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Dinslaken
Martin zieht zurück in die Stadtkirche

Dinslaken: Martin zieht zurück in die Stadtkirche
Die Skulptur des Heiligen Martin mit dem Bettler. Archiv-Foto: BEHRENDT, FOTO: BEHRENDT Eduard
Dinslaken. Die Skulpturen des Heiligen und des Bettlers sind ab Samstag im Gotteshaus an der Duisburger Straße zu sehen.

Der Heilige Martin kehrt zurück in die evangelische Stadtkirche - nach über 100 Jahren. Ab Samstag wird er wieder seinen Platz auf der Empore der Kirche einnehmen, gesichert in einer Vitrine. Denn die etwa 69 Zentimeter große Figur ist eine künstlerisch wie kulturgeschichtlich bedeutende Figur aus Holz, die seit 1909 im evangelischen Pfarrhaus Unterschlupf fand.

Damals, so erzählt Ulrich Tekathen, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Altstadt, wurde die Stadtkirche mal wieder restauriert, der Heilige Martin hoch zu Ross mit einem Bettler an der Seite musste ausziehen, fristete ein mehr trostloses Dasein, bis um die Jahrtausendwende es dem damaligen Pfarrer Ronny Schneider gelang, Spendengelder für die fachgerechte Restaurierung der Skulptur zusammen zu bekommen. 2008 erstrahlte Sankt Martin samt Bettler wieder in vollem Glanz. Doch weitere acht Jahre sollten vergehen, bevor es der IG Altstadt "durch viel Reibekuchen- und Würstchenverkauf" gelang, auch eine diebstahlsichere Vitrine anzuschaffen, in der Sankt Martin nun sein Domizil finden soll.

Jahrhunderte alt ist die Figur, sie war Bestandteil eines Altarbildes in der mittelalterlichen Gasthaus- oder Martinskapelle, ihre Herkunft ist bis heute unbekannt. Das alte Gasthaus, ein Hospital, etwa an der heutigen Bibliothek gelegen, war einst eine Pflegestätte für altersschwache und bedürftige Menschen, die von den Nonnen des nahen Klosters gepflegt wurden. Im Rahmen der Reformation wurden auch in Dinslaken zwei neue Kirchengemeinden gegründet, berichtet Ulrich Tekathen, "die Lutheraner und die Reformierten". Durch den Magistrat der Stadt Dinslaken erhielten die Lutheraner um 1611/12 die Martinskirche zuerkannt und somit die Figur des Martin und die des Bettlers. Die Lutheraner, anders als die Reformierten, hatten sich am Bildersturm nicht beteiligt, die Figur fiel also nicht der Vernichtung zum Opfer. "Welch göttliche Fügung für uns, dass die Lutheraner die Kirche bekamen", meint Tekathen. Nun, die Katholiken, denen die Figur eigentlich gehörte, waren damals sicher anderer Meinung. 300 Jahre nach Luthers Thesenanschlag vereinigten sich die beiden evangelischen Gemeinden und heute, im Lutherjahr, kommt der Martin endlich an seinen angestammten Platz zurück. Dank der IG Altstadt, die sich der Brauchtums- und Denkmalpflege verschrieben hat, und dem Presbyterium der evangelischen Stadtkirche sowie der Firmen Glasbau Weber und Metallbautechnik Grommers, die sich daran machten, eine geeignete Vitrine zu entwerfen.

Beim Martinssingen am Samstag, 5. November, ab 16.30 Uhr, wird die Statue wieder der Öffentlichkeit übergeben.

(big)
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