Griegs populärer "Peer Gynt"-Suite und dem hymnischen "Finlandia" von Sibelius beschloss Strümpe die Kunst der Transkription. Bei der Zugabe, dem Menuet aus Boellmanns "Suite gothique" handelte es sich um eine Originalkomposition.

(bes)
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