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Dinslaken
Melancholische Romanzen

Dinslaken. Das Kammerorchester und Dozenten der Musikschule Dinslaken trafen sich am Samstag zur "Soirée musicale" Von Bettina Schack

Eine Romanze ist ein zeitlich begrenztes, aber dafür umso emotionaleres Miteinander. Das gilt in der Liebe wie in der Musik. Dort trifft ein Soloinstrument auf ein Orchester, die Form ist locker, die Dauer kurz, der Ton aber ist gefühlvoll und variiert zwischen zart und leidenschaftlich. Gleich vier solcher Romanzen brachte die Soirée musicale in der Kathrin-Türks-Halle hervor. Und auch in den restlichen Werken trafen Solostimmen auf Orchesterparts.

Eingefädelt hat diese Begegnungen Sebastian Rakow, Leiter des Dinslakener Kammerorchesters und der Musikschule. Die Solisten des Abends waren Dozenten, die sich in ihrem Format "Soirée musicale" einmal nicht allein oder in kammermusikalischer Besetzung, sondern im Rahmen der Sinfoniekonzerte des Kammerorchesters präsentieren konnten. Für das Publikum bedeutete dies ein abwechslungsreiches Programm mit vielen Klangfarben, gekonnter Virtuosität und großem, reichem Orchesterklang. Am Anfang stand wie so oft Bach. Rainer Helling gab dem Brandenburgischen Konzert Nr. 2 F-Dur mit seiner Blockflöte einen historischen Touch, Sebastian Rakow nutzte den Hinweis einer späteren Notenabschrift, die Trompete durch das Horn zu ersetzen. Komplettiert wurde die so in den Bassraum erweiterte Quartettbesetzung durch Sigrid Schwering (Violine) und Renate Becker (Oboe). Auch Barbara Ravenstein-Holländer brachte ihre eigenen Klangvorstellungen ein. Die Romanze op. 26 g-moll ist Johan Severin Svendsens berühmtestes Werk - für Violine. Aber die Viola eignet sich für romantische Werke, also erarbeitete die Solistin sich das Werk für ihr Zweitinstrument.

Melancholisch, schwärmerisch, dunkel: in der Romantik liebte man die Viola für diese Charaktereigenschaften. Burkhard Tillmann mit der Romanze für Viola und Orchester op. 85 f-Dur eine Originalkomposition von Max Bruch. Die Romanze in F-Dur stammt von Ludwig van Beethoven. Nachiko Ueno (Violine) bereitete dem Publikum in der Kathrin-Türks-Halle dieses Hörvergnügen.

Concertino bedeutet "kleines Konzert", aber Carl Maria von Weber nutzte für sein Werk für Klarinette und Orchester die ganze Bandbreite von melodramatisch bis heiter. Solist Kyusang Jeong nahm die Hörer ebenso für sich ein wie Adrian Cygan im Konzert für Cello und Orchester Nr. 1 C-Dur Hob. VIIb:1 von Joseph Haydn und Elena Lebedeva in Introduktion und Allegro op.134 d-moll von Robert Schumann, ein Werk, in dem das Orchester nur musikalisch den Vorhang für den großen Auftritt des sich selbst begleitenden Konzertflügels zu sein scheint. Wie melodisch der Orchesterapparat ohne Solisten klingen kann, zeigten Sebastian Rakow und das bestens aufgelegte Kammerorchester mit einer Serenade von Alexander Glasunow.

Quelle: RP
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